Das Wort zum MUTwoch: Gestatten, Gustav!

Ich habe gestern Gustav kennengelernt. 126 Stunden nach seinem ersten Brüller gewährte er mir und meinem Weibe eine Audienz. Korrekterweise war’s Romy, die Mama, die uns einlud: Sie hatte Gustav Karl-Heinz Peter am 15. März um 5.59 Uhr geboren, knapp 3.500 g schwer und 56 cm groß.

Was für ein Prachtkerl! Babygucken ist so unglaublich! Weil es kein größeres Wunder als so ein kleines Menschlein gibt!

Zwischen den Müttern entspann sich natürlich sofort die unvermeidliche Debatte, welch vorzügliches mütterliches Erbgut sich manifestiert habe und was hingegen – nun ja – „ganz der Papa“ wäre. Der abwesende Freund und frische Vater Maik Sch. dürfte Schluckauf bekommen haben; so sehr wurde seiner gedacht.

Da sich die wahren Werte – nämlich die inneren -, noch nicht bewerten lassen, findet zunächst nur die rein optische Präsenz des elterlichen Ausgangsmaterials Begutachtung. Dass daraus allerdings nur Halb-Wissen erwächst; daran stören sich Eltern kaum. Wobei auch Klein-Gustav in dieser Angelegenheit zweifelsfrei bewies: Muttermund tut Wahrheit kund. Sowieso. Und so auch.

Angeblich sollen ja erst nach und nach unsere 26 Gesichtsmuskeln zu voller Leistung auflaufen. Nicht so bei Gustav. Er guckt glücklich, galant und gnädig oder grimmig, genervt und gelangweilt. Gerade greint er noch, da grinst er auch schon wieder. Er gähnt und grient und und und …

Zieht der kleine Kerl aber die Stirne kraus, dann zeichnet sich zweifelsfrei das markante Maiksche Muster ab. Auch das kernige Kinn scheint generationenübergreifenden Bestand zu bekommen.

Und – weiß Gott! – ich bin ohne jeden Zweifel an dem, was ich da schreibe: Diesen Burschen kenne ich seit einem diesigen Dezember-Tag 1990, als er 22 Jahre jünger und gefühlte 80 kg leichter die TA-Redaktionsstube, die sich damals noch im Winterpalais befand, enterte. Seither gingen wir Wege gemeinsam, dann wieder manche jeder für sich, die sich zum guten Ende nun doch wieder kreuzten. Ich schätze mich glücklich, ihn meinen Freund nennen zu dürfen.

Und deshalb war es mir auch vergönnt und eine Ehre, die ersten „offiziellen“ Bilder von Gustav machen zu dürfen. Dem Burschen ging dieses Procedere zunächst am bewindelten Popo vorbei. Und deshalb unterhielten sich die Damen auch äußerst angeregt. Bis Gustav “Hunger!“ krähte.

Mit Knast und Lust nahm der Bursche dann die Brust. In so jungen Tagen strengt das Trinken aber offensichtlich noch sehr an. Jedenfalls bedurfte es schon nach ein paar Minuten mütterlicher Mahnungen im Form zärtlicher Stupser als Weckruf, den eigentlichen Grund der komfortablen Schräg-Lage nicht zu vergessen. Ich bin mir aber sicher: Ausgewachsen wird er sich – wie wohl fast alle Mannsleut’ – als wahrer Busen-Freund erweisen und auch kaum beim Schlucken schwächeln.

Unglaublich; aber der kleine Mann erkundet in einem Jahr schon die Welt aus eigner Kraft. Und allzu lange dauert es dann auch nicht mehr, bis er sich selbst vorstellt: „Gestatten, Gustav!“

(Mittwochs gibt es “Das Wort zum MUTwoch” im Blog vom thueringen-reporter)

 

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