Das Wort zum MUTwoch (139): Ich kauf mir lieber einen Aluhut…

Alles ist relativ.

Als 1835 der „Adler“ zwischen Nürnberg und Fürth mit nahezu 30 km/h übers Gleis rauschte, warnten besorgte Menschen, dass Bahnfahrer dem Wahnsinn anheim fallen würden. Wegen des rasenden Tempos.

Wahnsinnig werden Bahnfahrer heutigentags aus anderem Grund.

Aber zu hohe Geschwindigkeiten sind immer noch gefährlich…

Können sie sich vorstellen, dass wir alle gerade quasi einen Ritt auf der Kanonenkugel machen? Sie und ich mögen zwar gemütlich auf Stuhl, Sessel oder Couch sitzen. Aber während wir da lümmeln, beschleunigt uns unser Heimatplanet auf etwa 1.100 km/h. Das ist die Geschwindigkeit, mit der sich Gotha dank der Erdrotation bewegt.

Nicht genug damit: Im selben Moment, da wir hier ordentlich durchgedreht werden, jagt Mutter Erde mit fast 110.000 km/h auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne.

Doch während sie trotz dieses Affenzahns nicht aus der Umlaufbahn fliegt, reist das komplette Sonnensystem selbst mit ca. 865.000 km/h durch „unsere“ Galaxis, wie ein schickes Video dazu zeigt – in dem allerdings unser Sonnensystem wohl durch eine Baustelle fliegt und deshalb auf Tempo 70.000 km/h eingebremst wurde 🙂

Die Milchstraße wiederum lässt es eher gemächlich angehen und cruised mit ca. 140.000 km/h durch den Sternenhaufen, zu dem sie gehört. Und der wiederum legt 2,2 Mio. km in der Stunde zurück. Dieses klugscheißerische Wissen von solchen Unvorstellbarkeiten habe ich „Nano“ und 3SAT zu verdanken…

Kein Wunder, dass ich manchmal weiche Knie bekomme und nicht so recht weiß, warum: Vorgestern zum Beispiel – so gegen 17 Uhr. Da schien mir, als ob ich gleich den Boden unter den Füßen verlieren würde. Und „2004 BL86“ war schuld. Der Asteroid war an unserer Erde vorbeigeflogen. So haarscharf, dass manche schon wieder den Weltuntergang prophezeiten.

Für den irdischen Abgang müsste allerdings der Herrscher des Universums – so es den gäbe – Zielwasser saufen: „Haarscharf“ war nämlich eher eine astronomische Dimension. „Haarscharf“ meinte gut 1,2 Mio. km. Das ist die dreifache Entfernung des Mondes von der Erde. Ein Klacks: Wer gut zu Fuß ist, wäre ohne Pause und 24 Stunden am Tag etwas mehr als 34 Jahre unterwegs, um diese Entfernung zu packen.

Nur gut, dass Armageddon mal wieder ausgefallen ist. Sonst würden wir auch was ganz Tolles verpassen. Nämlich den 15. April.

Da lösen sich – wahrscheinlich! – all unsere Probleme mit dem Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, den mysteriösen 11 Mrd. Euro, die wir Griechenland noch aus Zeiten der Besetzung durch die Wehrmacht schulden sollen. Dann werden entweder die „Reichsbürger“ triumphieren oder aber Margot Honecker in Chile…

Am 15. April 2015, so las ich jüngst hier, hätte Putin die Chance, die Welt von allem Übel zu befreien (bitte ab jetzt gaaaanz langsam lesen, damit sie die globalpolitische Finten und Finessen verstehen!):

Putin könnte nach 70 Jahren das Besatzungsstatut der ehemaligen Sowjetunion über die ehemaligen deutschen Ostgebiete, die heute in Polen und Weißrussland liegen, aufheben. Dann würden diese Teile des einstigen Deutschlands ins angeblich völkerrechtlich niemals untergegangene Deutsche Reich entlassen werden. Dies wiederum hieße in der Lesart des Autoren, dass nach dem Vertrag von Brest-Litowsk die ehemaligen Ostgebiete in der ebenfalls nie untergegangenen DDR aufgehen würden. Deshalb nicht untergegangen, weil „zur Auflösung der DDR-Volkskammer ein Volksentscheid nötig gewesen“ wäre. Da diese „neue DDR plus Ex-Ostgebiete“ laut Völkerrecht souverän wäre, müsste das Besatzungskonstrukt „Bundesrepublik Deutschland“ das Volkseigentum der Ex-DDR in D-Mark erstatten und gleichzeitig rückwirkend alle Verträge, alle Altschulden und bis heute vereinnahmte Steuern voll ausgleichen…

Der anonyme Autor (ist ja schließlich ein „Anoymous“-Aktivist) schrieb übrigens einleitend zu dieser wirklich fantastischen Verwirbelung aller nur erdenklich unmöglichen Annahmen:

„Man munkelt, dass der Berliner Flughafen Willy Brandt nur deshalb nicht fertiggestellt wird und in Betrieb genommen werden kann, weil der russische Präsident Putin die Überflugrechte nicht genehmigt.“

Wie sagte doch Albert Einstein?

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Alles ist eben relativ. Auch relativ blöder Blödsinn findet sein Publikum.

Da kommt mir nur noch Billy Mos Gassenhauer aus dem Jahr 1963 – ein wenig abgewandelt – in den Sinn: „Ich kauf‘ mir lieber einen Aluhut…“

 

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