Das Wort zum MUTwoch (55): Haut-Sache

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Zum Beispiel sich um sein Äußeres sorgen. Da rede ich jetzt mal nicht über das Thema Klamotten. Das kommt auch noch dran – spätestens nach dem 25. März und nach meinem Date mit FranX’s (psst, das ist noch geheim und nur von Gothaern zu verstehen …)

Das Äußere des Mannes ist deutlich wichtiger als sein …

Nun ja: Klare Sache. Schließlich stecken wir nicht in der Haut eines anderen, sondern in unserer eigenen. Und die tragen wir zu Markte. Ob wir’s wollen und ganz gleich, ob wir uns ihr deshalb besonders zuwenden oder nicht. Männer sind da ja eher großzügig bis nachlässig: Nur 10 % von uns widmen sich regelmäßig und professionell der Haut-Sache, gehen zur Kosmetik.

Ich hingegen nahm mir immer schon Zeit im Bad. Als ich noch ein pickeliger, pubertärer Piefke war mit blonder Mittelscheitel-Mähne, riefen meine lang andauernden Aufenthalte im Bad meine Frau Mama auf den Plan. Ich war notgedrungen mit durchaus dekorativen Tätigkeiten zwecks Erlangen der Disko-Tauglichkeit beschäftigt. Zum einen attackierte ich meine Akne mit diversen Abdeckpudern. Zum anderen waren diverser Schnittverletzungen vom Milchbart-Abnehmen mit Toilettenpapierschnipseln zu heilen. Das alles brauchte seine Zeit. Deshalb machte sich  Renate Z. zum Anwalt der restlichen Familie. Gemahnte mich daran, dass dieser Ort zugleich eine weitere Funktionalität hatte.

Dabei ging es dann weniger darum, dieses stille Örtchen zum Lesesaal zu machen. Das hat sich übrigens heutzutage nicht geändert. Jeder zweite Mann sitzt mit einer Lektüre auf dem Klo. Bei den Frauen ist es jede Vierte. Allerdings einen deutlichen Nachteil haben die Zeiten von smarten Telefonen und Tatsch-Rechnern: Konnte man(n und frau) früher beim Nach-Sitzen auf den Stoff des Vorgängers zurückgreifen, ist das heute eher schwierig. Wer würde schon sein iPhone oder iPad auf dem Lokus vergessen?!?

Bei Zeitungen und Zeitschriften ist das was anderes. Leider taugt diese Begründung aber recht wenig, die Bereitschaft von Menschen zum Abonnieren solcher Print-Produkte zu befördern. Schnell würde das Argument nach hinten losgehen, zum anrüchigen Gag werden: Bei TA, TLZ & Co. handele es sich demnach um Sch …-Lektüre.

Um die Kurve zum Einstieg in den MUTwoch zu kriegen, genügt es aber. Mir fiel auf diesem Wege nämlich das 2013er „Öko-Test“Jahrbuch „Kosmetik & Wellness“ in die Hand.

Ich tue nun wirklich viel dafür, nicht aus meiner Haut fahren zu müssen, weil ich mich in ihr wohl fühle. Diverse Cremes und Lotions, Wässerchen etc., finden sich in meinem Bad. Das verblüfft selbst weibliche Wesen.

Deshalb fand das 226-Seiten-Heft sofort meine Zuwendung und meine Aufmerksamkeit. Jürgen Stellpflug, der Chefredakteur, und sein Team der „Öko-Tester“ haute etlichen Markenartiklern ein „ungenügend“ um die Ohren, weil Naturkosmetik Erdöl enthielt und Antifaltencremes das Verknittern der Haut eher noch förderten. Sie zeigten keine Scheu, auch sehr illustre Namen sehr teuerer Produkte fielen gnadenlos durch.

Trotzdem hätte ich mir das Heft nicht gekauft: Zum einen kostet es 8,90 Euro. Und zum anderen gab es gerade einmal sechs: (in Worten: sechs!) der 226 Seiten unter der Überschrift „Männerkosmetik“.

Allemal ein Grund, den Machern ein „ungenügend“ zu geben. Weil ich mich als Mann in der Haut-Sache vernachlässigt, ja sogar diskriminiert fühle …

Habt trotzdem Mut und genießt den Mittwoch!

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

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