Oscar-Kolumne: (Ehren-)Stein im Brett

Die August-Sonne hoch droben in des Himmels Bläue. Zwei blitzeblanke Feuerwehr-Autos am Schloss Ehrenstein in Ohrdruf. Männer und Frauen davor. Sie präsentieren große Schecks für die Kameras der Medienmädchen und –burschen, die um sie herum blitz(irr-)lichtern.

Stunden später online, tags darauf gedruckt die Kunde: Kreissparkasse und Raiffeisenbank spendeten je 1.400 Euro. Für jene 28 Freiwilligen Wehren, die beim Großbrand am 26. November 2013 in Schloss Ehrenstein im Einsatz waren.

Kaum war das öffentlich, gab es giftige Kommentare: Die 2.800 Euro seien „beschämend“, denn „Werbung ist alles und so billig nicht immer zu haben“ für die zwei „armen Banken“.

Was für eine Häme!

Kein Gedanke an zwei Familien, die beim Brand alles verloren. Denen halfen beide Banken übrigens bereits im Dezember – mit jeweils 5.000 Euro. Diese zynischen Zeilen flicken zudem den Freiwilligen Wehren am Zeug.

Die Kameraden der Freiwilligen Wehr Ohrdruf erzählten indes, die aktuelle öffentliche Attacke wäre beileibe keine Ausnahme gewesen.

Schon am Tag des Brandes kursierten Gerüchte: Der Einsatzbefehl sei zu spät ausgelöst und zu wenige Kräfte alarmiert worden.

All dies erwies sich als üble Nachrede. Trotzdem folgte später eine Broschüre mit Fotos vom Feuer und dem Löscheinsatz – aus jener Gerüchteküche gespeist.

Mühsam war’s für die Ohrdrufer Feuerlöscher, diese Schmähschrift aus dem Verkehr zu ziehen.

Kaum bekannt: Nur eine Berufsfeuerwehr tut im Landkreis Dienst – die in Gothas Oststraße. Sie ist zudem ein Unikat. Thüringens Brandschutzgesetz sieht nämlich Berufswehren erst für Orte über 50.000 Einwohnern vor.

Doch bevor das Gesetz wurde, gab es aber in Gotha einen Handstreich. Berufsfeuerwehren waren in der DDR dem Ministerium des Innern unterstellt. Als sich 1990 zunehmend staatliche Strukturen auflösten, hatte das zur Folge, dass Gothas Feuerwehr kaum noch einsatzbereit war. Deshalb preschte der erste frei gewählte Rathausherr Werner Kukulenz (CDU) vor. Auf seine Initiative beschloss der Stadtrat, die Feuerwehr zu kommunalisieren. Zum 1. September erhielt die Truppe ihre Dienstverträge.

Überall sonst im Landkreis leisten also Freiwillige Dienst am Nächsten.

Sie sind als erste vor Ort, geschieht ein Unfall.
Sie sind es, die routiniert und schnell handeln – trotz Blut und Tränen und Schmerzensschreien.
Sie sind es, die dann nach Hause fahren – mit all diesen traumatisierenden Bildern im Kopf.
Sie sind es, die ihr Leben riskieren, lodern die Flammen.

Sie sind es, die deshalb Stunden ihrer Freizeit aufbringen: Leben retten und Feuer löschen muss man lernen. Und dann üben, üben und nochmals üben.

Das ist für sie selbstverständlich.
So selbstverständlich wie für uns, dass sie in der Not da sind.
Dafür sollten wir zumindest öfter dankbar sein.

Ich fang mal damit und bei jenen an, die am und nach dem 26. November in Ohrdruf waren – und all den anderen Freiwilligen in den Wehren, beim THW, dem DRK etc.:

Sie alle haben bei mir ab sofort einen (Ehren-)Stein im Brett.

(Kolumne, veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 29. August 2014)

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