Das Wort zum MUTwoch (137): Zote für die Quote

Also, mal ganz ehrlich: Ich bin doof.
Zumindest geschäftsuntüchtig.

Das bescheinigte mir Frau D. aus GüWe – meine Steuerberaterin – zwar schon vor Jahren. Aber die Lernfähigkeit eines einäugigen, skorpionischen Immer-noch-Blondschöpfchens (Baujahr 1961), der obendrein gern damit kokettiert, zu 30 % Mädchen zu sein (innerlich! – emotional!), ist eben nicht sonderlich ausgeprägt.

Doof bin ich deshalb, weil ich offensichtlich meine schreibtischlerischen Talente verschwende. Aschenbrenners Wortdrechseleien werden zwar geschätzt. Es gibt sogar Leute, die mich dafür entlohnen, dass ich für sie formidable Sätze fädele. Aber die Schar meiner Jünger ist echt überschaubar.

Das änderte sich dramatisch, würde ich Drehbücher fürs Trash-TV wie z. B. für „Schwiegertochter gesucht“ schreiben.

Diese Perle der deutschen Fernsehunterhaltung war mir bis vor Kurzem noch unbekannt.
Doch dank wohlmeinender Fürsprache und sanftem Druck meines Abendmahl-Gastes auf die Fernbedienung eröffnete sich mir völlig neue visuelle, kommunikative, künstlerische – aber vor allem! – kommerzielle Perspektive.

Diese Kulissen!
Diese Darsteller!
Diese Dialoge!

Mehr als 4 Mio. Männlein und Weiblein teilten den Abend mit dem „zärtlichen Zeitschriftenzusteller“ Thomas (37) und seiner Beate, der „tollen Traumfrau“, die auf Bali beidseitige Begehrlichkeiten entwickeln sollten. Blöd bloß, dass die bockige Beate böse den „sensiblen Sockenträger“ blockte, was ihm zumindest millionenfach Mitleid sicherte.

Auch Ingo, der „romantische Rheinländer“ und „füllige Fitness-Fan“ durfte sich solcher Anteilnahme erfreuen, als er seine Steffi samt deren „Eltern“ auf Holland- und Käse-Trip begleitete.

Der „pünktliche Pizzabote“ Thomy (28) traf auf die „niedersächsische Naturblondine“ Vanessa (22) und erwies sich als „versierter Verehrer“, weil er „extravagante Eierkuchen“ buk.

Zweifellos die Krönung aber war der „spirituelle Sachsen-Anhalter“ Heiko, der es gleich mit zwei esoterisch Erleuchteten zu tun bekam – mit Nikola, die von Engeln gesandt war und deren Muttertier Sigrid…

Oft waren die Pointen noch flacher als die Bildschirme, vor denen die Gemeinde sich daran weidete.

Trotzdem muss man Vera Int-Veen und den anderen Machern der Serie, die seit acht Jahren läuft, Respekt erweisen: 4 Mio. schauen das.

Und damit ebenso viele wie kurz zuvor auf der ARD die „Tagesschau“.

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