Das Wort zum MUTwoch (39): BiG Boys

Seit Mitte Oktober hat der Aschenbrenner eine neue Spielwiese. Schuld daran ist Dirk Welter alias „Seggy Myself“. Einer der wohl schärfsten „Hans Dampf auf allen (Kommunikations-)Kanälen“, dem ich je begegnete.

„Straßenblick“ und „i-gotha“, „n-gotha“ und „sportblick gotha“ sind nur einige seiner Online-Projekte. Für eines seiner jüngsten – „fm-gotha“ –  ging ich ihm auf die Leimrute: Er machte mir die unwiderstehliche Offerte, monatlich interessante Leute aus Gotha und dem Umland interviewen zu können. Dies wird aus den Katakomben des „Ratskellers“, der heute „Bellini“ heißt, ins Internet gesendet.

Auf Facebook gibt es davon einen Livestream. Kurz darauf steht auch eine digitale Datei zur Verfügung – für jene, die in Ruhe nachhören wollen. Die Sendung lässt sich zudem so auch auf der eigenen Festplatte verewigen…

Der Titel „O-Ton“ für diese Wortwechselei lag auf der Hand. Deren Premiere fand im Oktober statt. Als Gast hatte ich mir Werner Kukulenz gewünscht. Weil alles im vorigen Jahrtausend begann: Meine journalistische Karriere in Gotha und dass Werner Kukulenz (CDU) Gothas erster frei gewählte Bürgermeister nach der Wende wurde. Und er war auch der erste „Oberbürgermeister“; wenn auch nur für einen, für seinen letzten „Dienst“-Tag am 30. Juni 1994. Wir kennen uns seit dieser Zeit und schätzen uns. Das machte ihn zum idealen Partner für den Beginn meiner zweiten Radio-Karriere (hier zum Nachhören!).

Am 19. November begrüßte ich dann Dirk Kollmar (der Podcast). Auch er ist – wie ich – ein Zugereister. 1991 kam er in den wilden Osten, um für die expandierende Familienbrauerei aus Oettingen im bayrischen Schwaben geeignete Zukäufe zu finden. So etwas wie die Brauerei Gotha zum Beispiel, die zunächst vor allem wegen ihrer Kapazität von Interesse war. Die Kollmars kauften trotz eines „eher undurchsichtigen“ Treuhandvertrages von 400 Seiten Umfang, wie sich Dirk K. erinnerte. Das war ein Glücksumstand für Gotha, die Brauerei.

Und den Basketball in Thüringen. Kollmar ist ein Mann, dem man zu Recht Respekt zollt, den man auch bewundern kann: Ein Unternehmer, kein Unterlasser. Ein Macher und Motivator. Ein Weitblicker, der dennoch nicht das Naheliegende aus den Augen verliert. Ein Mann mit vielen Talenten. Unter anderem dem, charmante Kinderbücher zu schreiben und sie sogar zu illustrieren…

Wie im Fluge gingen daher die eineinhalb Stunden „O-Ton“ dahin. Ich musste manchmal ums Wort kämpfen. Und darum ringen, als es um Basketball ging. Denn ich habe wirklich gar keine Ahnung davon.

Trotzdem blamierte ich mich nur ein wenig. Dafür aber luchste mir Schlitzohr K. das öffentliche Versprechen ab, in die „Hölle“ zu fahren.
Die ist blau und die heimische Spielwiese der Bundesliga-Basketballer von BiG Gotha.

Voriges Wochenende war es dann so weit: Mit enormer Neugier, Ohropax in der Hosentasche (nochmals herzlichen Dank, Jan L. für den Tipp!) und dem Ausblick auf eine sportliche Alternative zu üblichen Samstagabend-Vergnügungen trollte ich mich Richtung Kindleber Straße.

In kürzester Zeit füllte sich der große Parkplatz. Nicht nur Gothaer Kennzeichen waren zu sehen. Und ich staunte, wie viele kleine Fans die BiG-Boys haben! Ganze Familienverbünde versammelten sich auf dem Vorhof der Hölle. Anders als in Fußballstadien herrschte völlig entspannte Volksfeststimmung. Freundliches Kopfnicken allerorten – man kennt sich eben.

121125 Seydel_ra3Schon vorm Anpfiff wusste ich den „Ohrenfrieden“ (siehe Foto; danke Bernd Seydel, dass Du wieder den Paparazzo spieltest :-P) zu schätzen. Oh man, WIE lautstark die Begeisterung für die blauen Jungs aus der Leinastraße ist, hatte ich nicht erwartet! Hier wurde das Trommelfell doppelt gegerbt – vor allem von den besonders schlagfertigen Mädels und Burschen, den großen und kleinen, die hingebungsvoll und ohne jedes Zeichen des Ermüdens ihren Trommeln und  Pauken den Schlegel gaben, dass es eine Wucht war. Aber auch die rund 1.200 Fans machten Party vorm Spiel, Party beim Spiel und natürlich erst recht Party nach dem Spiel.

Ich gestehe, die Regeln habe ich trotz fachkundiger Unterweisungen durch Kollegen nicht verstanden. Glaubte ich z. B., einen Bodycheck eines Karlsruher gesehen zu haben, bekam der – und nicht der zu Boden gerempelte Gothaer – einen Korbwurf. Ehe ich auch nur darüber nachdenken konnte, ob ich zum Augenarzt müsse, fegte die Meute der Balltreiber schon wieder übers Parkett und belagerte den anderen Korb. Landete die Lederkugel im Körbchen, gab es einen, zwei oder drei Punkte. Ohne Zweifel spielte dabei die B-, die künstlerischen Note, gar keine Rolle.

Allemal ist es ein sauschnelles Spiel. So schnell, dass ich beim Posten der Ergebnisse ins Stottern geriet und nach 10 Minuten aufgab. Mir Laien kam es sowieso wie eine rasante Choreografie aus tänzerisch anmutenden Solis vor, auf die explosive Ausbrüche purer Energie folgten.

Vor allem dann, wenn sich die dribbelnden Ballermänner Körbe holten. Für die gibt es in diesem Spiel – anders als im Alltagsleben – sogar frenetischen Beifall. Ich gestehe: Auch ich erlag mehr und mehr dieser Faszination. Fieberte voll und ganz mit, verstand dennoch höchstens die Hälfte von dem, was ich sah.

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Mehr Durchblick hatte ich, als die „Devilz Cheerleader“ ihre akrobatischen Darbietungen zeigten und sich die „Speed JumperZ“ scheinbar Knoten in die Knochen tanzten. Dass die BiG Boys am Ende haarscharf und mit einer klitzekleinen Körbchen-Größe weniger an einer kleinen Sensation vorbeischrammten, änderte allerdings nichts am wirklich vorzüglichen Vergnügen, das ich mit Sicherheit nicht zum letzten Mal in der „Blauen Hölle“ hatte.

 

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