Das Wort zum MUTwoch (92): Wahl-Verwandtschaften

Reisen bildet.
Und inspiriert.

Selbst kürzeste Urlaubs-Abwesenheiten von Gotha tun mir gut. Nicht nur des Erholungs-Effektes wegen. Nein. Meist komme ich auch noch angeregt zurück. Denn jede Reise schenkte mir bisher besondere Bekanntschaften und wunderbare Geschichten. Wie jene vom leeren Tank und der vollen Blase.

Vorigen Donnerstag. Ganz in der früh machte ich mich mit DieselWiesel „Louis III.“ auf den Weg und die Flucht. Nach Süden. Ins französische Cabriès.

Dort, knapp 20 km von Marseille, residiert seit einem Jahr GroßKind Anne. Und es war wieder Zeit, sich in die Arme zu nehmen. Unter anderem.

1.225 km taxierte der digitale Autoatlas namens TomTom für die Tour. Das verhieß also mindestens einen Boxenstopp.

Nach 550 km und kurz vor der deutsch-französischen Grenze gelüstete uns nach einer Pause: Dem Franzosen-Flitzer nach Brennstoff. Und mir nach Marsch-Erleichterung. Denn ich hatte ein menschliches Bedürfnis. Bei längerer Autofahrt saufe ich wie ein durstig’ Pferd und so meist die empfohlene Tages-Wasserration. Mit Folgen.

Beiden Bedürfnissen empfahl sich eine Tankstelle in Breisach am Rhein. Die bot den Liter Diesel 12 Cent wohlfeiler an als die Autobahn-Tanke just zuvor. Dafür nahm ich 20 km Umweg allemal in Kauf.

Rüssel rein und laufen lassen. Dabei die Mega-Scheibe, die Citroëns „Picasso“ hat, geputzt. Und mich erinnert, dass – anders als meine Blase – die Scheibenwaschanlage leer war. Schneegriesel gemahnte mich zudem, frostsicher zu befüllen.

Als ich nach einer teuren Marke griff, rief jemand: „Losse se de teire Zoiggs bleibe…“ Mit fröhlichem Lächeln zeigte mir die Tankstellen-Fee die Hausmarke ihrer Kette: „Dasch is ah so guud. Koscht awa nur de Hälften.“

So oder so ähnlich träufelte die dialektale Dienstleistung in meine Gehörgänge. Aber irgendwie klang es anders als das, was die anderen Kunden da brabbelten und babbelten.

Sei’s drum, dachte ich. Dankbar für die Schonung meiner Geldbörse investierte ich das gesparte Geld in eine Latte Macchiato und eine Bockwurst. Die gab es mit Senf aus Bautzen. Fand ich bemerkenswert. Noch ehe ich aber den Schnabel aufbekam, neugierte die Dienstleisterin nach Kenntnisgewinn: „GTH – das steht doch für Gotha, oder?!?“

Verblüfft bestätigte ich dies.

Solche Sachkenntnis so tief im Südwesten der bunten Republik hatte ich nicht erwartet! Ich bildete mir schließlich – wie wohl die meisten Ost-Gewächse! – immer schon ein, dank Ost-Abitur der Besser-Bescheidwisser über die westlichen Nachbarn zu sein als es anders herum der Fall wäre …

Und irgendwie behielt ich Recht: Die taffe Tankstellen-Fee outete sich als waschechte Sächsin. Die gebürtige Leipzigerin war 2001 der Liebe zu einem Franzosen wegen ins Badische gezogen. Ihr Herzensbrecher hatte sich im Jahr zuvor in der Heldenstadt die Spektakel zur Völkerschlacht angeschaut und war dabei jener Dame namens Yvonne aufgefallen.

Spricht das Herz, hat das Hirn die Klappe zu halten.
So oder so ähnlich heißt es wohl. Und geht auch so.

Jedenfalls lechzte Yvonne nach Yves. Und deshalb ist sie nun seit 12 Jahren im badischen Breisach Tamoil-Pächterin.

Wir schwatzten über dies und das und ich wollte final noch ihren Familiennamen wissen – um meine Neugier zu befrieden auch in vorauseilender Ordnungsliebe zwecks der Authentizität beim Schreiben eines kleinen Textleins.

Als sie DEN sagte, fiel mir nur die Kinnlade runter. Nicht auch die Latte Macchiato. Unter der lag nämlich meine elektronische Schreibhilfe mit dem angekabberten Appel als Logo.

Yvonne heißt „Zenker“.

Und das ist mein zweiter Geburtsname, während der erste „Klug“ ist.
Verwirrt Sie das?

Mich auch.
in der Tat.
Aber das hier aufzulösen, würde den Rahmen sprengen …

Also belasse ich es bei dem Hinweis, dass ich NICHT den Mann meiner Mama hochnotpeinlich befragen werde, ob er dereinst auch eine Gräfin Cosel in Leipzig hatte.

Ich habe vielmehr meine Freude daran, nun in Breisach quasi-familiären Beistand zu finden.

Wann auch immer ich will.

In dem Sinne wünsche ich uns allen einen MUTwoch vom Feinsten!

 

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

0 Kommentare

  • Renate Zenker (#)
    11.12.2013

    Moin,Moin
    ich bin perplext. Muß Ahnenforschung betreiben.
    Mal sehen was der D. Zenker davon hält. Ich glaube in Leipzig war ein Onkel.

    • Renate Zenker (#)
      11.12.2013

      So klein ist die Welt.Es gab einen Onkel in Leipzig

Kommentar

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