Was Kennedy heute sagen würde …

Was wäre, wenn in sieben Tagen tatsächlich die Welt unterginge? Wenn es doch kein Zufall wäre, dass einer der Maya-Kalender am 21. Dezember 2012 endet?

Ich maß und messe diesem Szenario keinen Wert bei. Auch deshalb, weil ich einer Generation angehöre, die öfter als gewusst oder erahnt, dem Weltuntergang nahe war. Kurz nach dem Mauerbau geboren, bin ich ein Kind des Kalten Krieges. Der war mehr als nur einmal so knapp davor, ein alles verzehrender, heißer zu werden. Doch alle Beinahe-Atominfernos, zu denen es unweigerlich gekommen wäre, geschahen nicht. Weil es ein „Gleichgewicht des Schreckens“ gab. Weil Militärs ihren Verstand und nicht blindlings Befehlen folgten.

Das aber ist kein Trost.
Deshalb, weil scheinbar diese Menschheit nichts daraus gelernt hat.

Statt atomarer Zerstörung raubbauen wir täglich unseren natürlichen Lebensraum ab. „Nach uns die Sintflut!“ – selten mutete ein markiger Spruch aus Volkes Mund prophetischer an als heute.

Ich gestehe, ich habe lange manchen Umweltaktivisten als „Birkenstocklatschen-Träger“ verlacht. Es war mein Geiz, nicht der Verstand, der mich umsteuern ließ: Aschenbrenners Kassenwart, der ich war, bekam Jahr für Jahr einen dickeren Hals, sah er die stetig steigenden Preise für Strom, Wasser, Gas, Diesel. Das weckte den Sparfuchs in mir. Lange vorm Hype gab es Energiesparlampen bei uns. Ich knipste mit stoischem Gleichmut hinter allen Hausbewohnern die Stromfresser aus, die sie vergaßen, vom Netz zu trennen. Auch mit „Stand-by“ war’s vorbei. Spardüsen hinderten Wasserhähne und Brauseköpfe, aus vollem Hals zu speien. Statt Heizung auf Anschlag gab es dicke Socken. Fenster wurden abgedichtet. Kofferräume entrümpelt, Reifen auf Hochdruck gebracht, Fahren mit Tempomat und mit 130 auf der Autobahn zum Geduldsspiel für andere. Ich freue mich noch heute über Verbräuche, bei denen eine „5“ vorm Komma steht …

Kürzlich war ich auf dem „Alternativen Energiegipfel“ in Ilmenau. Bürgerinitiativen gegen die 380-kV-Trasse durch den Thüringer Wald hatten Gleichgesinnte geladen. Auch Wissenschaftler, die sich mit Alternativen zur derzeitigen Energiepolitik in Deutschland einen Namen machten. Da hörte man Beeindruckendes: 25 % weniger Strom müsste erzeugt werden, würden wir in Privathaushalten und der Industrie Verbraucher auf dem Stand der Technik nutzen. Doppelt so viel Strom wie Deutschland zu Spitzenzeiten benötigt, hätten wir, würden auf allen deutschen Dächern, die nach Süd ausgerichtet sind, Fotovoltaikanlagen arbeiten. Schon heute bringt an nahezu allen Tagen Wind, Sonne, Biomasse so viel Energie, dass alle deutschen Braun-, Steinkohle- und Gaskraftwerke abgeschaltet bleiben könnten.

Keine Frage: Ganz so einfach ist keines der drei Szenarien umzusetzen. Aber niemand hat je behauptet, dass die „Energiewende“ einfach nur von der Kanzlerin ausgerufen werden muss und schon ist sie da.

Draußen tobt gerade Schneeflöckchen, Weißröckchen. Väterchen Frost zeigt der globalen Erwärmung die kalte Schulter. Und sämtliche Türen zu allen Konsumtempeln stehen weit offen …

„Frage nicht was andere für die Rettung der Welt tun können, sondern was Du machen kannst!“ So würde John F. Kennedy wohl heute seine 1961 gemachte, bemerkenswerte Sentenz aus seiner Antrittsrede als Präsident modifizieren.

Wir müssen uns nicht wegen Maya-Prophezeihungen sorgen oder Nostradamus bemühen. Unser Amargeddon kriegen wir auch so hin, kriegen wir nicht alle die Kurve.

Das wünsche ich mir aber so kurz vom Ende des Jahres 2012. Und um darauf in 17 Tagen anstoßen zu können, habe ich schon mal eine Flasche Sekt kalt gestellt.

Aufs Fensterbrett … 🙂

Seit Dezember 2002 erscheint im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

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