Das Wort zum MUTwoch (99): (Ehren-)Stein im Brett

Ingolf Darr ist nicht nur Schrott-Schloss-Baumeister. Er kann auch schauspielern:
Als Benny Frandsen (M.) gehört er zur Ohrdrufer Olsenbande, die Manfred Ständer als Kjeld Jensen (l.)
und Lutz „Egon Olsen“ Nagel (r.) komplettieren. Foto: Livia Schilling

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„Manchmal möchte ich schon mit Dir …“ Roland Kaiser ist nicht mein Fall. Doch ab einem bestimmten Lebensalter wurmt einen diese Titelzeile im Ohr. Mich allerdings nicht immer im kaiserlichen Sinne.

Mich wurmt sie vor allem, wenn mir die Galle hochkommt. Wie die Tage vorm TieWieh.
Schaffe ich es, sitze ich dort ab 19 Uhr und schaue meinen Haus-, Hof- und Heimatsender mdr. Das hat weniger was mit meinem Alter zu tun als vielmehr mit der Tatsache, dass ich gern weiß, wie das „Grüne Herz“ schlägt.
Dem „Thüringen Journal“ fehlt zwar in seiner Original-Schreibweise der eigentlich nötige Durchkopplungsbindestrich. Dennoch verbinden mich diese 30 Minuten mit dem Freistaat und den Geschichten und Geschichtchen von seinen meist großartigen, manchmal aber auch kleingeistigen Menschen, die hier leben und arbeiten.
Von letzterer Spezies scheinen Verantwortliche im mdr-Landesfunkhaus in Erfurt zu sein.

Da berichtet am Samstag Abend das „Journal“ erneut über die Folgen des verheerenden Feuers in Ohrdrufs Schloss Ehrenstein. Davon, dass eine stählerne Nachbildung des abgebrannten Schlosses auf Reisen geschickt wird als unkaputtbare Spar-Büchse, um Spenden für den Wiederaufbau zu sammeln. Gefertigt habe das Stahl-Schloss „eine Ohrdrufer Schlosserei“, wie die Stimme aus dem Hintergrund mitteilt.
Eine Ohrdrufer Schlosserei? Hat die keinen Namen? Haben die Fernseh-Fritzen schlecht recherchiert, wird mancher gedacht haben.

Nein.
Das hat Methode. Weil es angeblich die Trennung von Werbung und Nachricht gebiete.

Das hörte ich schon oft. Immer dann, sandten wir Pressetexte über kleine Handwerksbetriebe oder mittelständische Unternehmen, die Arbeitsplätze schufen, tolle Jahresbilanzen vorlegten. Oder die sich anderweitig regional engagierten, Mäzene für den Sport oder die Jugendarbeit waren, ihre Arbeitszeit, etliches Geld und ganz viel Engagement spendeten. Und dann anonym blieben.
So wie es eben Ingolf Darr aus Ohrdruf erging, der mit seinem Team über 70 Stunden mit Schrott werkelte, um „Ein Schloss auf Reisen“ schicken zu können.
„Manchmal möchte ich schon mit Dir …“ – zum Beispiel Schlitten fahren. Minuten später, ein Beitrag über die deutschen Rodel-Asse. 210 Sekunden dauert der. Rund 50 Mal ist das Logo eines der Groß-Sponsoren unübersehbar im Bild. Selbst der letzte Einäugige weiß daher, dass „Vissmann“ deutsche Olympioniken heiß auf Sotschi macht.
Kein Einzelfall: Tags zuvor kam Dieter Bauhaus ins Studio und zu Wort. Ausführlich konnte der Vorstand der Sparkasse Mittelthüringen über die glänzende Bilanz seines Geldinstituts berichten. Gut für die Region ist das allemal: Aber ist es nicht seine verdammte Vorstandspflicht, einen ordentlichen Job zu machen? Dafür wird er außerdem nicht gerade kleinlich entlohnt. Aber das ist eine ganz andere Kiste.

Bauhaus jedenfalls kommt öfter. Wenn nicht als Sparkassenwart, dann eben als Präsident der Industrie- und Handelskammer Erfurt. Zum Beispiel absolvierte er ein Praktikum in einem Pflegeheim. Rein zufällig natürlich filmte im Sommer 2013 dann der mdr genau dort für seine Sendung „Exakt – die Story“ zum Thema Älterwerden.
Bauhaus sei die mediale Präsenz gegönnt. Aber nur dann, wenn für alle der gleiche Maßstab gilt: Ehre, wem Ehre gebührt.

Ingolf Darr – wie ganz viele anderen auch – haben bei mir jedenfalls ein ganz großen (Ehren-)Stein im Brett!

P. S.: Das es im mdr auch anders geht, bewies das Team vom „mdr Radio Thüringen“. Die haben auch übers Schrott-Schloss berichtet und Ingolf Darr interviewt.


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