Das Wort zum MUTwoch (116): Bekloppter Helikopter

Ich sollte mich schämen!
Schon zweimal in den letzten Wochen blieb ich den MUTwoch schuldig.

Ich mache jetzt keine Ausflüchte. Gebe unumwunden zu, dass absolut „Land unter“ in der Wortdrechselei herrschte.

Da half auch nicht, dass ich meine Ein-Mann-Schreibtischlerei schon vor einigen Zeiten zugunsten eines flotten Vierers aufgab: Selbst die drei curcumanischen Engel konnten ihren Charlie nicht retten.

Der hatte sich den Schlamassel nämlich selbst zuzuschreiben. 16 Jahre eremitisches Erwerbsleben hinterlassen eben Spuren.

Nicht mehr allein alles machen müssen heißt eben nicht automatisch, nicht mehr alles allein zu machen. Das muss man dann wollen. Und – noch viel wichtiger! – auch können.

Das heißt nämlich: Loslassen.

Ist ein wenig so wie die Kinder ziehen zu lassen, wenn sie flügge werden. Was das betrifft, könnten meine beiden Mädels sicherlich im Duett ein Klagelied anstimme. Ich mag es nicht beschönigen: Aber meine überfürsorgliche Art ging den beiden irgendwann auf den Zeiger. Es bedurfte auch sehr energischer Zurechtweisungen von ihnen, dies zu ändern. Erst danach begnügte sich der Herr Papa damit, seinen Senf nur dann dazuzugeben, wenn er darum gebeten wurde.

Ich gestehe, dass ich ’ne ganze Weile schmollte. Als ich aber aus meinem selbst gewählten Trotzeckchen herauskam, zeigte sich recht bald, wie wunderbar entspannt ein Vater-Töchter-Verhältnis sein kann.

Fazit: Es gibt also nicht nur Helikopter-Mütter, sondern auch solche Väter. (1)

Ich gebe allerdings unumwunden zu: Aus der Geschichte zog ich offenkundig nicht die richtigen Lehren.

Und wie einst meine Töchter, so lasen mir heute Anita, Livia und Pauline die Leviten. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass das auch nicht das erste Mal war. “Beratungsresistent“ nennt man solche Ignoranz landläufig.

Ich gelobe Besserung.

Das aus blanker Selbstsucht: Weil nur so mein Hirn frei ist für Texte wie den MUTwoch. Damit verdiene ich nämlich kein Geld. Sie entstehen meist, weil mich ein Thema packt. Weil ich mindestens verbal ein Exhibitionist bin. Jemand, der sich mit Vergnügen mitteilt. Und nur dann ist es wohl auch für andere ein Vergnügen und hat seinen Reiz, solche Texte zu lesen.

In dem Sinne: Alles wird gut und nächste Woche gibt es ganz sicher wieder einen MUTwoch

P. S. Besonders aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass die MUTwoch-Ausgaben 113 und 115 fehlen. Die gibt es nicht. Noch nicht. Denn meine preußischen Wurzeln bringen mich bestimmt dazu, diese Lücken bei Gelegenheit zu schließen 🙂

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(1) Helikopter-Eltern (auch: paranoid parents) sind überfürsorgliche Eltern, die ständig wie Beobachtungs-Hubschrauber in der Nähe ihrer Kinder sind, um sie zu überwachen und zu behüten. Er bezeichnet einen von z. T. paranoider Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten des Kindes bzw. des Heranwachsenden geprägten Erziehungsstil.

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