Der verdoppelte Granit-Alien von Ploumanac’h (Bretagne).

Oscar-Kolumne: Hinkelsteine

Knut Kreuch, Hans Dampf in allen gothschen Gassen, kann es nicht lassen. Gothas Obermeister aller Bürger kann nicht den Mund halten. „Und das ist auch gut so!“, zitiere ich mal Klaus Wowereit, seinen Bruder im Geiste, in Amt und Parteipräferenz.

Knut Kreuch äußerte sich zum aktuellen Aufreger Nr 1 in der Residenzstadt – zum Weihnachtsmarkt. Nicht direkt: Seine Weitgereistheit, oft in diplomatischer Mission unterwegs, tat dies mit wohl gesetzten Worten: „Kooperation heißt, dass sich was ändern muss, wenn ein Partner nicht zufrieden ist.“

So stand es in der „Thüringer Allgemeine“. Mein geschätzter Kollege Peter Riecke sorgte dafür, dass Knuts Worte der Nachwelt erhalten bleiben. Denn schon ein anderer großer Wortgewaltiger namens Goethe wusste: „Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“

Doch lassen wir Goethe. Kehren wir zu Knut Kreuchs Kooperationskommentar zurück.

Der Satz ist zwar nicht in Stein gemeißelt. Dafür 16.502 mal vervielfältigt. Ein Satz aber, nicht gerade selbsterklärend. Wie zuweilen auch meine Wortdrechseleien. Insofern erlaube ich mir, ihn zu interpretieren – wissend, dass dies keine Kreuchbeleidigung ist.

„Kooperation heißt, dass sich was ändern muss, wenn ein Partner nicht zufrieden ist.“ Die Kooperation ist jene zwischen Maik Hinkel und der KulTourStadt Gotha GmbH. Hinkel hat einen Vertrag, den Gothaer Weihnachtsmarkt zu organisieren. Einen, zu dem man nur gratulieren kann – wegen der Laufzeit von acht Jahren.

Dieses Vertragsdetail gehört eigentlich nicht in die Öffentlichkeit. Kam es aber, weil es zappenduster ist. Aufm Buttermarkt. Aufm oberen Hauptmarkt. Kein Weihnachtsmarkt. Nirgends.

Das ist nicht nur ein Ärgernis für Gothaer. Das ist auch eines für Touristen, wie „Lindenhof“-Marschall Olaf Seibicke von seinen Hotelgästen erfuhr.

Umso mehr ist es existenzbedrohend. Fürs Gewerbe, dem das Weihnachtsgeschäft 25-30 % des Jahresumsatzes bringt. Bringen sollte. Nein; bringen muss!

Deshalb lud der Gewerbeverein zur Diskussion. Dort brach sich der Unmut Bahn. Und dort offenbarte – eher ungewollt – KulTourStadt-Geschäftsführer Christoph Gösel Details des Kontrakts, den er von seinem Vorgänger erbte.

Müßig scheint, über den Vertrag an sich zu streiten. Er passierte das Rechtsamt des Roten Rathauses. Das ist alles andere als leichtsinnig. Knut Kreuch ist Aufsichtsratsvorsitzender der KulTourStadt GmbH, die eine 100%-Tochtergesellschaft der Stadt ist. Also kennt er den Vertrag.

Nicht klagen, wo’s hakt. Vielmehr sagen, wie es geht. Und Abmachungen ändern, wo nötig: Kreuch hat die Lippen gespitzt, muss daher auch pfeifen. Nicht, um den Gewinn des umtriebigen Erfurter „Eventmakers“ zu sichern. Nicht, um die alljährlich antretenden Dauernöler und Misanthropen zu befrieden. Es geht um die Fürsorgepflicht für diese Stadt. Damit es keinen „Todesstreifen“ gibt, wie die düstere Vision von Frank „FrankXs“ Börner, dem „Mooshammer von Gotha“, war.

Knut Kreuch kann den Weihnachtsfrieden in Gotha wiederherstellen.

Und ich bin mir sicher, dass er keine Hinkelsteine in den Weg gelegt bekommt.

(Kolumne, veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 16. Dezember 2016)

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