Oscar-Kolumne: Die K-Frage

Eine K-Frage ist entschieden. Die Katze aus dem Sack. Uwe Walther wirft seinen Hut in den Ring. Der 48jährige wird und will 2012 als Landrats-Kandidat die Wählergunst erringen. Vorbehaltlich des Votums einer Nominierungskonferenz am 3. September.

Seine Kür könnte symbolträchtiger nicht sein: Im Februar reizte die Gothaer SPD Willy Brandts Motto „Mehr Demokratie wagen“ maximal aus. Die K-Frage durften nicht nur Parteimitglieder, sondern alle Bewohner des Landkreises entscheiden. So viel Volksabstimmung gab’s noch nie in Deutschland …

Walther kommt aus GüWe. Man erinnere sich: Von dort stürmte 2006 Knut Kreuch zwar nicht die Bastille, wohl aber Gothas Rathaus. Mit seinem furiosen Durchmarsch begann keine Revolution wie im Frankreich des Jahres 1789. Aber seither weht deutlich ein anderer Wind. Einigen mag er zu sehr ins Gesicht blasen. Manche reklamieren zu viel heiße Luft. Aber ordentlich durchgelüftet ist die Residenzstadt. Gut so!

Uwe Walther nun ist erst seit 2002 bei den Sozis Mitglied. Er führte aber schon jahrelang seinen heimischen Ortsverein. Der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende gehört dem Kreistag an, leitet den Umweltausschuss. Logisch eigentlich, denn der Berufsschullehrer ist Vorsitzender jener Bürgergenossenschaft, die mit einem Holzhackschnitzel-Heizwerk die Energiewende in GüWe schaffen und den Weg zum Bioenergiedorf gehen will. Dass die Holzschnitzel-Heizer-Kollektiv zudem „Neue Energie“ heißt, hat was Freudianisches an sich. „Neue Energie“ – das taugt allemal als Walthers Wahlkampf-Motto.

An den Rathaus-Stürmer und Volkstribunen aus GüWe namens Kreuch musste ich übrigens wegen eines Details der Walther-Kür sofort denken: 18 Vorschläge gingen auf den Februar-Aufruf ein. 14 davon wünschten sich den 1. Beigeordneten von GüWe und machten so Uwe Walther zum Zehn-Promille-Kandidaten: 14 von etwas mehr als 140.000 Kreisbewohnern schickten ihn ins Colosseum zu den wilden Bestien.

Wie immer sind es sicher die Zufälle, die die Geschicke der Menschen leiten …

Das Rennen, wer in einem Jahr Hausherr in der 18.-März-Straße 50 wird, ist also eröffnet. Nicht zu beneiden, wer den Job dann zu machen hat: In dessen Amtsperiode fällt die längst überfällige Kreisgebietsreform. Sie ist die Würze an den Wahlen im nächsten Jahr – selbst, wenn noch nicht abschließend klar ist, wer mit wem soll. Darf. Muss.

Darauf zu wetten, dass Gotha und der Ilmkreis heiße Heirats-Kandidaten sind, bringt nur maue Quoten. Zu offensichtlich scheint das aus heutiger Sicht.

Insofern wären Wähler wie Parteien gut beraten, über die Kreisgrenze nach Südosten zu schauen, wer dort 2012 antreten wird. Um eventuell anschließend abzutreten.

Die Grünen, Die Linke, die FDP, die CDU – alle halten sich noch extrem bedeckt. Bei letzteren übernahm zumindest der 32-jährige „Jungspund“ Sascha John im gewichtigen Gothaer Stadtverband den Staffelstab von Konrad Gießmann. Das wirkte wie ein Wink mit dem Zaunspfahl. Zumindest zunächst in Richtung Rotes Rathaus.

Andere hatten zwar auch Ambitionen. Jetzt aber spielten sie Beamten-Mikado: Wer sich als erster bewegt, hat verloren.

Tragisch nur, dass bei der CDU – wie übrigens bei anderen Parteien auch! – zunimmt, dass die Zahl jener, die sich für Führungspositionen geeignet halten, größer ist, als die Zahl derer, die es sind.

Warum fällt mir da eine historische Parallele ein? Pyrrhus von Epirus siegte 279 v. Chr. über die Römer. Der König der Molosser war mit 25.000 Mann und 20 Kriegselefanten nach Italien gekommen und soll nach dem mörderischen Meucheln einem Vertrauten gesagt haben: „Noch so ein Sieg und wir sind verloren!“ Seither macht das geflügelte Wort vom „Pyrrhussieg“ die Runde.

Es meint einen zu teuer erkauften Erfolg.

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

 

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