„Oscar“-Kolumne: Frucht der Erkenntnis

Lesen bildet.

Das kann ich nicht oft genug wiederholen: Wer jüngst das Interview mit Josef Saller las, der bekam so eine Extra-Portion Erkenntnisse vermittelt.

Josef Saller jedenfalls kann nicht lesen. Denn der Weimarer Investor hat eine erschreckende Ahnungslosigkeit präsentiert. Der Mann, der Gotha mit einer Mini-Mall beglücken will, versteigt sich deshalb in steile Thesen und Verschwörungstheorien.

Er spricht von einer „verschwindend geringen Minderheit“, die seinen Plänen entgegenstünde. Nennt Kritiker „Schreier“, die „auf Krawall machen“ und deshalb eine „medienwirksame Opposition“ seien.

Das ist in der Tat Beleg dafür, dass Josef Saller nicht lesen kann. Oder es zumindest nicht will. Seit im Oktober 2010 TA-Mann Thomas Ritter erstmals vom „Glitzerpalast“ berichtete, ist dies hierzulande ein Dauer- und Reizthema. Es gäbe eine dicke Mappe, wären alle Wort-, Bild- und Videobeiträge pro und contra archiviert worden. Damit hätte der „GroKo“, der Grob-Kommunikator Saller, ein ordentliches Päckchen zu tragen.

Das wird er sowieso müssen. Denn sein „Glitzerpalast“ blendete offensichtlich nicht einmal eine überwältigende Mehrheit der Stadträte bei den diversen Abstimmungen.

Die waren waren daher immer auch ein „Ja, aber …“, wie das lange, zähe Ringen um die baurechtlichen Vorgaben ahnen lässt.

Diese Auflagen haben wohl dazu geführt, dass bei Saller nun die Nerven blank liegen. Wie sonst erklärt sich, dass er seine Kritiker verhöhnte? Das ist hierzulande ein nicht unbekannter Ton im Umgang mit „feindlich subversiven Kräften“. Demokratisch, souverän geht anders.

Nicht einmal sportlich nimmt er es. Saller hat Gothas Tiefbauamtsleiter den schwarzen Peter zugeschoben, auch wenn der Jörg heißt. Seine Blutgrätsche gegen Schmidt wäre Grund für eine rote Karte. Der Amtsleiter sei für millionenschwere zusätzliche Erschließungskosten verantwortlich.

Als ob das Amtsleiter entscheiden könnten?!? Erst recht in Gotha.

Man wird sehen, wie sich OB Kreuch nun verhält. Er stellt sich ja meist hinter seine Leute, geraten die ins Kreuzfeuer öffentlicher Kritik. Wobei: VOR sie stellen wäre deutlich besser. Nicht nur dieses Mal …

Augenscheinlich ist, dass sich der Investor seiner Sache nicht mehr sicher ist, auch wenn er behauptet: „Wir bauen auf jeden Fall etwas. Etwas, was uns die Stadt gestattet.“

Dass sein Blutdruck gefährlich hoch ist, mag ein letztes Detail belegen. Befragt, welches Argument er gegen Befürchtungen habe, die Innenstadt mit dem EKZ auszubluten, antwortete er:

„Wir haben sehr große Erfahrung in diesem Metier. In Weimar sind wir 600 Meter von der Innenstadt entfernt, in Gotha nur 150. In Weimar kommen laut Befragung 40 Prozent der Leute wegen der Goethe-Galerie und gehen dann in die Innenstadt.“

Sie gehen vermutlich deshalb in die Innenstadt, weil es in Weimar keine Goethe-Galerie gibt. Die steht in Jena.

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen …“ (Matthäus 7,16). Die Saller-Frucht jedenfalls mundet zunehmend weniger in Gotha.

Auch mir nicht mehr.

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