Oscar-Kolumne: Alles für die Katz’ (31. Oktober 2008)

So ein Schreihals! Kümmert man sich mal fünf Minuten nicht um sie, dann bläkt sie zum Steinerweichen: Elli, 12 Wochen altes Katzen-Mädchen. Rotfellig und daher so selten wie offensichtlich auch eigensinnig. Bis gestern 16.30 Uhr unfreiwillige Bewohnerin des Gothaer Tierheims. Mit drei Geschwistern Heim-Kind geworden, weil das bisherige Zuhause “aufgelöst” wurde. Die alte Dame, die der Katzenfamilie Obdach, Futter und sicher auch viel Liebe gewährte, musste ins Pflegeheim. Jetzt also ist Madame dem Aschenbrenner-Clan angehörig.

Mit allen Folgen.

Zunächst den angenehmen: Tapsig, neugierig, so süüüüüüüüüüüß.

Beide Mädels kriegten sich gestern Abend am Telefon fast nicht mehr ein. Noch ein Grund mehr, ab und an nach Hause zu kommen.

Elli erkundete binnen weniger Stunden alle vier Etagen des Hauses. Mein Büro ist ihr immer noch am wenigstens sympathisch, auch wenn sie zwischendurch immer mal auf meinem Schoß geruht zu ruhen oder meinen Schreibtisch verwüstet. Liegt halt jede Menge Papier herum, was so wunderbar raschelt. Miss Moneypenny, meine nette Brachypelma albopilosum oder Kraushaar-Vogelspinne, interessiert sie hingegen nicht die Kralle. Die vier Heuschrecken aber, die in ihrer Plaste-Dose fröhlich auf und nieder hüpfen und im Wochenrhythmus nach und nach der achtbeinigen Grazie als Beute und Futter dienen, faszinieren deutlich mehr.

Zum A-Team gehören ja schon zwei Katzeks: der getigerte ältere Willi, auch auf den Namen “Stubenschwuchtel” hörend, und Louis, der dreijährige rote Kater.

Während Willi weitestgehend die Rotfell-Wuseleline ignoriert, dafür aber zweimal Protest-Kackhaufen auf der Treppe zum Büro ablud, hat Louis offensichtlich ein erhebliches Problem: Er faucht die zwei Handvoll Katze ausnahmslos immer an, alsbald er ihrer ansichtig wird. Und er geht seit gestern fremd. Richtig ausdauernd. Üblicherweise holt er sich ja immer Leckereien und Streicheleinheiten in der Nachbarschaft, ist rotzfrech schon fast in jeder Küche und jedem Schlafzimmer gewesen. Der Bursche ist fix – da braucht eine Terrassentür nur einen Moment offen stehen, schon hat er sich selbst eingeladen.

Mit einer Ausnahme: Um das Grundstück des besonderen Menschen-Freundes zwei Häuser weiter östlich macht auch Louis einen größeren Bogen. Aber den kann ja hier wohl niemand leiden. Er mag uns ja auch alle nicht. Vor allem hasst er Kinder, für ihn “Dreckszeug”. Was für’n armes Schwein…

Louis jedenfalls streunt jetzt anhaltend auswärts. Da mache ich mir erst einmal keine Sorgen. Rothäute sind eben Sensibelchen. Wie ich auch eines bin; man glaubt mir Skorpion das bloß nicht…

Aber zurück zu Elli. Auch deshalb, weil ich erst einmal schauen muss, was sie treibt. Man hört sie nämlich nicht. Wie bei Kindern immer ein Zeichen, dass sie Unfug ausheckt. Moment…

Gut; kein Grund zur Aufregung. Das Mädel hat bloß entdeckt, dass das Seramis in den Blumenkübeln meines Weibes prima zum Buddeln geeignet ist und obendrein die feinere Katzentoilette. Ich erleide dies mit stoischer Ruhe – und einem Grinsen, dass allerhöchstens von dem diabolischen Ausdruck übertroffen werden würde, den Jack Nicholson drauf hat. Schließlich soll sich auch Tina daran erfreuen, dass wir jetzt ENDLICH, ENDLICH eine rote KATZE haben. Das war ja schon lange ihr Trachten. Nu’ hab‘ obendrein ich geholfen, dass sich ihr Wunsch erfüllt …

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