Das Wort zum MUTwoch (51): Porzellan-Prosa

Ich gestehe – und auch hier nicht zum ersten Mal -: Ich bin ein MoMu – ein Morgenmuffel.

Zwar keiner der ganz üblen Art. Jener, bei der sich die offensichtlichen Schlechtlaunigkeit auch noch mit einer gereizten Wortlosigkeit verpaart. Diese Kombination ist Gift für jede menschliche Beziehung. Selbst stoische Katzer kommen mit solch muffeligen, maulfaulen Dosenöffner nur schwer klar.

Meine Morgenmacke hält sich indes in Grenzen. Ist akustisch nahezu nicht präsent. Dafür sorgt schon mein Sprechapparat. Der sondert meist gleich recht viele Worte ab. Das ist aber ein unbedingter Reflex. Ich musste schließlich nachts ein paar Stunden schweigen. Selbst schlafwandelnde Selbstgespräche nähmen da nicht den Druck von den Synapsen. Vor allem fehlt das Publikum. Sie wissen schon; der Aschenbrenner ist eine Rampensau.

Damit ich trotzdem den Morgenstart nicht verstolpere, schenkten mir wohl gesonnene Menschen zuweilen Kaffeebecher und –pötte. Solche mit sinnigen, zuweilen aber auch völlig sinnfreien Sprüchen. „Ohne Dich ist alles doof …“ am frühen „Morgääähn!“ – und vor allem allein am Frühstückstisch hockend -, vor der Nase zu haben, scheint mir wenig geeignet, den Gute-Laune-Bär in mir zu wecken. Mit mir allein kommt aber auch nicht die Idee auf: „Ich bin von Idioten umgeben“. Wegen des häufigen Gebrauchs hat sich die Botschaft an einem anderen Gefäß stark geändert. Das herzige Herzilein war dem Porzellan lange nicht so anhänglich wie die Zuneigung derjenigen, die es mir schenkte. Obendrein hat sie sich aus dem Staub gemacht und deshalb steht eben durchaus korrekt nur noch „I … Dad“ auf dem Teil.

Diese porzellane Prosa müsste man eigentlich mal wissenschaftlich durchleuchten. Ich glaube, es fänden sich bemerkenswerte (alltags-)kulturelle Zusammenhänge. Ich stelle mir gerade vor, wie in -zigtausend Jahren Archäologen zufällig auf die Kreisrestmülldeponie in Wipperoda stoßen. Wie sie mit wachsender Begeisterung dann die von uns verschmähten Reste gutbürgerlichen Wohlstands ausgraben und ausdauernd vorsichtig bis pingelig den historischen Humus von den Scherben fortpinseln. Sich dann fragen, was eine Didl-Maus war oder wieso ein schlichtes Schaf namens Shaun zum Zierrat auf einem Massenartikel werden konnte …

Dieser Gedanke treibt mir ein Grinsen ins Gesicht. Ich schnappe mir meinen – diesmal unbeschrifteten –  Kaffeebecher und genieße die starke schwarze Brühe …

Habt Mut und genießt den Mittwoch!

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.