Oscar-Kolumne: Tief-, Drei(n)-, Nacken- und Nachschläge (26. August 2011)

Kaufland. Tiefgarage. Vor den Fahrstühlen reservierte Parkplätze für Menschen mit Handicap. Mit rotziger Regelmäßigkeit belegen sie aber andere – selbstsüchtige, rücksichtslose Zeitgenossen mit ausgehöhltem Anstand und mieser Moral.

Das sind selbst wohl situierte Familienväter. Leute, die zu Gothas VIPs zählen. Als ich jüngst ein solches Exemplar deshalb ansprach, war es Sekunden sprachlos, bot mir dann aber sofort das „Du“ sowie ein martialisches männliches Kräftemessen nach dem Faustrecht an. Ich lehnte dankend ab: Er war nicht meine Gewichtsklasse.

Ganz der Fürsorgliche und Kümmerer, der ich aber bin, schlug ich ihm Assistenz bei er Suche nach einem Benimm-Trainer vor, um seine verhaltensbedingten sozialen Defizite abzubauen. Wegen seiner plötzlich eintretenden Schnapp-Atmung, den Blut unterlaufenden Augen und angeschwollenen Halsschlagadern ließ ich dann aber doch ab von ihm. Zu groß war meine Sorge, dass er anhaltenden gesundheitlichen Schaden nehmen würde.

Diese kleine Szene fiel mir Samstag kurz nach Mitternacht in Mühlberg nach dem Ende des Drei(n)schlags ein. Mit der auto(im-)mobilen Warte-Gemeinschaft ruckelte und zuckelte ich – unseren bettschweren Besuch an Bord – gen Autobahn. Aus Mangel an regulierenden Freunden und Helfern setzte mancher auf pferdegestärke Selbsthilfe, demonstrierte Schulphysik-Wissen: Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein. Da aber Klügere nachgeben, blieb diese darwinistische Verdrängungs-Kampflinie beim Verlassen der Parkplätze – bis auf eine überlieferte Handgreiflichkeit –  folgenlos, verstärkte jedoch deutlich die Stau-Stufe.

Die erhitzt allerdings selbst Tage danach die Gemüter – und nicht nur die schlichten. Aber es lässt sich eben trefflich streiten, was nicht geklappt hat, oder klugscheißen, was besser zu machen wäre, solange man nur unbeteiligter Zuschauer ist.

Dreierlei gebe ich zu bedenken: Man will gar nicht glauben, welch Aufwand für solch ein Spektakel betrieben werden muss, welche Auflagen zu erfüllen sind. Und das nicht erst seit der Duisburger Katastrophe bei der Love-Parade 2010. Seither hängen die Hürden aber deutlich höher.

Daher ist solch ein Kraftakt ohne Armada freiwilliger Helfer nicht zu stemmen. Wolfgang Schröter (Foto, l.), der ehemalige VG-Vorsitzende, dürfte wohl das letzte halbe Jahr selbst im Schlaf vom Drei(n)schlag verfolgt worden sein. Dass ihn Lefflers Jens, der Mühlberger Rathaus-Chef, dann vorm Publikum auf Gut Ringhofen als Ober-Drei(n)schläger adelte, war nur gerecht. Was wären wir ohne die Schröters & Co.?

Und schließlich war der Drei(n)schlag schon immer mehr als nur als ein Pyro-Spektakel: Wie bei der ersten, bot auch bei der dritten Auflage das Konzert der Thüringen-Philharmonie mit „Vital“ Unvergessliches. Auch dank der unglaublichen Angelika Weiz und dem göttlichen Claus Durstewitz. Nicht zu vergessen die scharfen Sondershäuser Schotten von Pipes & Drums!

Was Feuerwerker des Abends boten, verstand sich immer nur als Zugabe. Die kostete die zuschauende Mehrheit daher auch keinen Cent.

Bezeichnend ist aber, dass es genau solche Zauns-Gäste sind, die jetzt in Mails, Leserbriefen, Internet-Foren, Kommentaren auf den Webseiten der ZGT-Zeitungen und auf Facebook Stimmung machen.

Übrigens ereignete sich die wohl berührendste Geschichte am Rande des Drei(n)schlags: Er bot Bühne für eine gaaanz große Versöhnung. Weil eine Frau aus Gebesee sich mit ihrem Nordhäuser Freund verkracht hatte, sollte das himmlische Drei Gleichen-Spektakel neuerlich das gewisse Herzklopfen erzeugen. Das war aber nicht kostenlos, wie einst der Straßenfeger des Adlershofer Fernsehens von und mit „Heinz, dem Quermann“ verhieß. Im Gegenteil. Die Dame investierte in die Zukunft, orderte für sich und ihren Herz-König Eintrittskarten. Ob sich allerdings zusammenfand, was zusammengehört, lässt sich hier nicht überliefern.

Vielleicht aber ist ’s der Stoff für die nächste Legende, die dann in 780 Jahren zu erzählen wäre …

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