Das Wort zum MUTwoch (120): Sich die Kugel geben

Rien ne va plus.

Die Erfurter Spielbank macht dicht. Für die Nachrichten-Makler meiner Frühstücks-Zeitung war das scheinbar eher weniger wichtig. Etwas versteckt, auf einer der hinteren Seiten, stand heute die Notiz dazu.

Zum 31. Dezember packt die Casino-Crew ihre Siebensachen und geht. Die einzig gute Nachricht – alle 20 Mitarbeiter der Spielbank bekommen woanders einen Job.

Nicht einmal ein Jahrzehnt wird es also offiziell Glücksspiel in Erfurt gegeben haben: Im Dezember 2005 begann es.

Das Thema Spielbank hatte da schon viele Gemüter bewegt. Auch Schloss Reinhardsbrunn war eine ganze Weile als Standort im Gespräch.

Keine Frage: Schon vor mehr als zehn Jahren, als das debattiert wurde, wäre sehr, sehr viel Geld nötig gewesen, um das Gemäuer wiederzubeleben.

Trotzdem keimte Hoffnung, dass so das Juwel gerettet werden könnte. Dies, obwohl schon damals in Deutschland das Geschäft mit dem Roulette nicht mehr rund lief. Dennoch liebäugelte jeder Ort, der aufs Glücksspiel setzte, ein zweites Baden-Baden zu werden.

Alles kam anders. Erfurt erhielt den Zuschlag.

Und eigentlich hat Thüringens Kapitale ja nicht einmal eine richtige Spielbank. Dazu fehlte das Roulette, es gibt also keine Croupiers, wie man sie aus einschlägigen Filmen kennt. Für 1 Euro Eintritt bekam man am Theaterplatz höchstens eine edlere Version einer Spielothek geboten. Neben den 92 einarmigen Banditen standen zwei Poker- und ein Black-Jack-Tisch zur Verfügung.

So konnte das sicherlich auch nichts werden, aus Erfurt das „Las Vegas von Thüringen“ zu machen. Der Zuspruch blieb gering, die Gewinne auch. Deshalb senkte der Freistaat, der das Spiel-Monopol hat, sogar die Spielbankabgabe.

Das spülte zwar 200.000 Euro jährlich in die Kasse der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Aber gute Geschäfte sehen anders aus. Der Freistaat zahlte nämlich mehr Geld als Mietzuschuss – runde 2 Mio. Euro sind das bis heute.

Unser Steuergeld.

Rien ne va plus: Fast ein Grund, sich die Kugel zu geben, oder?

(Foto: Spielbank Wiesbaden/Ralf Roletschek)

1 Kommentare

  • Jürgen Lange (#)
    18.06.2014

    Neben dem Schloss Reinhardsbrunn war seinerzeit übrigens auch die Gothaer Orangerie im Gespräch. Aber sein wir mal ehrlich, Einheimische als potentielle Spieler werden immer weniger und Fremde, die wirklich Lust auf Zocken haben, kommen wegen eines solchen „Aushilfscasinos“ nicht nach Thüringen. Da gibt es deutlich attraktivere Optionen. Fühlte sich schon 2005 an wie eine Totgeburt. Das einzige was mich wundert ist, dass sie trotzdem so lang an der Herz-Lungen-Maschine namens Fördermittel dahinvegetierten konnte.

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