Das Wort zum MUTwoch (109): Herr Schiller, die Nachbarn & Gotha

Gutnachbarschaftlicher Beziehungen sind das halbe Leben. Das wusste schon Friedrich, der Schillernde:

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben,
wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ (Schiller, Wilhelm Tell IV,3)

Und deshalb lob’ ich mir seit mehr als 14 Monaten meine gutnachbarschaftlichen Beziehungen.

Wie schon berichtet, bekam „Aschenbrenners Wortdrechselei“ einen neuen Standort: Von der wuseligen Flaniermeile „Mönchelsstraße“ wechselte ich in den Mittleren Osten Gothaniens – und gleich noch den unternehmerischen Status. Aus dem Ein-Mann-Zirkus wurde die curcumanische Medien-Republik mit drei Engeln, deren „Charlie“ und einem Redaktionsbüro-KommuniKater namens Leo.

Wir residieren nun seit 14 Monaten in der Friemarer Straße. Nicht im Existenzgründerzentrum, obwohl das nur den berühmten Katzensprung entfernt ist. Vielmehr gewährte uns ein charmanter Immobilist Unterkunft.

Dieser Herr M. ist ein liebenswerter Mensch und fairer Vermieter. Und er ist auch ein gothaisches Urgestein, dessen Wiege hier im Osten stand. Kennt wie kein Zweiter das reizende Residenzstädtchen und – was viel spannender ist! – nahezu alle Alteingesessenen und Neuhinzugekommenen zwischen Siebleben und Sundhausen, Boilstädt und dem verhuschten Heutal.

Ein wenig rätselhaft scheint ihm hingegen, womit wohl unser quirliges Quartett Kohle macht. Nun schon seit nahezu 14 Monaten sinnt Herr M. darüber nach. Doch – so scheint es – ist er offensichtlich noch nicht abschließend und für sich befriedigend dahinter gekommen, wie dieses Dreifrau-Einmann-Team funktioniert.

Das wiederum sichert uns seine Aufmerksamkeit. Und die Chance darauf, Kostproben seines (Über-)Lebenswissen zu erfahren. Da lässt er sich glücklicherweise selten bitten und gibt sie gern preis – in homöopathischen Dosen oder auch mal als Parforce-Ritt durch die großartigen Geheimnisse Gothaer Größen – oder jener, die sich dafür halten.

Im Übrigen vermute ich stark, dass genau diese zuweilen höchst detaillierten und intimen Kenntnisse auch zum Erfolg seines kleinen Unternehmens beigetragen haben.

Solch ein Schwätzchen macht zudem großen Spaß. Und ist auch gesund: Klatsch und Tratsch gehören schließlich zum Leben und sind beileibe keine weibliche Domäne. Klatsch und Tratsch erfüllen nachweislich soziale Funktionen, durchaus positive. Das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Klatsch und Tratsch mindern Aggressionspotenziale und stärken gruppendynamische Prozesse.

Klatsch und Tratsch.
Eben genau jener Humus gutnachbarschaftlicher Beziehungen, die das halbe Leben sind, wie schon Friedrich, der Schillernde, wusste…

 

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