Oscar-Kolumne: Gaaaanz großes Kino!

Auf die 2012er „Bambis“ macht niemand mehr Jagd. Die „Goldene Hennen“? Danach kräht kein Hahn mehr. Auch die „Bären“ sind erlegt. Nur noch die goldigen Jungs, die „Oscars“ stehen aus. Bis Sonntag …

Ich bin kein Cineast, halte mich auch nicht dafür. Im Gegensatz zu anderen Schreiber- und sonstigen Medien-Sonderlingen. Trotzdem würde ich gern einen Preis vergeben. Mit gewisser Logik und bezogen auf meine publizistische Bütt, halt einen „Oscar am Freitag“: Für „Uwe Walther in Fahrt“.

Deshalb, weil der Landratskandidat der SPD Originelles wagt, eine Videoserie zur 2012er Kommunalwahl veröffentlicht. Das ist neu, kreativ, sehenswert.

Zum einen sind es keine verwackelten Privatfilmchen à la „Omas 65. Geburtstag“. Dafür legte ein Profi Hand an, der sonst fürs „Thüringen Journal“ arbeitet.

Zum anderen: Da wurde richtig Gehirnschmalz investiert. In vier thematischen Filmen – drei weitere soll es geben – von maximal zwei Minuten Länge gibt Walther Auskunft, wer er ist und was er will.[1]

Dabei löffelt er die Suppe aus, die er sich selbst einbrockte. Redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Nicht staatstragend. Meist verständlich. Manchmal etwas ums Eck.

Ein glückliches Händchen hatte es da, das Sonntagskind. Denn an eben einem solchen Tag Anfang Juli vor 50 Jahren tat Walther seinen ersten Brüller.

Apropos: Zum Brüllen komisch fanden Netznomaden eine Parodie seines Wahlspots „Landkreis Bewegen!“ Kaum war der online, hatte ein Kreativling mit nicht nur feiner Ironie den Clip in die digitale Mangel genommen.[2] Es ehrt Walther, dass er dies mit Humor nahm. Aber selten war ein Herausforderer so herausfordernd.

Da halten sich andere bedeckt: Von Konrad Gießmann gibt es auch so etwas wie ein Video – eine Reihe offizieller Fotos von Landratsterminen.[3] Seine Wahlhelfer kündigten aber an, dass es nach offiziellem Wahlkampagnen-Auftakt am 7. März heißt: „Das Imperium schlägt zurück“ –  um im Kino-Slang zu bleiben. Gießmanns Homepage hingegen ist informativ. Sein Team sammelt fleißig Fürsprecher, die sich dort und auf Facebook finden.

Die anderen derzeit bekannten Aspiranten auf den begehrten Stuhl in Gothas 18.-März-Straße 50 sollten zulegen: Von Steffen Fuchs (Bündnis 90/Die Grünen) ist außer knappen Zwischenrufen in Gothas Facebook-Gruppen bisher kaum etwas zu vernehmen. Gut, schließlich wurde der Schatzmeister des Kreisverbandes erst am 23. Februar offizieller Kandidat. Bemerkenswert allemal: SPD und Grüne sind im Kreistag eine Fraktionsgemeinschaft. In Sachen Landratswahl macht aber jeder sein Ding.

Da ist die FDP konsequenter: Deren Kreisräte Torsten Köhler-Hohlfeld und Jürgen Ehrlich fanden sich jetzt zur Fraktionsgemeinschaft mit der CDU. Kreisvorsitzender Köhler-Hohlfeld begründete dies so: Man wolle das bürgerliche Lager stärken und um „einen Landrat der SPD zu verhindern“, verzichtete man auf einen eigenen Kandidaten (TA, Lokalausgabe Gotha, 3. Februar).

Der parteilose Ottokar Luhn geht für DIE LINKE ins Rennen. Der 59-jährige war bis 1996 Fuhrunternehmer. Er hatte dann diverse Jobs, ist nun arbeitslos. Seine politischen Ansichten gibt er als Chefredakteur der Online-Zeitung „Artikel Eins“ preis.[5]

Der Name bezieht sich auf den ersten Satz des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das hindert den NVA-Oberstleutnant a. D. nicht, Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder, Wolfgang Clement (SPD), Ex-VW-Personalvorstand Peter Hartz, Thilo Sarrazin, den Chemnitzer Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Thießen oder den Publizisten Prof. Gunnar Heinsohn als „Volksfeinde“ zu verunglimpfen. Das ist „Lingua Tertii Imperii“ – Sprache des Dritten Reiches. Vom Kandidaten der LINKEN, der Partei, die sich in der Tradition der Antifaschisten sieht? Victor Klemperer rotiert im Grab …

(Kolumne für „Oscar am Freitag“, Ausgabe Gotha, erschienen am 24. Ferbuar 2012)

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