Das Wort zum MUTwoch (61): Von den Sünden

Seit einiger Zeit denke ich nahezu ausschließlich ans Essen.

Das hat partout nix mit meinem Baujahr zu tun. Über den „Sex des Alters“ habe ich mich früh genug ausgelassen.

Trotzdem ist es schon irgendwie befremdlich, dass ich dauernd nachsinne, was einzukaufen wäre, um diese oder jene Leibspeise anrichten zu können. Vor allem der Fleischeslust bin ich hoffnungslos verfallen. Orte wie der Hofladen in Ernstroda ziehen mich deshalb magisch an: Gereiftes Roastbeef von dort ist aber auch so was von einem Traum?!? Ungesalzen und ohne Pfeffer von allen Seiten kurz und scharf angebraten, anschließend bei 80 Grad im Herd versenkt (ohne Umluft!) und sich drei Stunden in Geduld geübt. Dann wird man mit schier Unglaublichem belohnt, bei dem der Zahn nicht nur tropft. Dass jemanden „das Wasser im Mund zusammenläuft“, gewann übrigens deshalb vor Kurzem bei mir an unglaublicher Bildhaftigkeit.

Geduld aufzubringen, lohnt also. Im Übrigen nicht nur bei Rindfleisch.

Durch das gemächliche Garen bei Niedrigtemperatur werden Kochen und Essen wieder zu einem sinnlichen Ereignis. Die Düfte, die einem in die Nase steigen, lassen die Vorfreude auf die Lust am Genuss wachsen. Nicht, um satt zu sein, isst man dann.

Anzuraten ist aber, keine Leute mit Heißhunger dabei zu haben. Die lassen sich so nicht befrieden. „Hunger macht böse“, ist zum Beispiel die hochgeschätzte Kollegin Anita G. aus E. überzeugt. Und ich schwöre: Sie hat unbedingt Recht. Was sie betrifft, allemal.

Das wusste übrigens schon Fred Gertz. Der Texter schrieb einen Song, den Reinhard Lakomy vertonte und im Duett mit Angelika Mann, der „Lütten“, zu Gehör brachte. „Mir doch egal“ erschien 1975 auf Lackys dritter LP, die ich auch hatte.

Meine Lieblingsverse daraus: „Die Liebe und der Suff, das regt die Menschen uff, was macht sie wieder friedlich? Ein Essen, ganz gemütlich!“

In dem Sinne und mit Grüßen an Lacky auf Wolke Sieben habt also Mut zu kleinen Sünden und genießt (nicht nur) den Mittwoch 🙂

 

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