Das Wort zum MUTwoch (66): Götterdämmerung

transform.phpAlles neu macht der Mai. Ab sofort wird in der Residenzstadt kostenloser Parkraum noch knapper. Es wird 2 Stunden länger kassiert und die Gebühren steigend drastisch. Da kommt keine Freude auf. Dafür aber ein Sturm der Entrüstung.

Gotha hat aber kein Parkplatz-Problem.
Gotha hat ein Kommunikationsproblem.

Die meisten Beziehungen enden, weil man nicht mehr zuhört. Nicht miteinander redet, sondern sich Vorwürfe macht. Und am Ende dann gar nichts mehr zu sagen hat. Sprachlos ist.

Diese Sprachlosigkeit kann aber auch ein ganzes Gemeinwesen befallen. Wie das in Gotha. Und so etwas ist kreuzgefährlich. Ach was! Das ist tödlich!

Eine Kommune ist nur dann liebens- und lebenswert – nicht nur, aber ganz wesentlich! -, wenn sich Bürger engagieren. Sozial, kulturell. Und vor allem ehrenamtlich.

Das taten in Gotha auch jene, die einst „Von Gotha für Gotha“ aktiv wurden. Das Ende des Vereins vor Jahren hatte viele Gründe. Mindestens aber einen: Die letzten der wenigen Mohikaner, die einen solchem Verein Leben einhauchen, hatten es einfach satt. Satt, scheinbar ständig gegen bürokratische Windmühlen anzukämpfen.

Dass deren Flügel sich drehten, lag nicht immer nur an den Oberbürgermeistern. Aber Kukulenz und Doenitz fehlte es zuweilen am Willen, den Flügeldrehern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Schon damals stellten sich Fragen: Wer ist für wen da?
Wem gehört eigentlich Gotha?

Dann trat Knut Kreuch an. Und nahm die Stadt 2006 im Sturm. Auch, weil er ein brillanter Wortdrechsler ist. Er konnte motivieren. Und säte Hoffnungen. Darauf, dass sich was dreht.

Und es tat sich wirklich vieles. Kreuch sei dank. Jetzt aber drehte sich der Wind. Bläst ihm scharf entgegen. Nicht überall. Aber doch aus den Ecken und Gassen der Stadt, wo jene sitzen, die sich getäuscht sehen. Deshalb, weil aus dem Dialog die Strafpredigt wurde. Weil sich Händlerring, der Gewerbeverein oder jetzt der Zusammenschluss „Lebendige Innenstadt“ als Störenfriede empfinden (müssen).

Geduld und Ausdauer sind Tugenden, die ich nicht habe. Zuhören fällt mir ebenfalls schwer.
Aber ich lerne.

Knut sollte das auch.

Denn sonst beginnt seine Götterdämmerung.
Und die Gothas.

(Foto: Staatsoper im Schiller-Theater Berlin, Wagners „Götterdämmerung“, 2013, musikalische Leitung: Daniel Barenboim)

0 Kommentare

  • Andreas Dötsch (#)
    05.06.2013

    Kurz & knapp: „Bravo!“

  • Christina (#)
    07.06.2013

    Es ist nicht nur in Gotha so.. es ist in so vielen Städten genau das Gleiche, kaum ein Parkplatz trotz der hohen Gebühren, Einwohnerfreundlich oder Besucherfreundlich.. Fehlanzeige. Schade, das Menschen die was bewegen wollen, etwas erreichen wollen für die Stadt, das die immer wieder in die „Knie gezwungen“ werden. Ehrenamt und Vereine sind sichtlich nicht gewollt. Doch es gibt immer wieder Menschen, die trotzdem ehrenamtlich tätig sind oder einen Verein gründen, warum?.. weil sie nicht die Hoffnung aufgeben wollen.. und das ist gut so !!!

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