„Ich bin gerne Gastgeberin“

Gotha. Die Ohrdrufer Straße. Ausfallstraße und Einfallstor. Seit 1. Juni 1996 auch Adresse eines Hotels mit animalischer Nachbarschaft. Die ist bald Namenszusatz: „Quality Hotel am Tierpark“. Das feiert jetzt 20. Geburtstag.

Ein Maitag. Die Sonne lunzt ums Eck. Spiegelt sich auf blitzeblank polierten Gläsern; darunter jene für Rotwein. Mehr als 20 sind es. Ganz sicher.

Logisch, will man meinen. Schließlich gehört ein Restaurant zum Haus. Jahre zuvor war aber der Bestand jener 20 Gläser ein Thema, erinnert sich Hoteleignerin Hannelore Neher: Damit die erste Familienfeier mit 35 Leuten stattfinden konnte, investierte sie damals unverzüglich. In Rotweingläser.

1998. Neher, geboren in Berka (Werra), hatte gerade das Leben aus dem Koffer aufgegeben. War zuvor zwischen Berlin und dem Tegernsee unterwegs. Hatte als Regionaldirektorin einer Hotelkette stets vier Wochen das Kommando in neuen Häusern, um sie „ins System zu integrieren“. Wie in Gotha, wie im Ex-Treff-Hotel.

Neher kam. Sah. Und blieb. War der Kurzzeitkarrieren als „Eingliederungshilfe“ überdrüssig. Erkannte das Potenzial des Hauses. Wollte sesshafter werden. Lebte damals in Erfurt. Schlug also im Juni 1998 Wurzeln, tauschte das Monats-Management gegen die Vollzeit-Verantwortung als Direktorin.

Der Start war beschwerlich. Über elf Jahre und sieben Pächter blieb das Haus in Zwangsverwaltung. Dann hatte Hannelore die vielen, stetig wechselnden Dienstherren und die Faxen dicke: Pachtete 2005 das Haus am „See“. Wagte 2009 den ganz großen Wurf. Kaufte das Hotel.

Mut hat sie. Und viel mit ihren „QualiTätern“ geschafft. Überhaupt – „ihr“ Team. Da lässt sie nix drauf kommen. „Dieser tollen Truppe verdanken wir den Erfolg und unseren guten Ruf.“ Nehers Anspruch, ein „Zuhause auf Zeit“ zu sein, steht und fällt mit Service, Freundlichkeit und Kompetenz jedes Einzelnen.

So viel Engagement findet Anerkennung. Mit dem grünen „Q“ bekam das „Quality“ als erstes Haus im Landkreis das „Thüringer Quali­tätssiegel“. 2005 folgte die Qualitätseinstufung als „Drei-Sterne-Superior“-Hotel, die 2011 bestätigt wurde. Die Choice-Gruppe, zu der das Haus gehört, zeichnete Neher 2001 als „Managerin des Jahres“ aus. 2011 folgte die Ehre, „Hotel des Jahres“ zu sein.

IMG_3352 Gut eine Million Euro sind nun investiert. Fast alles ist neu: Mobiliar, Teppiche, Gardinen, Innendeko, Küche. Auch die Konferenz- und Kommunikationstechnik. „Von den 25.000 Gästen im Jahr sind die meisten Geschäftskunden, die Wert auf solche Dinge legen.“

Aufschwung ist also Neher. Davon profitieren Firmen von hier: „Für mich keine Frage: Geld, das wir hier verdienen, kommt auch wieder der Region zugute.“

Der ist Hannelore Neher weit übers Gewerbe mit der Herberge hinaus verbunden, die in den letzten zwei Jahrzehnten über 360.000 Gäste zählte.

Sie hat ein Faible für Sportler. Sonst eher zurückhaltend, wagt sie dafür Spektakuläres. Wie 2005 den „Kellnerlauf“. Der adaptierte das Pariser Original auf den Champs Elysées. Das Gothaer Pendant war witziges Warm up für den „Citylauf“. Doch der findet traditionell am Muttertag statt – einer der Umsatzbringer der „QualiTäter“. Also flitzten nach vier Tablettwettbewerben Nehers Truppen wieder übers heimische Parkett.

Schließlich brauchte es langen Atem, das Haus den Gothaern schmackhaft zu machen – mit Oldie-Abenden, der Hauskirmes, Partys für Firmen, Familien…

Nehers Faible blieb. 2013 startete daher der „Christmas fun“.Wie einst beim „Spiel ohne Grenzen“ sorgen Mannschaftswettbewerbe für Unterhaltung. So auch kurz vor Weihnachten 2015. Sechs Leute messen sich in fünf witzigen Wettbewerben. Wie immer haben die Teilnehmer aus den vier großen Gothaer Ballsportvereinen Wacker, BiG, VC Gotha und den Hornets ihren Spaß an der dritten Auflage dieses Advents-Events. Schließlich erhält jeder (s)einen Anteil an den Siegprämien: 5.000 Euro stiftete das „Quality“, weitere 1.250 Euro Nehers Freund und guter Kunde, Wolfgang Struensee (Crestcom Germany) . Diese Art, die Vereinskasse aufzubessern, gibt es kein zweites Mal in Gotha. Auch deshalb ist sie erste Sahne.

Übrigens waren eine laue Sommernacht an der Seenlandschaft vorm „Quality“, eine Runde Freunde und ein paar Cocktails die Zutaten für diese Idee. Möge das „QualiTäter“-Team weiter so kreativ bleiben.

Derzeit sind es 29 Leute, davon sechs Gastgeber in spe. Jedes Jahr bekommen drei junge Leute ihre Chance.

Die Liebe zum Beruf kann vor allem Hannelore Neher näher bringen, ganz hervorragend sogar. Denn von Herzen und ganz überzeugend bekennt sie: „Ich bin gerne Gastgeberin.“

(veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 27. Mai 2016)

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