Frauentage und andere Plagen

Hugo – das ist der Kose-Namen, den mein Weib mir verpasste -, also: Hugo hatte gestern einen Black out. Und das obendrein an diesem Tag wegen dieses Tages.

Immerhin war ja 8. März: Ich erinnerte mich an den 39. Geburtstag meines Freundes, der Edelschlampe Maik. Ich vergaß nicht, zu unchristlich früher Zeit – um 8 Uhr – pünktlich in Gamstädt bei der Agrar GmbH zu erscheinen, um einem meiner anspruchsvollsten Kunden eine gute PR verpassen zu können. Ebenfalls zuverlässig  wie gewohnt erschien ich in Königsee zur Eröffnung der AWO-Begegnungsstätte. Schmeichelte dort den älteren wie den jüngeren Damen und rabaukte mir ein paar Infos zusammen, damit ich einen ordentlichen Text fabrizieren kann. Dann gondelte ich noch nach Saalfeld und spielte den Charmeur bei Jeannette Heine und Christiane Kranert, um auch hier meinen Job ordentlich zu machen.

Auf dem Wege zu jenen feschen Mädels vom Häuslichen Pflegedienst der AWO, von denen auch ich mich mal gerne betreuen lassen würde, klingelte ich noch bei Muttern an. Da ich schon sechs Wochen nix von mir hören lassen hatte, gab es Schelte. Der milden Art allerdings…

Während das eine oder andere familiäre Detail erörtert wurde,  streiften wir nebenbei auch das Thema „Frauentag“. Gestreng erfragte Frau Mama, ob ich denn deswegen auch meine Holde geehrt hätte. Mit dem unschuldigsten Unterton, zu dem ich in der Lage war, verneinte ich. Absolut sicher seiend, dass dieser ideologisch völlig überfrachtete Kampf-, deshalb auch Krampftag nicht zum intimen Feier-Kanon von Tina und mir gehöre…

Abends dann absolvierte ich noch einen letzten Kurz-Auftritt bei einer Frauentagsfeier der etwas anderen Art der Raiffeisenbank, über die ich zu berichten hatte. Dann trollte ich mich recht zufrieden und redlich geschafft nach Hause.

Am heutigen Morgen nun traf ich auf eine spitzzüngige Gattin. Ob ich wohl den Frauentag vergessen hätte. Zumindest aber, sie deswegen zu ehren. Mit dem Bannstrahl der Verachtung strafte sie mich, nachdem ich meine, der Mutter dargelegte und offensichtlich meiner zunehmenden Demenz zuzuschreibende Fehleinschätzung vom Vortage repetierte.

Nun. Der Schaden ist frühestens im nächsten Jahr zu beheben.

Aber weil ich ja das Thema Frauentag sowieso für gleich zwei Texte nachbearbeiten musste, hatte ich Gelegenheit, meinen Wissenshorizont zu weiten.

Und weil ich dabei auf Informationen stieß, die mir bisher unbekannt waren, möchte ich sie hier teilen.

So war mir nicht klar, dass die Herkunft des Frauentages alles andere als klar ist: Clara Zetkin soll zwar 1910 seine Einführung vorgeschlagen haben. Im Jahr darauf sind dann auch in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz erste „Frauentags“-Feiern belegt. Die gab es aber am 19. März – in Verbindung mit dem Gedenktag für die Gefallenen der Märzrevolution 1848 und dem Umstand, dass die Pariser Commune im März 1871 begann.

Andere Quellen nehmen einen Streik der Arbeiter- und Soldatenfrauen in St. Petersburg am 8. März 1917 zum Anlass, an dem sich auch Bauernfrauen der armen Stadtviertel auf der Wyborger Seite beteiligten. Das gilt als Auslöser der Februar-Revolution, weshalb auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation jener 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt wurde.

Wieder andere Darstellung behaupten, Lenin habe 1921 nach Aufforderung durch Alexandra Kollontai, einer russischen Revolutionärin, Diplomatin und Schriftstellerin, den 8. März zum „Internationalen Frauentag“ erklärt.

Und schließlich gibt es auch noch eine „anti-kommunistische“ Version der Herkunft: Während des Kalten Krieges waren solche sozialistischen bzw. kommunistischen „Wurzeln“ des 8. März in Westeuropa und Nordamerika suspekt. Deshalb gibt es einen alternativen Ursprungsmythos.

So soll ein spontaner Streik New Yorker Textilarbeiterinnen am 8. März 1857 stattgefunden haben. Angeblich hätte die Polizei diese Demonstration gegen niedrige Löhne und unzumutbare Arbeitsverhältnisse blutig niedergeschlagen, wobei dann auch etliche Frauen ums Leben gekommen wären…

Aktuelle Forschungen zeigen aber, dass es sich beim Aufstand von 1857 um eine reine Erfindung handelt, die 1955 in die westliche Welt gesetzt wurde.

Wie dem auch sei: 1975 richteten die Vereinten Nationen erstmals am 8. März eine Feier aus und dieses Datum als „Internationalen Frauentag“ anzuerkennen, beschloss die Generalversammlung der UN im Dezember 1977.

Aha.

Und „Hugo“ Rainer Klugius Aschenbrenner geht jetzt – da Weib Tina eben und schon um 18.40 Uhr nach Hause kam – in die Küche eine Etage höher, um „Versöhnungsbratkartoffeln“ zu kreieren…

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