WePad – the „German Wunder“

(ra) Da schau einer die Deutschen an! Kaum einer kannte bis vor kurzem die Firma Neofonie. Deren Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen war und ist höchstens Insidern bekannt, weil der vor Jahren die Suchmaschine Fireball entwickelte. Doch Neofonie schaffte es mit seinem Konkurrenten des Apple-Tablet-PC iPad, das Ende April in Deutschland zu kaufen sein wird, weltweit Schlagzeilen zu machen. Nicht sonderlich originell heißt das Teil „WePad“, sieht aus wie die Wunderflunder aus den USA, soll aber mehr können, wenn es im August auf den Markt kommt.

Für Wirbel sorgte allerdings die missglückte Präsentation am Montag. Deshalb gab es Gerüchte im Netz, das Gerät sei ein Fake, wie auch das „Handelsblatt“ am Dienstag berichtete.

Neofonie kündigte heute auf seiner Facebook-Seite an, dass am 26. April eine zweite Präsentation stattfinden werde, zu der auch Kritiker eingeladen seien. Hoffer von Ankershoffen hatte auf Nachfrage heute ebenfalls eingeräumt, dass das gezeigte Gerät „noch einige Entwicklungsstufen“ hinter den vollmundig angekündigten Qualitäten zurück läge.

Auch die Bastler bei Hewlett Packard werden uns mit dem „Slate-Tablet“ beglücken. Das kann dann sogar Handschriften erkennen – mit einem Stift lässt sich auf dem Gerät schreiben. Googles Tablet-Computer nennt sich sinnig „GPad“ und wird auf der Basis des hauseigenen Android-Betriebssystems demnächst auf den Markt kommen.

Anders als das zunächst großes Aufsehen erregende iPad können WePad und Slate-Tablet Flash- und Java-Webseiten abzuspielen, haben eine Kamera, USB-Anschlüsse und einen Steckplatz für zusätzliche Speicherkarten wie auch einen HDMI-Ausgang für den Anschluss an das TV-Gerät den Fernseher

Das WePad hat ein 11,6 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 1.366 x 768 Pixel. Es ist schwerer als das Modell von Apple. Die Akku-Laufzeit von nur sechs Stunden erklärt sich mit dem Umstand, dass ein schnellerer Prozessor verbaut wurde und eine Webcam für Videotelefonie sowie echtes Multitasking von mehreren Programmen möglich ist. Doch gerade die Integration von Flash, Java und Adobe Air ist ein großer Vorteil gegenüber dem iPad – so sind alle modern programmierten Webseiten darstellbar. Die 16 Gigabyte-Version mit WLAN des „German Wunder“ soll für 449 Euro, die UMTS-Variante mit 32 GB und Full-HD-Chip für 569 Euro zu haben sein. Das kleinste iPad-Modell mit 16 Gigabyte und WLAN kostet hingegen 549 Euro.

Die neuen Geräte werden derweil nicht nur als Spielerei für Computer-Freaks angesehen: Die Verlagsbranche verspricht sich von ihnen einiges. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns, glaubt an eine „neue Ära“ und an ein „enormes Potenzial“ für die Presselandschaft: „Das iPad bringt das, worauf wir alle gewartet haben.“

Beobachter vermuten, dass mit den neuen Tablet-PCs die Gratiskultur im Internet endet. Zeitungen und Zeitschriften wollen sich schon lange ihre Onlineangebote bezahlen lassen – um den Lesern so etwas schmackhaft zu machen, wollen sie Tablets vergünstigt anbieten.

Folglich ist auch das WePad für Verlagsinhalte gerüstet. Die Firma Neofonie schafft z. B. mit dem „WeMagazine“ eine offene Plattform für elektronisches Publizieren. Zeitungen und Zeitschriften können digitalisiert und interaktiv aufbereitet werden. Sie lassen sich dann sowohl auf Tablets als auch auf Smartphones oder im Internet darstellen. Folgt man den neuesten Visionen, dann schalten Abonnenten bald am Frühstückstisch ihren Tablet-PC ein, der automatisch die neue Tageszeitung lädt, und blättern durch die Seiten. Zusätzlich können Videos angeschaut und Kommentare in sozialen Netzwerken abgegeben werden.

Neofonie ist bereits Kooperationen mit dem „Stern“ eingegangen, der eine Onlineausgabe für das WePad produzieren will. Weitere Titel vom Hamburger Verlag Gruner & Jahr sollen folgen. Auch der Ringier Verlag aus Zürich ist mit der „Schweizer Illustrierten“ und dem Politikmagazin „Cicero“ an Bord. Marktforscher haben herausgefunden, dass sich die Lesedauer auf Tablet-PCs von drei auf 27 Minuten erhöhen lassen, wenn die Inhalte ansprechend aufbereitet sind.

Mit dem frei verfügbaren Open-Office-Paket, Adobes PDF und dem offenen ePub-Standard für elektronische Bücher unterstützt das WePad alle bedeutenden Darstellungsformen für publizistische Inhalte. Damit wird das Gerät auch für Buchverlage interessant. Der Verlagsbranche, die seit Jahren unter kräftigem Leserschwund leidet, eröffnen sich neue Perspektiven und Einnahmequellen. Werbung, E-Commerce und Bezahlinhalte – alles auf einem Gerät.

(Quellen: Spiegel Online, Stuttgarter Zeitung, c’t online, CHIP online)

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