Das Wort zum MUTwoch (65): KatzElsterisches

Zwischen Himmel und Erde passieren Dinge, die hält man nicht für möglich.

Zum Beispiel das aktuelle Wetter: Der meteorologische Sommer steht im Start- resp. Schlammloch. Samstag übernimmt er von einem lange nicht erlebten lendenlahmen Lenz den Schmuddelwetter-Stafettenstab. Und deshalb – nur damit das mal klar ist! – wird am Samstag das kollektive Kälte-Klappern beendet, verstanden!?! Schließlich sind wir vom deutschen Kälte-Rekord noch weit entfernt, wenn auch nur ein ganz klein wenig: Am 4. Juni 1919 wurden in Berlin 10,0 °C gemessen…

Einst gab ein Vorneweg-Verteidigungsminister den Sommer-Befehl. Daraufhin tauschten nationale Volksarmisten ihren formidablen Filzfummel gegen das grausame Grusel-Grau. Trotzdem trugen Rotärsche, Zwischenpisser wie EK – so charmant wurden die drei Diensthalbjahreskandidaten des 18-Monate-Fortbildungslehrgangs namens Grundwehrdienst genannt – lange Unterwäsche. Vorausgesetzt, die Baumwoll-Buxen hatten zuvor Kontakt mit Mutterns Händen, Wasser und dem guten alten Spee und waren nicht durch die Kasernen-Kampfstoff-Wäsche gegangen. Die brachte sich nämlich juckend in Erinnerung, sorgte für Hautreizungen – um es vorsichtig auszudrücken.

Das Besser-Wetter-Befehlen funktionierte nicht einmal in der zentralistisch geführten, sozialistischen Planwirtschaft. Was will man da also in einer Demokratie erwarten?!?

Da wird mit den Füßen resp. den Flugtickets abgestimmt: Noch nie verstand ich so gut wie heute, warum Mallorca als 17. Bundesland gilt. Von den jährlich rund 9 Mio. Gästen der Balearen-Insel sind immerhin die Hälfte Deutsche.

Daran wird sich auch so bald nichts ändern. Im Gegenteil: Wer am heutigen Mittwoch in Leipzig in den Flieger steigt, kann für 234 Euro pro Nase und sieben Tag Ballermann all-inklusive haben. Dafür bekommt man – mit viel Glück! – drei Tage Übernachtung und Frühstück an der Ostseeküste (grummel).

Zwischen Himmel und Erde passieren aber auch ganz andere Dinge: Da raffe ich erst nach mehr als sieben Jahren, dass mein KamiKatzer im falschen Körper lebt. Nein; Louis hat nicht die weibliche Seite an und in sich entdeckt. Sein Coming out ist viel dramatischer! Und auch daran hat das aktuelle Wetter eine Aktie…

Dem Rotfell wurde nämlich nach kurzer Eingewöhnungszeit im neuen Wohnumfeld wieder Freigang gewährt. Das ist an sich gut, denn weder er noch ich fanden es prickelnd, dass er aufs Katzenklo musste. Blöd bloß, dass mein rammeliger Stubentiger hier auf eine ganz besonders eingeschworene, eingeborene Katzengemeinschaft stieß. Samtpfoten vergessen nämlich ihre gute Kinderstube, geht es ums Revier. Das weiß vermutlich nicht nur der Feliade-Fan.

Jedenfalls rottete sich die komplette Helenenstraßen-Katzen-Gang zusammen und verprügelte meinen betagten Kater ganz jämmerlich. Und immer wieder. Was den sturen Schnurrer aber nicht daran hindert, weiterhin auf Streife zu gehen.

Deshalb ist es seit nahezu 12 Wochen tägliche Routine, Krallen aus dem ramponierten Katzennüschel zu ziehen. Derart dauerhaft lädiert, war der Bursche zudem besonders appetitlich für Zecken. Die sind dieses Jahr nach der ungewöhnlich langen Kälteperiode außerordentlich aktiv und aggressiv. Womit wir wieder beim Wetter wären…

Dies und weil Rothaut eh schon „angekratzt“ ist, sorgte dafür, dass er regelrecht zum Zeckenteppich mutierte. Zeckenzangen, Zeckenkarten und all dieser teuer gekaufte Schnulli erwiesen sich nach täglichem Praxistest als absolut untauglich – zumindest für mich. Also griff ich wieder zu Bewährtem und der Pinzette. Eines morgens aber fand ich sie nicht mehr am angestammten Fleck. Eh derzeit etwas durch den Wind, glaubte ich dies meiner Schusselig- und Vergesslichkeit geschuldet. Also nahm ich das Ersatz-Teil. Das fehlte aber prompt tags darauf ebenfalls.

Nach intensiver Suche entdeckte ich beide Zeckenziehhilfen – zudem etwa ein halbes Dutzend Tee- und Esslöffel, eine Nagelschere und andere metallische Kleinteile, die ich mehr oder minder seit einiger Zeit vermisste. Alles fein säuberlich in die äußerte Ecke und unters Bett geschafft.

Es brauchte keine „Versteckte Kamera“, um zu klären, wer da ein ganz spezielles Altmetalllager angelegt hatte. Nur frage ich mich verstört, was mir mein Katzek, der offensichtlich in einem früheren Leben eine Elster war, damit sagen will?

Allen einen schönen MUTwoch!

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

 

 

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