Kleinrettbachs Rotlichtmilieu

Wohl niemand könnte Natascha in ihrer schicken Schale widerstehen. Sie ist so wohlproportioniert, dass ein jeder Lust auf mehr bekommt und herzhaft zugreifen möchte. Dem Kleinrettbacher Rotlichtmilieu ist’s zu verdanken, dass ihre Rundungen so knackig und fest sind. Natascha mag’s obendrein richtig heiß. Und wie appetitlich sie duftet, wenn man sie dann genießerisch aus ihrer Pelle schält. Da läuft das Wasser im Munde zusammen, gibt es kein Halten mehr…

Leider müssen Gourmets noch rund ein Jahr warten. Erst dann ist Natascha so richtig fit für den Massengeschmack. Vorerst ist es noch das Privileg von Bernhard Göring, sich an ihrem festen, saftigen Fleisch zu laben. Der Mann weiß offensichtlich zu genießen! Er gesteht auch augenzwinkernd, dass er wegen Natascha schon etliche Male fremdgegangen ist. Nicht einmal die sonst so von allen geliebte Linda habe eine Chance gehabt…

Dabei mangelt es Bernhard Göring nicht an Auswahl. Natascha ist schließlich keineswegs der einzige Rotlicht-Star, mit dem er es zu tun hat. Im Gegenteil. Im Freistaat dürfte es kaum jemanden geben, der über eine größere Auswahl verfügt. Das widerlegt obendrein eindrucksvoll ein ziemlich dämliches Vorurteil gegen Leute wie Göring und Co., wonach deren Intelligenzquotient umgekehrt proportional zur Größe ihrer Kartoffeln wäre.

Damit ist klar: Natascha ist keine Bordsteinschwalbe, sondern eine neue Sorte Kartoffeln, die in Görings Agrar GmbH Gamstädt angebaut wird. Mit denen wird hier übrigens nicht gekleckert, sondern geklotzt: 2009 verkauften die Agrarier von den tollen Knollen mit ihren verführerischen Rundungen und die Phantasie anregenden Namen 3.204 Tonnen. Die GmbH ist damit die Nummer 1 im Freistaat. Und das, obwohl sie nur auf 192 Hektar Kartoffeln anbaut. Zum Vergleich: In Thüringen werden von 2.300 ha rund 100.000 t Kartoffeln jährlich geerntet, in Deutschland von 267.000 ha etwa 11 Mio. t.

Einst waren die Deutschen Weltmeister im Kartoffelverbrauch. Jetzt kommen sie mit ca. 30 kg frischen Erdäpfeln aus, verzehren dazu etwa noch einmal die gleiche Menge „aufbereitet“, z. B. als Pommes oder Klöße. Die legendären Thüringer übrigens wären eigentlich undenkbar ohne die Gamstädter. Größter Abnehmer ist die Heichelheimer Firma Ablig. Ein schlauer Bauer wie Göring investiert – damit das so bleibt – in moderne Lager- und Sortiertechnik. Eine hohe sechsstellige Summe war dafür im vorigen Jahr nötig, finanziert mit einem Kredit. Im „größten Krisenjahr aller Zeiten“ allemal ein Zeichen gesunden Selbstverstrauens.

Aber daran gebrach es dem Manne noch nie: Schon der Start 1991 war ein wagemutiger Schritt. Da gründeten Bernhard Göring und sieben weitere Gesellschafter die Agrar GmbH. Bis voriges Jahr zahlten sie den Ratenkaufvertrag für die 1.100 ha Land ab.

Göring & Co. entschieden sich für mehr als ein Standbein. Außer mit Kartoffeln haben es die 28 Beschäftigten mit Gerste, Weizen, Hafer, Silomais, Zuckerrüben und Raps zu tun. Zudem schnatterten im vorigen Jahr 3.700 Enten und 1.620 Gänse und stolzierten 600 Hähnchen über’n Hof der GmbH.

Zweites Standbein ist die Milchproduktion: Auch hier – wie in den anderen Produktionsbereichen der GmbH – wartet anspruchsvolle Arbeit auf hochqualifizierte Leute. Effizienz ist eben nur durch noch mehr Effizienz zu ersetzen. Deshalb können auch sechs Arbeitskräfte mit 290 Wiederkäuern 2.000 t Milch im Jahr produzieren. Diese Menge soll noch steigen. Zum einen bietet der neue Stall Platz für etliche Rindviecher mehr. Zum anderen lässt sind die Milchquote – im Vergleich mit den alten Bundesländern – zu vergleichsweise günstigen Konditionen erhöhen. „Da werden wir zuschlagen“, stellt Matthias Göring in Aussicht. Er absolvierte zunächst ein Agrar-Studium, stibizte dann ein Jahr lang in Neuseeland und Kanada. In väterliche Fußstapfen tretend, ist er jetzt der „Milchmann vom Dienst“. Ihm liegen außer moderner Technik auch die Zahlen. Um aber seine Kenntnisse in Betriebswirtschaft zu verbessern, studiert er nebenher.

Übrigens: Das eingangs erwähnte „Kleinrettbacher Rotlichtmilieu“ gibt es tatsächlich – in der neuen Lager- und Sortierhalle, die mit dem Kredit der Raiffeisenbank Gotha erbaut wurde. Rotem oder grünem Licht fehlt der Blau-Anteil, der sonst Natascha & Co. – respektive das Chlorophyll in ihnen – stimulieren würde und sie anfingen, zu keimen.

(Text ist eine Pressemitteilung, für meinen Kunden Raiffeisenbank Gotha eG geschrieben. Sämtliche Beiträge auf deren Homepage unter „Aktuelles“ oder „Presse“ stammen aus meiner Feder…)

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