Oscar-Kolumne: Kinder los (21. 08. 2006)

Jetzt passiert’s. Ich vereinsame!

Erst entschwindet voriges Jahr mein Greta-Kind nach Garmisch-Partenkirchen zwecks Ausbildung zur Hotelfachfrau. Und nun sagt auch die große Tochter, die eigentlich die kleinere, wohl aber die ältere von beiden ist, „Adieu!“. Das Abi in der Tasche, zieht es sie als Au pair nach Fronkreisch, Fronkreisch…

Gut tun die beiden daran! Abgenabelt und die Welt erkundet! So sind Töchter, Gott sei Dank. Nix von wegen „Hotel Mama“! Wie sagte Dresdens Ex-OB Wolfgang Berghofer im wirbligen Wendewunder-Herbst 1989: „ Weltanschauung kommt von Welt anschauen …“ Wie ich sie beneide!

Andererseits: Wünschte man sich früher bei all dem Trubel in der Hütte zum Feierabend ein stilles Plätzchen, so kommt man heute nach Hause … und die Bude ist leer. Das war ein paar Tage ganz nett. Aber jetzt? Schrecklich!

Dabei hatte ich vor gar nicht langer Zeit noch die große Klappe: Sind die Kinder erst aus dem Haus, dann fangen die tollen Jahre an …

Na ja, das Heim ist ja auch nur fast leer. Denn unsere Katzen-Rasselbande ist meist mehr oder minder vollzählig anwesend. Der geneigten „Oscar“-Leserschaft nicht unbekannt ist, dass meinereiner sein Zuhause mit Samtpfötchen teilt. Als gelegentlich davon die Schreibe war, handelte es sich noch um ein Trio. Inzwischen ist ’s eine Viererbande.

Mein damals noch vereinter flotter Weibs-Dreier hat mich nämlich überrumpelt: Im Haushalt der Schwägerin gab ’s vor Jahresfrist kätzischen Nachwuchs, zu allem Überfluss rothaarigen. Der hatte uns gerade noch gefehlt, denn solch fuchsfellige Katzen machen die Gemahlin richtig kirre.

Und so kam es, wie es kommen musste: Als eines dieser rotwuscheligen Faustvoll mauzend in meine Richtung tapste, war ’s selbst um mich geschehen …

Wenn andere Leute einen Vogel haben, so hat bei Aschenbrenners eben jeder eine, jeder seine Katze. Tina liebt ihren Willi abgöttisch. Der teilt nicht nur morgens mit ihr den Stuhl beim gemeinsamem Frühstück und der obligaten Zeitungslektüre. Ihm ist tierärztlich attestiert, dass er schwul ist. So wird der Senior der Katzenbande auch gern „Stubenschwuchtel“ genannt.

Zu Greta gehört Rudi, der stets und ständig mauzt und miaut und demnach ein KommuniKater ist.

Ein Herz und eine Seele sind Anne und die Katze Kira, die ein bisschen English Tabby in sich und deshalb eine gewisse Grundarroganz hat, einst übergewichtig war und deshalb „Fellschwein“ benamt wurde.

Und ich habe eben seither einen roten Kater namens Louis.

Heute weiß ich: Neben weiblicher List und Tücke handelte es sich bei dieser schnurrend-schnurrigen Familienerweiterung um weitsichtige Prophylaxe. Denn – ich geb’ es ja zu – ich rede mit den Stubentigern.

Na und? Erstens widersprechen sie nicht. Zweitens ist es kostengünstiger als Dauertelefonate mit den Töchtern. Und drittens kann ich – wenn mein werktätig’ Weib meist spät abends von ihrer Bad-Langensalza-Tournee heimkehrt – ihr voll und ganz meine Aufmerksamkeit und mein Ohr leihen, bin also der ideale Zuhörer. Möglicherweise auch eine Erklärung dafür, warum sie so tadellos einparken kann …

Mir wird außerdem inzwischen größere Gelassenheit bescheinigt, was angesichts meines zuweilen überbordenden skorpionischen Temperaments ausgesprochen wohltuend für die Umwelt sein muss.

Wie man sieht: Diese ganz spezifische Aschenbrennersche Mensch-Tier-Symbiose hat allseits positive Wirkungen. Tja, man sagt ja nicht ohne Grund: Katze im Haus ersetzt den Psychiater …

Und trotzdem ist ’s gar nicht so leicht, jetzt, da die Kinder so gut wie fort sind. Jüngst, bei der Zahnärztin meines Vertrauens, kam ich ganz zufällig darauf zu sprechen. Und siehe da: Auch Schwester Petra teilt mein Schicksal.

Was also tun? Wir könnten eine Selbsthilfegruppe aufmachen. Oder ich einen Katzenverleih …

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