Das Wort zum MUTwoch (46): Pest und Cholera

Ich habe kalte Füße gekriegt.

„Curcuma-Mediens“ Hauptquartier ist nicht winterfest. Die Fußbodenheizung bockt. Öfter. Dann dauert es nur Stunden und die Hütte ist keine Wortdrechslerei, sondern eine Feinfrosterei. Warme Füße sorgen für einen kühlen Kopf – kalte Mauken für einen verschnupften …

Seit Weihnachten belle ich. War ich bei Stimme, hätte mich jede Telefon-Hotline mit Kusshand genommen. Zum Rasseln in der Brust kamen Schniefnase, Kopf- und Gliederschmerzen. Eben das volle Programm.

Wir Männer sind sensibel. Kränkeln wir, umso mehr. Trotzdem mühte ich mich, möglichst wenig Mitleid  zu erheischen. Zog tapfer mit Klassikern wie Bromhexin und ACC in den Kampf. Mutete mir sogar mehrfach eine heiße Wanne zu. Dabei hasse ich solches Baden. Folge eines Kindheitstraumatas … – wer wie ich ältestes Geschwisterkind war und den Familien-Bade-Freitag in volkseigenen Betriebswannen kennt, ahnt den Grund.

Egal. Auch temporäres Abbrühen bei 37 Grad Wassertemperatur brachte keine Linderung. Deshalb machte ich mich schweren Herzens auf den Weg zu meiner Schulmedizinerin des Vertrauens.

Nicht nur der Wegfall der Praxisgebühr sorgte bei ihr für ein proper gefülltes Wartezimmer. Ich hatte also Muße, eine „Stern“-Ausgabe von Ende November 2012 zu lesen. Einer der Beiträge handelte vom Millionenbetrug bei der EWU Thüringer Fleischverarbeitungsgesellschaft mbH aus Bad Klosterlausnitz.

Angeklagt wurde deshalb deren ehemaliger Geschäftsführer. Im Artikel völlig korrekt „Hans G.“ geschrieben. Es brauchte trotzdem nur einen Google-Hupf, um auf der Genion-Firmendatenbank den vollständigen Namen, seinen Geburtsort und -tag zu recherchieren.

Ich stutzte: Sind wir tatsächlich schon so gläsern? Ja, ganz offensichtlich.

f6091a552ce84658Es gibt den Kontroll-Wahn und Hightech-Voyeure von Staats wegen, das Reizwort „Datenvorratsspeicherung“:  Wer mit wem telefoniert, wer wo im Internet surft und wer wem was mailt – all das wird nach deutschem Recht und Gesetz sechs Monate gespeichert. Falls bei Hempels unterm Sofa Al Kaida auftaucht …

Darüber kann man trefflich klagen, die datensüchtigen Politiker anprangern. Aber machen wer es ihnen nicht zu leicht? Hier eine Rabattkarte, dort fix mal wegen eines Werbegeschenk einen Fragebogen ausgefüllt. Nicht bloß mit dem Handy und der Kreditkarte legen wir also fette Datenspuren.

Die Antibiotika haben offensichtlich in den letzten fünf Tagen die Trendwende geschafft. Ich beginne, zu genesen, kriege einen klaren Kopf: Nein; ich werde nicht Facebook verlassen oder meinen Blog einstellen, Ich schreibe auch weiterhin das „Wort zum MUTwoch“. Das könnte der bekennende Mundwerker auch nicht.

Aber ich werde ihm ein paar Sicherheitsgurte mehr anlegen.

(Grafik: http://ueberwachungsbuerger.wordpress.com)

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

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