Das Wort zum MUTWoch (37): Klein! An! Zeigen!

Alsoooo; ich muss mal hier den guten, alten Print-Printen eine Lanze brechen.Das ist zum einen logisch. Schließlich lebe ich auch davon, dass es außer mir noch andere Leute gibt, die morgens nicht „ohne meine Zeitung“ sein können. Mir zumindest sind lektürelose Frühstücke ein Graus. Unabhängig, welch kluger Kopf dahinter steckt. Respektive sitzt.

Außerdem bildet Lesen. Ich bekomme nahezu täglich orthografische Anregungen, anhand des aktuellen Dudens meine Denkfabrik auf neuesten (Wissens-)Stand zu bringen. In welchem, bisher von mir nicht erahnten Umfang sich die Mannheimer Sprachhüter-Redaktion für den Zeitgeist prostituiert, macht mich staunend. Zuweilen sogar sprachlos. Dann vor allem, wenn die Modernisierer meiner Mutter-, Vater- und Vorfahrensprache auch noch jenen Kakao trinken, durch den sie sich immer öfter wegen ihres widerstandslosen, windelweichen Wegduckens ziehen lassen müssen.

Ich lese aber nicht nur politische Kommentare oder das Feuilleton!
Ich widme mich derzeit auch dem Kleinanzeigenmarkt. Aus Gründen.

Zum einen haben ich und meine megascharfen „Curcumaniacs“ noch Defizite. Uns fehlt zum Beispiel ein Küchenblock. Eine „echte“ Mini-Küche – Herd, Backofen und Spülbecken auf maximal 2 m vereinend. Und „Nein“, es fehlt uns nicht an einem Küchen-Blog; auch wenn mein sensationelles Soljanka-Rezept mit Abstand der meistgeklickte Beitrag des Aschenbrenner-Blogs ist …

Einen Kühlschrank suchen wir auch und sowie anderen Firlefanz, der eine Büro- und Berufslebensgemeinschaft erst zu dem macht, was es ist: Ein apartes, artgerechtes Asyl für Arbeitssüchtige.

Das wir allerdings keineswegs verhaltensgestört sind, zeigt sich schon daran, dass diverse Grünpflanzen einen Überlebenskurs in Curcumanien angeboten bekommen haben. Sie hatten allerdings keine Wahl, weil wir ihr Einverständnis erkauften. Jedoch zeigt sich schon nach wenigen Tagen, dass dieses Sextett über viele Qualitäten verfügt. Nur als Gärtner werden wir uns zum Bock machen …

Die moderate Mängelliste genügt dennoch, meine Aufmerksamkeit auch auf die privaten Kleinanzeigen zu richten. Unter „Verschiedenes“ fahndete ich daher im sonntäglichen „Allgemeinen Anzeiger“ nach haushaltsauflösenden Signalen. Ins Auge stach mir dann eine gänzlich andere Offerte: Demnach schien eine 29-Jährige mit langen blonden Haaren (!), die Wert darauf legte, ihre figürlichen Vorzüge mit dem Adjektiv „schlank“ zu umschreiben, einem Überschuss an DVDs zu haben. Solche ganz privater Art zudem, wie sie ungeniert und öffentlich artikulierte und abzugeben gedachte.

Meine, im Unterbewussten verankerten, journalistischen Grundreflexe meldeten sich. Und noch mehr –das Miststück in mir, das seine skorpionischen Gelüste (darüber schrieb ich kürzlich) ausleben wollte. Statt also abzulassen von der lasziven Leimrute und brav nach biederen Hausrat zu suchen, juckte mir das Fell gar zu sehr, weshalb ich kurz entschlossen die Nummer wählte, ihre 0176er Nummer zu wählen. Allerdings vergebens.

So früh am Morgen wollte die schlanke Unbekannte offensichtlich nicht Geschäfte mit frivolen Filmchen machen. Gut möglich aber auch, dass schon der Ex-Freund neben dem vormaligen Liebesnest stand. Weil er eher der Anzeige im „Anzeiger“ ansichtig wurde als ich und nun verhindern wollte, dass sich „Schatzi“ nachbeziehungstechnisch schadlos hält. Etwa, in dem sie einem geneigten Publikum zugänglich macht, was er so alles wegzustecken hatte. Und mir fielen gleich noch gänzlich andere Gründe für die Zeigefreundlichkeit der zeitungsamtlich zierlichen Person ein – regelrecht geschüttelt von Neugier …

Paul Wiens dichtete einst ein Hohelied auf sie, die Neugier. Der kanadische Barde Perry Friedman vertonte dies. Jene, die womöglich wie ich im vorigen Jahrtausend so schmalbrüstig wie bartlos im Blauhemd, der Klampfe in der Hand und einem fröhlich’ Liedlein auf dem Lippen durch die DaDaErr irrlichterten, werden sich erinnern:

Wenn die Neugier nicht wär’, müsste ich nicht mehr wandern.
Hätte endlich die Ruh´ und ganze Schuh´, wenn die Neugier nicht wär’ …
Wenn die Neugier nicht wär’, müsste ich nicht mehr wandern.
Kein Kolumbus führ´ mehr von ´ner Küste zur andern. Doch wo bliebe denn da Amerika, wenn die Neugier nicht wär’…
Wenn die Neugier nicht wär’, müsste ich nicht mehr wandern.
Kein Kolumbus führ´ mehr von ´ner Küste zur andern, und die Tante Nanett, trüge dann keine Brille… Wozu brauchte man noch das Schlüsselloch, wenn die Neugier nicht wär’…
Wenn die Neugier nicht wär’, müsste ich nicht mehr wandern.
Kein Kolumbus führ´ mehr von ´ner Küste zur andern, und die Tante Nanett, trüge dann keine Brille, und die Mädchen im Bett lägen traumlos und stille. Wären fast ohne Sünd´ und ohne Kind, wenn die Neugier nicht wär’…
Wenn die Neugier nicht wär’, möchte ich gar nicht mehr leben,
aber dank dem wogenden Meer, dank der Tante Nanett, dank den Mädchen im Bett – holdrio! – soll´s die Neugier noch geben!

P.S. Lendenlahme können übrigens die besagte, offensichtlich durchblutungsfördernde Nummer von mir bekommen, wenn sie im Gegenzug eine kleine Spende fürs Gothaer Tierheim entrichten …

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

2 Kommentare

  • Guten Morgen,
    ich bin zufällig auf Deinem Blog gelandet: danke für das erste Schmunzeln heute morgen – ich kann nämlich auch nicht ohne Lektüre frühstücken. Was nicht immer auf Verständnis stößt 🙂
    Wenn Du auf der Suche nach einer “echten” Miniküche bist: vielleicht hilft mein Miniküchen-Blog weiter. Dort findet man viele Infos zu den verschiedensten Miniküchen und Tipps rund um Planung, Kauf und Aufbau. Vielleicht hilft es Dir ja weiter.
    Viele Grüße, Nicole
    http://www.minikuechen-blog.de

  • Mathias (#)
    13.12.2012

    Der Beitrag ist wirklich nett und passend geschrieben auch wenn er zum Schmunzeln einlädt.
    Meiner Vorrednerin kann ich nur bedingt zustimmen, da gerade auf dem Land Küchen großzügiger als in der Stadt sind und sich zum Lebensmittelpunkt entwickeln.

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