Das Wort zum MUTwoch (134): Schilda her!

In Gotha, so ein geflügeltes Wort, waren einst die Bauern klüger als andernorts die Edelleute. Deshalb, weil Ernst I. der erste deutsche Fürst war, der seinem Volke 1642 die allgemeine Schulpflicht verordnete.

Glücklicherweise scheint sich die Klugheit vererbt zu haben. Nicht gleichmäßig, gewiss. Aber immerhin…

Immerhin beweisen nicht wenige Gothaer Weitsicht und haben ihr Gotha so lieb, dass sie für ihr Gotha sogar den Geldbeutel öffnen und klingende Münze springen lassen. Dafür, dass ordentliche deutsche Schilder angeschafft werden konnten.

Die regeln den Verkehr. Den ruhenden. Oben auf dem Hauptmarkt.

Da darf man nämlich kostenlos und eine Stunde parken. Hat man eine Parkscheibe hinter der Frontscheibe.

Die Idee fürs Parken vor Ernsts Nase ist keine Kopf-, sondern eine Volks-Geburt: Ausgebrütet haben sie die Jungs und Mädels vom Gewerbeverein, von der Interessengemeinschaft Innenstadt und der SPD-Stadtratsfraktion.

Um Leben in die Bude – pardon! – die Innenstadt zu bekommen. Denn der moderne Homo sapiens ist mehrheitlich ein (auto-)mobiler Zeitgenosse. Also geht er auch nicht einkaufen – er fährt.

Und das, obwohl Gotha adelt und sich redliche Stadtplaner desterwegen radfahrend abstrampeln, um diese vielen verirrten Seelen eines Besseren zu bekehren. Weil tapferes Treten und der Worte Macht alleine nicht genügten, sollte Gothas Innenstadt mit der Zeit zur automobil befreiten Zone mutieren. Parken hierzulande ist seither deshalb mindestens so exklusiv und teuer wie in vergleichbaren Städten wie Hamburg, München oder Berlin…

Wie dem auch sei: Im Rathaus, das gemeinhin als Hort der kollektiven Weisheit gilt, wurde nun völlig überraschend die groschengräberlose „Umsonst“-Parkerlaubnis erteilt. Zunächst allerdings nur für ein Jahr und auf Probe.

Das war zudem ein test-taktisches Tauschgeschäft. Weil die Parkplatz-Hirsche von Gewerbeverein & Co. eben jene Sammelaktion initiierten, die 2.500 Euro für die schicken Schilder aufzubringen.

Erstaunlich ist, dass schon fast 1.700 Euronen „eingetrieben“ wurden. Geld gaben nicht nur Innenstadt-Händler – also jene, die auch was davon haben, wenn die Gothaer und ihre Gäste die Kohle im eigenen Städtchen lassen. Unter den derzeit 37 Investoren in ein lebendiges Stadtzentrum sind auch Privatleute. Selbst die Saller Bau GmbH – die, welche erst den „Glitzerpalast“ und jetzt die Fachmarkt-Meile bauen mag – rückte ein erkleckliches Sümmchen raus.

Sicher nicht zuletzt, weil Gewerbevereins-Vize Andreas Dötsch den Hans Dampf in allen Kommunikations-Gassen macht, die Werbe-Trommel rührt und auch sonst nicht müde wird, das Teilzeit-Hauptmarkt-Parkprojekt zu befördern. Mit seinem Optimismus, das Ding zu stemmen, hat er zudem auch andere angestiftet.

Tja; in Gotha sind eben die Bürger heutzutage immer noch klüger als mancher Radfahrer glaubt.

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