Wort zum MUTwoch (32): Würzige Truppe

Oft ist es das erste Mal, dass Paare Grenzen ihrer wundervollen, großen Liebe erleben, stellt sich Nachwuchs ein. Dann ist nämlich dem Kinde ein Name zu geben.

Ergibt sich zweisame Ratlosigkeit, folgt der rettende Gedanke, diverse Bücher zu wälzen, wird gegoogelt, was die Tastatur hergibt. Familienstammbäume werden abgegrast.

Und da ist ja auch eine Menge zu bedenken! Wie klingen Vor- und Nachnamen? Wird glasklar deutlich, ob das Kind der blauen oder rosa Fraktion angehört? Zunächst zumindest – das kann sich ja ändern; wir sind schließlich ein tolerantes Volk … Welche Verhonepiepelung droht ihm später durch hänselnde Mitschüler? Lässt sich der Name für einen Außenstehenden korrekt aussprechen und auch fehlerfrei notieren? Schreibt Jean-Gilbert Anton Julius tatsächlich seinen vollständigen Namen „Hansemann-Schmidtgruber“ immer aus?

Nicht umsonst heißt es zudem: Nomen est Omen. „Claire Grube“ ist nur eine von vielen volksmündlich verbreiteten Versionen vergeigter Versuche.

Was für werdende Eltern gilt, gilt allerdings auch für werdene Unternehmensgründer. Ich gehöre einem Sextett Medien-Mädchen und -Burschen an, das sich entschieden hat, in Gotha ein Redaktionsbüro zu gründen. Allesamt hatten wir die kreative Einsiedelei satt. Wollten auch den „Kaffeeküchen“-Effekt für uns nutzen – das ungezwungene Schwätzchen über Gott, die Welt und zu erledigende Aufgaben. Das ist nachweislich ein Erfolgsfaktor, sozialer Kitt zugleich und auch Seelenmedizin.

Schnell war das Büro gefunden, die Farben für die Wände auch. Uneins zeigte sich der Vier-Mädchen-zwei-Jungen-Zirkel noch über den Fußbodenbelag.

Und den Namen.

Um es kurz zu machen: Tagelang wogten Mail-Wellen an die beteiligten Monitore, wurden Wortkonstruktionen debattiert, für Medienmenschen wie uns wichtige Begriffe „geschüttelt“, aus deren Buchstaben Kunstgebilde geschaffen: Griffig, originell, kurz, witzig, chrakteristisch, unverwechselbar, einmalig, als Internetadresse nutzbar, auch mit langem Namen wie ‚“Aschenbrenner“ nicht Fingersalat beim E-Mailadresseneintippen erzeugend sollte der Name sein.

Und mehrheitsfähig zudem. Einstimmig anzunehmen, mit Herzblut zu leben, etc.

Als die Namensfindung anfing, leicht nervig zu werden, ergaben wir uns alle – bei einer nur knurrend-murrend beipflichtenden Frau Sch. aus T. – einer krassen, echt schrägen Inspiration: Kollegin Grasse brachte eine der Farben ins Spiel – Curcuma. Klingt würzig, exotisch und – vor allem! – viel versprechend. Also ward „Curcuma-Medien“ geboren.

Laut Wikipedia (was anderes war jetzt zum Quellenstudium nicht da!) stammt Curcuma – gern auch Gelber Ingwer genannt – aus Südasien. Frisch soll seine Wurzel einen harzigen, leicht brennenden Geschmack haben, getrocknet mildwürzig und etwas bitter sein. Vor allem findet sich Curcuma wegen seiner intensiven Färbekraft in diversen Currymischungen. Ergo werden wir Farbe in die Medienlandschaft bringen.

In Indien wird Curcuma seit 4000 Jahren genutzt. Es gilt als heilig und zu den wichtigsten Gewürzen. Für Ayurveda-Jünger ist es ein „heißes“ Gewürz, hat eine reinigende und energiespendende Wirkung. Das klingt auch gut!

Die indische Küche nutzt es meistens getrocknet. Thailändische wie andere südostasiatische Köche verwenden die frische, geriebene Knolle.

Curcuma soll krebshemmend, antioxidativ und entzündungshemmend sein und der Knochengesundheit zugute kommen (Journalisten brauchen Rückgrat!). Die traditionelle indonesische Heilkunst nutzt es für eine Vielzahl von Krankheiten, zur allgemeinen Stärkung des Immunsystemes sowie zur Prävention von Infektionen und Erkrankungen der Atemwege. Auch das scheint ein gutes Omen.

Und es gibt sogar einen, wenn auch eher weitläufogen Bezug zur Medienbranche: Curcuma fand bis ins 20. Jahrhundert auch zum Färben von Papier Anwendung.

Wie dem auch sei; Kommt Ihnen demnächst ein Text, ein Bild etc. sehr herzhaft oder scharf vor, dann war vielleicht „Curcuma“ im Spiel!

Allen da draußen einen würzigen Mittwoch!

Mittwochs gibt es seit 29. Februar 2012 “Das Wort zum MUTwoch” im thueringen-reporter.

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

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