Das Wort zum MUTwoch (53): Ein kecker Aprilscherz

Jüngst in der „Jungen Welt“. Da kotzte sich ein Gothaer über Gotha aus. Zog so richtig vom Leder; in dem Falle von der Stricknadel. Und alles nur, weil „uns’ aller Knut“ mal wieder eine echt oberbürgermeisterliche Idee hatte, die „Gotha adelt“. Söckchen für das Kind von Herzogin Kate und Prinz William sollten jene stricken, die das Maschenmachen mögen. Keine blauen oder rosafarbene – denn ob im Juli eine „Diana“ kräht oder ein „Philipp“, wissen nicht Kenner des Königshauses wie KK noch Klatschpostillen wie die „Bunte“.

Dass die „linke Tageszeitung“, wie in ihrem Titel steht, sich vom zornigen, nicht mehr so jungen Mann aus der doch schon sehr alten Thüringer Stadt ihre Textspalten füllen ließ, muss man der „Jungen Welt“ nicht anlasten. Aus Berliner Sicht ist der Ort des Geschehens und der beschriebene Umstand echt provinziell und hochnotpeinlich.

Ich machte mir hingegen Sorgen um den Autoren. Denn der bekam ordentlich „Schelte“, wie das einst hieß. Heute und wegen Facebook, Twitter & Co. wird das zum „Shitstorm“. Und der „ThoBe“te recht ordentlich …

Um eines klar zu stellen, gestehe ich hier, heute und ohne Rückversicherung: Ich mag Gotha. Und das unabhängig davon, wer im Roten Rathaus das Sagen hat. Das hat der (oder hoffentlich bald auch mal eine „die“) nämlich nicht, denn eigentlich funktioniert Demokratie anders.

Doch das ist was anderes und führt nur wieder fort vom Thema.

Denn außer mir mögen noch andere Gotha. So sehr, dass sie sich sogar hier niederlassen. Wie Inga Scholz.

Die kennen Sie nicht?
Aber – ich hoffe inständig! – Sie werden sie kennenlernen!

Die „Kieler Sprotte“ wurde nämlich keine „Erfurter Puffbohne“, sondern ist eine Gothaer Neu-Bürgerin. Mit drei Hunden, (bald) zwei Pferden und einem Lebensgefährten (Foto: Michael Schlutter/Fotoagentur Fakt).

Und Inga Scholz ist sogar eine sehr bedeutende Gothaer Neuerwerbung. Sie ist seit drei Monaten Chefin der Zeitungsgruppe Thüringen“. Damit wohl das mächtigste Medien-Mädchen hierzulande.

„Mädchen“ ist nicht despektierlich gemeint. Die schlanke, sportliche wirkende Blondine ist mit (noch) 37 Jahren nämlich sehr jung für solch einen einflussreichen Job.

Kein Aprilscherz ist, dass sie ein Aprilscherz ist. Weil an diesem Veralberungstag geboren. Das scheint mir aber eher ein gutes Omen: Womöglich verdankt sie einen Teil ihrer steilen Karriere in der sonst noch viel mehr männermonopolisierten Verleger-Gilde eben jenem Umstand. Alle, die sie zunächst nicht Ernst nahmen, belehrte sie eines Besseren …

Als gelernte Verlagskauffrau kennt sie nämlich das Metier. Die Studien der Medienwissenschaften und des Medienmanagements schadeten auch nicht. Sie lässt ihr ganz spezielles „Nordlicht“ leuchten, spricht mit entwaffnender Offenheit über die Gebrechen der krankenden Thüringer Presselandschaft. Das begeisterte jetzt auch jene, die deshalb litten und zu leiden haben. Nämlich Journalisten.

Die Jung-Gothaerin Inga Scholz nutzt die Einladung zum Landesverbandstag des Deutschen Journalistenverbandes, um die Hand auszustrecken und um Partnerschaft zu werben. Bescheiden wie sie ist, wollte sie nicht, dass ein Ruck gleich durch ganz  Deutschland geht. Es genüge ihr schon, wenn der das ZGT-Land ereile. Hochqualitative journalistisch Produkte – das ist es, was sie will. Recherchiert, produziert von engagierten Schreiberlingen, die hungrig aufs Abenteuer Alltag sind.

Und sie hatte auch mehr als nur eine freundliche Floskel fürs neue Zuhause. Das hätte sie in Jena nicht sagen müssen.

Aber weil – wie es scheint – sie sich nie sagen lässt, was sie sagen muss, hege ich von ganzem Herzen Hoffnungen für Thüringens Presse. Und wenn eine solche Revolution auf der Rotation tatsächlich wegen Inga Sch. von Gotha ausgehen würde – das wäre dann echt mal eine Sache, mit der sich das Residenzstädtle schmücken könnte, gell?

Habt Mut und genießt den Mittwoch!

 

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  • […] Lesenswert der Beitrag meiner geschätzten Kollegin Antje Hellmann über den DJV-Verbandstag (hier) und ich habe auch meinen aktuellen MUTWoch der “Kieler Sprotte” gewidmet, mit etwas anderem Blickwinkel – weil sie nämlich Gothas wertvollste Neuerwerbung – sprich: Neu-Bürgerin – ist (und da). […]

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