Mit Freu(n)den über’n Jordan gehen

Dachwig. Der „Mühlenhof“. Direkt an der B 176. Nicht zu übersehen. Fein herausgeputzt, die 1466 ersterwähnte Wassermühle mit Vierseitenhof am Bächlein namens Jordan. Seit 2014 herzliche Herberge und Ort gediegener Gastlichkeit.

Das Schmuckstück – für die Sanierung vom Landkreis Gotha mit dem Denkmalpreis geehrt –, gehört Judith Gisztl, geborene Bosse, und Oliver Bosse. Sie sind Nichte und Onkel, Nachfahren der Wassermüller.

1609298-muehlenhof_2Bevor ihr Traum aus Ruinen auferstand, war mit ihnen gut Kirschen essen – mit solchen aus eigener Ernte. Beider Geschäftssinn stand nach Äpfeln, Aprikosen, Kirschen und Spargel. Der „Obsthof Bosse“ hat einen Ruf in der Region rings um die Fahner Höhe, die nicht umsonst die „Obstkiste“ des Freistaats Thüringen heißt.

Zum Familienerbe gehörte aber auch das geschichtsträchtige Gemäuer an der B 176. Das Klappern der Mühle am rauschenden Jordan endete 1940. Seither steht das Wasserrad still. Das Mahlwerk hingegen tat über 500 Jahre und bis 1977 Dienst. Danach nagten die Mäuse am Hungertuch, die Zeit am Mauerwerk.

Die sechste Generation wagte dann, den Vierseithof samt Mühle zu sanieren. Zunächst sollten es ein kleines Restaurant und wenige Gästezimmer werden. Ein Vorhaben, das sich aber auswuchs und daher Monat für Monat anspruchsvoller wurde – auch finanziell. Zudem hatten beide weder in Sachen Hotel- noch Restaurantbetrieb Erfahrungen.

Viermal warfen die Bäume am Ufer des Jordans ihre Blätter ab. Mit Familienfeiern zur Weihnacht 2013 – vor offiziellem Start im Februar 2014 – entstieg dann der „Mühlenhof“ seinem Jungbrunnen.

Die Sanierung prägten Sorgfalt und Liebe zum Detail. Dies ist allerorten zu spüren: Einem Getreidesack nachempfunden – der Kamin im Restaurant „Mühlenblick“, das 55 Plätze hat. Küchenchef Markus Joklitschke kocht eine kleine Karte mit regionalen, saisonalen Produkten. Die wird bald „thüringischer“ – der Gäste Wunsch ist Befehl. Hinterm Tresen gibt es Korn: solchen zum Trinken und jenes zum Mahlen. Die Fachwerkwand ist teilverglast, wurde so zum „Getreidespeicher“.

1609298-muehlenhof_1Die Holztische und -bänke im Biergarten schmückt ebenfalls mühlentypisches Zierrat. Und ein echt amtlicher Müller, ein wahrer Holzkopf, bewacht den Spielplatz vis-a-vis.

Wer sich hier zur guten Nacht begibt, der logiert in „Hafer“, „Gerste“, „Roggen“, aufm „Heuboden“, im „Schwalbenest“ oder im „Taubenschlag“. Zimmernamen, die den „genius loci“ – den Geist des Ortes – pflegen. Daher mietet man sich auch in den Ferienwohnungen „Magd & Knecht“, „Müller“ und „Müllerin“ ein.

Die einstige Scheune bevölkern heute jene, die zum „Salsa-Abend“, den „Spargelspitzen mit Kultur“, zum „Krimi-Dinner“ kommen. Judith schlüpft fürs „Oktoberfest“ auch mal ins Dirndl. Neben solchen Themenabenden füllen Hochzeiten, Familien- und Firmenfeiern das Reservierungsbuch.

Wochentags finden sich Geschäftsreisende, Monteure ein. Nicht wenige sind schon Stammgäste. Wer Veranstaltungen an den Wochenenden besucht oder für Familienfeiern von weiter anreist, der schläft im „Mühlenhof“ – oder in den 17 Zimmern, die jüngst in der „Alten Bäckerei“ um die Ecke entstanden. „Wir sind zu 75 % ausgelastet“, ist Oliver stolz. Der Thüringer Durchschnitt liegt bei gut der Hälfte. Und dies ganz ohne Touristen, obwohl Dachwig keine 20 km von der Landeshauptstadt Erfurt, der Kur- und Rosenstadt Bad Langensalza oder der Residenzstadt Gotha entfernt ist.

Langsam, aber stetig wachse man. Der Mix aus Gastronomie, Veranstaltungen und Beherbergung mache es, meint Judith.
Ganz sicher aber auch die Herzlichkeit, fast familiäre Art, die dem Gast des „Mühlenhofs“ wiederfährt.

1609298-muehlenhof_5aKontakt:
Mühlenhof Bosse GbR
Lange Straße 57
99100 Dachwig
Telefon: 036206 269914
Fax: 036206 269915
E-Mail: info@muehlenhof-bosse.de
Web: www.muehlenhof-bosse.de

(veröffentlicht in der AHGZ, #44 vom 5. November 2016, online hier: familienbetrieb-ein-ruhepol-fuer-ihre-gaeste,200012235181.html)

 

 

 

 

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