Klug-Scheißereien: Дед Мороз, Knecht Ruprecht und Hans Muff

Am 22. Dezember haben wir Wintersonnenwende. Das ist auch Anlass für die Nordeuropäer, das Julfest zu feiern. In altnordischen Sprachen heißt „Weihnachten“ übrigens „jul“ oder „jol“, im Finnischen „joulu“.

Das Wort „Jul“ findet man übrigens schon in einem gotischen Kalenderfragment. Aus dem aus dem sechsten oder siebenten Jahrhundert nach Christus stammt dieser „Codex Ambrosianus A“. Im Fragment wird das Ende des Oktobers und der November beschrieben. November heißt dort „Naubaimbair: fruma Jiuleis“ – was so viel wie „November: der erste Julmonat“ oder auch „November: Der Monat vor der Julzeit“ bedeuten kann. Auch das altenglische „æftera Geola“ für Januar deutet auf „Jul“ hin.

Nordeuropa ist heute auch noch Heimat für eine Gestalt, die die Menschen auf den langen Winter einschwört. Doch während der im deutschsprachigen Raum bekannte „Knecht Ruprecht“ seine Rute schwingt, um bösen Kindern den Arsch zu versohlen (Pfiui, welch Päderast!), ist die Rute den Skandinaviern hingegen ein Symbol der Fruchtbarkeit. Passend dazu gelten Nüsse als gehaltvolle, haltbare Nahrung. Jenes Nordlicht ist ein barttragender, alter Mann in langem, braunen Winterpelz mit Kapuze. Er kommt mit seinem Rentierschlitten aus Lappland und verteilt dann seine Gaben.

Ded_Moros_i_Snegurotschka(v_golubom)Ihm ähnelt das russische „Großväterchen Frost“. Der rückt allerdings immer erst zum 31. Dezember, zum Jolka-Fest, an. Das Neujahrsfest ist der Russen wichtigstes Fest im Jahreskreis. Großväterchen Frost (russ. Дед Мороз), der Tannenbaum (russ. ёлка) und Geschenke gehören zum Neujahrsfest wie die süße Snegurotschka (russ. Снегурочка – Schneemädchen oder Schneeflöckchen). Weihnachten (russ. рождество) wird in Russland dagegen erst nach dem Neujahrsfest (russ. Новый год), am 7. Januar begangen.

Wissenschaftliche Schlauberger glauben übrigens, in dem Rentier-Lenker die nordischen Götter Odin und Balder wiederzufinden. Fakt ist, dass er wohl die entscheidende Inspiration für den Coca-Cola-Weihnachtsmann war. Gestaltet hatte den nämlich 1931 der amerikanische Grafiker Haddon Sundblom, dessen Eltern skandinavische Auswanderer waren.

428px-Jonathan_G_Meath_portrays_Santa_ClausDer Weihnachtsmann hingegen ist eine merkwürdige Kunstfigur, die symbolisch fürs weihnachtliche Schenken vor allem in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland und in der übrigen Welt in protestantisch geprägten Regionen steht.

Dieser übergewichtige, freundliche alte Mann mit langem weißem Bart, roter und mit weißem Pelz besetzter Kutte tauchte wohl erstmals im 19. Jahrhundert auf, was zeitgenössische Postkarten beweisen. Er bringt „braven“ Kindern in der Nacht zum 25. Dezember Geschenke, den unartigen hingegen legt er eine Rute hin. Als „Weihnachtsmann“ ist er also eher eine Kombination des gutmütigen Sankt Nikolaus und seines Gegenspielers, Knecht Ruprecht. Der wird übrigens in Bayern und Österreich „Krampus“, in der Schweiz „Schmutzli“ und im Rheinland „Hans Muff“ genannt.

(Quellen: Wiki, mein Russisch-Schulbuch, das „Lexikon der Volksweisheiten“ und meine Erinnerungen)

 

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