Das Wort zum MUTwoch (60): Das Zentrum weiblicher Universen

Kollegin Anita G. aus E. hatte gestern einen repräsentativen Termin. Die Vorsitzende des DJV-Landesverbandes eröffnete die Ausstellung preisgekrönter Beiträge zum Wettbewerb „PresseFoto 2103“. Hessische und Thüringer Bildjournalisten zeigen dabei seit Jahren, warum es unverzichtbar ist, dass Profis am Drücker sind (hier ist der Link auf den Ausstellungskatalog!).
Screenshot TA onlineFriedrichrodas „Berghotel“ und seine charmante Chefin Jaqueline Schambach gewährte den Lichtmalereien der wahren Foto-Grafen schon zum zweiten Mal die Gastfreundschaft.

Kollegin Anita G. aus E.  ist eigentlich immer auf nahezu alles vorbereitet. Dank ihres Fiat Panda. Der ist praktisch, quadratisch und einfach „großartig“, wie das Lieblings-Adjektiv von Anita G. lautet. „Großartig“ deshalb, weil selbst die kleinste Blech-Hütte genügend Platz bietet für diverse Taschen und Rucksäcke mit allerlei technischen und sonstigen Redakteurs- und Reporter-Schnickschnack.

Darüber hinaus lässt sich unter seinem Blechkleid der Inhalt eines – zugegeben kleinen – Kleiderschranks transportieren samt einer repräsentativen Auswahl an Schuhen und farblich perfekt abgestimmten Schmuck-Kollektionen.

Zweifellos gehört sie demnach zum Typus von Frau, die ihr Kraftfahrzeug zur „rollenden Handtasche“ umfunktioniert.

Kollegin Anita G. aus E. vermisste trotzdem gestern etwas. Eine echte Handtasche. Eine für die wesentlichen Dinge, die frau zu einem solchen Reprä-Termin benötigt, Lipgloss, Lippenstift, Geldbörse, Tempos … Und – ganz wichtig! – das Handy!

Frauen und Handtaschen – das ist ein Phänomen, was es zwar noch nicht zu einem eigenen Wissenschaftszweig schaffte. Aber Psychologen und Soziologen sind schon schwer am Forschen: Angeblich verbringen ja Frauen 76 Tage ihres Lebens damit, in ihren Handtaschen nach Dingen zu kramen, die sie gerade mehr oder minder dringend brauchen. 95 % der Frauen in Industrieländern sollen zwischen zwei und 20 Handtaschen besitzen. Italienerinnen sind mit durchschnittlich 60 Exemplaren absolute und unangefochtene Handtaschen-Fanatikerinnen.

Für die (Frauen-)Zeitschrift „Petra“ war vor einiger Zeit die Hamburger Agentur Colibri Research dem Geheimnis der Handtaschen auf die Spur gegangen. An der angeblich weltweit ersten qualitativen Handtaschen-Studie leerten Frauen aus 17 Ländern vor laufender Kamera ihre Taschen und erzählten ihre „Bag Stories“.

Handtaschen. Das Mirakel. Schwarze Löcher weiblicher Selbstverständlichkeit. Abgründe des Alltags. „Fort Knox“ des Banalen. Auch ich verspüre Verlangen danach, sie – Frauen, Handtaschen, schwarze Löcher, Selbstverständlichkeiten, Abgründe – zu erkunden.

Taschen_Web_880x416_2AprilJetzt böte sich mir die Gelegenheit dazu – in einer Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum in München. Dort finden sich rund 300 Taschen – „frühe Geldbeutel, Jagdtaschen, Börsen, Handarbeitsbeutel, Reisegepäck und so genannte Pompadours“, wie das Museum wirbt. Gezeigt werden aber nicht nur unterschiedliche Taschen-Typen, sondern auch Gemälde, Skulpturen und grafische Blätter, die einen Teil der europäischen Kulturgeschichte vom 16. bis 21. Jahrhundert reflektieren.

Einen bemerkenswerten Aspekt zur Ausstellung verriet übrigens augenzwinkernd die Ankündigung: Früher trugen weitaus mehr Männer Taschen als heute. Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Bekleidungsindustrie ist!?!

Kerle, wer weiß: Vielleicht kommt deshalb die doofe Handgelenktasche wieder?

Habt dennoch Mut und genießt den Mittwoch 🙂

(Die Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum, Prinzregentenstraße 3  80538 München, ist vom 11. April bis 25. August zu sehen. Öffnungszeiten: die.-so. 10-17 Uhr, do. 10-20 Uhr)

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

0 Kommentare

  • Anita Grasse (#)
    24.04.2013

    Um das mal ins rechte Licht zu rücken: In meinem Panda fahren tatsächlich Schuhe mit – Stiefel. Man weiß ja nie, ob es nicht noch mal kalt wird. Aber als Kleiderschrank benutze ich ihn eher selten, und als Schmuckkoffer schon gar nicht, denn – das lernst du am 25. Mai! – Schmuck darf nicht geknickt werden, weil Schmuckdraht wie -nylon empfindlich ist, und die Knicke nie wieder richtig rausgehen!

    Im Übrigen: Ich besitze 27 Handtaschen in allen Größen, Farben und Formen, nur hatte ich gestern nur den Riesen-Rucksack dabei (in den übrigens auch ein kleiner Kleiderschrank passt), und die Kollegin, die ich wegen einer repräsentativeren Tasche für den Kleinkram anschnorren wollte, besitzt ja nicht mal eine. Und um meinem Bildungsauftrag nachzukommen: Ich benutze NIE Lippenstift und Lippglos gleichzeitig. Das schmiert so beim Küssen.

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