Das Wort zum MUTwoch (90): KaufRausch

Ich kokettiere gern:
Mit meiner Einäugigkeit.
Mit meiner prozentualen Varianz „weiblichen“ Denkens und Handelns.
Und mit meiner Eitelkeit.

Vor allem die nimmt manchmal merkwürdige Formen an. Der Herr Aschenbrenner berichtete ja bereits davon, dass er Frischhaltefolie figurformend zweckentfremdet.

Nicht unbedingt immer ganz stilsicher ist er in Sachen Outfit: Da sucht er gern externen Expertinnen-Rat.

Meist genügt schon der Blick von Fachverkäuferinnen – vor allem jüngeren! – auf die Auswahl der Klamotten, die einermeiner in die Umkleide schleppt. Der reicht dann von Fremdschämen bis köstlich amüsiert. Klares Zeichen dafür, dass ich offensichtlich wirklich nur eingeschränkt meine (Um-)Welt optisch wahrnehme.

Allerdings war ich zuletzt öfter im Kaufrausch, wenn andere Leute ihren wohlverdienten Schlaf finden. Dann bleiben nur die unendlichen Weiten des WehWehWeh.

Lange zierte ich mich, online zu kaufen. Erste Versuche vor einigen Monaten machten mir Mut: Nahezu alles Georderte passte, sah in echt auch so aus wie auf dem Monitor und hatte eine für den Preis annehmbare Qualität.

Klar kam es auch vor, dass trotz maßbandmaßstabsgerechten Vermessens meines Körpers diverse Teile mich nur widerstrebend bedeckten. Vor allem bei Hemden machte ich die Erfahrung, dass eine Nummer größer allemal besser ist – vor allem, kommen sie aus Italien.

Mit der Zeit wurde ich dennoch mutiger: Testete Amazon, Zalando und Outfittery.

Nach dem jüngsten Einkauf nun kam erst eine Weile nix. Dann eine Mail.

Mit Bestellnummer 302-8486364-0405123 hatte ich eine Designer-Weste geordert. Die sei ausverkauft. Man wisse nicht, ob und wann Nachschub komme. Ich könne mir aber aussuchen, ob ich ein vergleichbares Produkt auswähle oder den Kaufbetrag rückerstattet bekommen.

Schrieb mit Richard.
Aus Südkorea.

Mannomann, wie blauäugig ich doch war?!? Die zugegeben günstigen Preise mussten ja eine Erklärung haben. Die nun ernüchterte mich doch sehr.

Und ich habe entschieden: Statt meine Nächte in Online-Shops zu vertrödeln, werde ich ab sofort wieder meine Kohle in Gotha ausgeben.

Auch, wenn dann meist schon der Blick von Fachverkäuferinnen – vor allem jüngeren! – auf die Auswahl der Klamotten reicht …
Nun ja, das hatten wir ja schon.

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