Das Wort zum MUTWoch (88): Gensfleisch & Apple

Gensfleisch war’s.

Gensfleisch, genannt Gutenberg, verschaffte dem Wort Macht. Gedruckte Macht. Der gute Johannes löste damit eine Medienrevolution aus.

Gutenberg ist lange schon tot. Aber seine Kunst lebt.
Noch.

Denn wir sind Zeitzeugen der nächsten Medienrevolution: Gut 600 Jahre nach den beweglichen Lettern katapultieren uns iPad, Tablet & Co. in ein neues Raum-Zeit-Kontinuum.

Gutenbergs Erfindung machte Massen wissend. Und damit alte Herrschaftssysteme obsolet. Die aufgeklärte Menschheit der Renaissance wäre nicht denkbar gewesen
ohne den stetig schwellenden Strom von Druckwerken, die der Allgemeinheit Wissenserwerb ermöglichte.

Jetzt, 600 Jahre später, hat sich Information längst ihrer materiellen Fessel entledigt. Jeder kann seine eigene Druckerei, einen Radiosender oder ein Fernsehstudio haben.
Für’n Apple oder Ei gibt es dafür Rechenknechte mit sagenhaften schnellen Prozessoren und sagenhaften großen Festplatten. Und so bloggen, zwitschern und facebooken wir. Stellen Podcasts ins Netz. Machen unseren StubenTiger zum nächsten youtube-Star.

Kein Wunder: Jedes smarte Fon hat heutzutage mehr Rechenleistung als das Flugzentrum der Nasa, als sie dort damit die Apollo-Fähren auf den Mond schossen. Selbst Zweijährige beherrschen die wisch&weg-Bedienung der Teile wie im Schlaf …

Braucht da irgendwer eigentlich noch eine Zeitung? So eine gedruckte? Mit der man Fliegen klatschen kann. Oder nasse Turnschuhe ausstopfen. Die man(n und frau!) auch schon einmal auf’m Porzellan-Kabinett liest?

Braucht kein Mensch, oder?

Tatsache ist, dass „die Massen“ ihre Gewohnheiten ändern, sich zu informieren. Nicht nur bei Jüngeren wandeln sich Kommunikations-Bedürfnisse. Mehrheitlich wächst die Bereitschaft, andere als bisher favorisierte „Kanäle“ zu nutzen.

Das MUSS man berücksichtigen.
Sonst gilt: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

Schellack zerbrach nicht nur an der robusteren Vinyl. Die CD wiederum eroberte erst die Welt im Sturm, um wenig später in dem der mp3-Downloadflut unterzugehen.

Und gedruckte Zeitungen?

Gedruckte Zeitungen werden womöglich in 10 Jahren schon das elitäre Statussymbol von Traditionalisten, von Puristen, von Eliten.

Vielleicht auch deshalb, weil sie sich eben nur noch solche „Rand“gruppen leisten können.
Weil die sich das leisten wollen.
Weil ICH mir das leisten werde.

Und ich zähle auch auf Sie!

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.