Leckeres „Lenchen“

Alach. Im Herzen des 1.000-Seelen-Dörfchens unweit Erfurts wird ein um 1742 erbauter Vierseithof wiederbelebt: Im November 2015 eröffnete nach Jahren aufwändiger Sanierung zunächst das kleine, sehr spezielle Restaurant „Lenchen“. Um die Jahreswende nimmt ein ebenso edles Hotel den Betrieb auf. Zwei Generationen, ein Traum, ein Projekt – das „Magdalenengut“.

„Lenchen“ ist eigen, will gefunden werden: Alach ist zwar übersichtlich. Doch nur wer achtsam die Brauhausgasse passiert, findet zu ihr – durch einen breiten Torbogen, an dem ihr metallnes Namensschild angekettet ist.

Wer sich von „Lenchen“ verwöhnen lassen will, muss das tags zuvor anmelden. Schließlich soll der Genuss perfekt und das Vergnügen daran beidseitig sein. Und so fand „Lenchen“ schon etliche Liebhaber, seit im November 2015 dies Restaurant im „Magdalenengut“ öffnete.

Die guten Geister im gastlichen Gemäuer sind Anita Poßner und Bastian Wenzel. Beide noch keine 30, aber schon gastronomische Globetrotter. Kalifornien, Neuseeland, Mallorca waren die Stationen. Nun also Alach. Um den einen mit einem zweiten Traum zu ergänzen.

Der erste begann vor einem Jahrzehnt: Anitas Vater sollte Baufreiheit schaffen. Den Vierseithof einebnen. Aber Robby Poßner sah hinter den verhunzten Fassaden und in den geschundenen Gemäuern Großartiges. Kaufte, statt zu schleifen. Hat seither „jeden Samstag und jeden Sonntag“ freigelegt, gewühlt, ausgemüllt, abgebrochen, aufbereitet und aufgebaut. Ein Denkmalhof sollte es werden, mitfinanziert von ein paar Gästezimmern. Daraus wurde dann der Plan einer eher edlen Herberge. Deren Gäste brauchen aber auch entsprechende Kost zur luxuriösen Logis.

Da spülten Zufall, Heimweh und Lust auf Sommerferien Anita und „Basti“ heim. Sie ließen sich von der väterlichen Faszination anstecken, machten mit weltenbummlerischen Wissen und kulinarischer Kreativität das Konzept fürs Hotel rund – und für ein Restaurant, das alles bieten sollte, „was wir uns als Gäste wünschten“.

Wie bei einer guten Soße, die langsam einkocht, wuchs dabei beider Lust, die Gastwirtschaft in eigene Hände zu nehmen.

Und deshalb dürfte das „Lenchen“ nun thüringenweit seinesgleichen suchen. Ein Dreigang- oder ein Viergangmenü, jeweils mit Weinbegleitung, steht mittwochs bis samstags ab 19 Uhr zur Wahl, aber auf keiner Speisekarte. Die maximal 20 Gäste müssen – nein; sie dürfen! – sich überraschen lassen. Schließlich setzt „Basti“ auf regionale, saisonale Zutaten, die er morgens frisch einkauft. Dieses Angebot bestimmt, was er, der schon in Sterne-Restaurants kochte, zum Abend in der Küche zaubert.

Bisher habe übrigens noch kein Gast die überraschende Speisenfolge boykottiert, versichert Anita. Ganz im Gegenteil. Manche verdanken Alach ihr „erstes Mal“ Fisch, Lamm oder dergleichen.

Weil aber Essen UND Trinken Leib und Seele zusammenhalten, packt die gelernte Sommelière Anita feinste Schätzchen aus ihrem Weinkeller dazu oder eben auch ein kanadisches Ale – je nachdem, was in Topf und Tigel kocht, schmort, dünstet. Sie präsentiert wortgewandt und wissend dabei zu jedem Gang das Getränk ihrer Wahl, möchte liebend gerne so die „Lust auf was Leckeres“ steigern. Die beiden wollen eben Sinfonien für Geschmacksknospen komponieren.

Für solch Gaumenschmeicheleien nehmen sich Genießer gern Zeit. Auch mehr als zwei, drei Stunden. Und sie kommen wieder. Sind zudem beste Botschafter der besonderen Bewirtung. Wem Gutes widerfährt, dem ist das eben allemal eine Empfehlung wert.

 

Kontakt:
Magdalenengut GbR
Brauhausgasse 3
99090 Erfurt, OT Alach
Telefon: 036208 243896
Fax: 036208 243891
E-Mail: info@magdalenengut.de
Web www.magdalenengut.de

(geschrieben für die AHGZ, #42 vom 22. Oktober 2016, online auch hier: selbststaendigkeit-ihr-lenchen-will-ueberraschen,200012234884.html)

 

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