Das Wort zum MUTwoch (102): Valentins Vampire

Nur noch 48 Stunden.

Dann ist es wieder so weit.
Dann dreht die halbe Welt durch.
Valentinstag!

Wer sich nicht daran beteiligt, ist eine ungeliebte arme Sau; hoffnungslos unromantisch oder ein eigenbrötlerischer, eitler Geck.

Sagen manche. Suggerieren Marketing-Kings. Vor allem jene, die den Herzchen-Hype auf die Spitze treiben und selbst spezielles Toilettenpapier auf den Markt werfen. Das wiederum ist schon wieder originell: Zumindest aus Blickwinkel jener, denen der Zirkus um den „Tag der Verliebten“ echt am Popo vorbei geht.

Schon Plato wusste: „Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit.“ Und in der Tat: Solange man selbst nicht von Amors Pfeilen durchsiebt ist, lässt es sich über das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit köstlich ablästern.

Verliebt zu sein, heißt, schlicht einen hormonell verursachten Blackout zu haben. Mediziner können einen ganzen Cocktail benennen, der das Blut zum Brodeln bringt und so regelrecht die Sinne vernebelt.

Da sitzen sich dann Mensch und Mensch – ich verzichte aufs Aufzählen der sechs möglichen Paarungs-Varianten – gegenüber, stammeln zusammenhangloses Zeugs, schauen sich mit Hundeblick und hängender Zunge an und halten einander die feuchten Patschehändchen.

Nun kann man(n) sich trefflich das Mäulchen über Sinn oder Widersinn eines solchen Tages zerreißen: Ihn aber zu verstreichen zu lassen, ohne der Herzdame in irgendeiner Form signalisiert zu haben, dass sie noch immer die Herzdame ist, bringt Stress für den Rest des Jahres.

Ach-Du-Schreck-Kandidaten machen auf alle Fälle nix falsch, wenn sie’s durch der Blume sagen. Meine Erfahrung besagt, dass einem solch schamlos-charmantem Alibi-Geschenk selbst eine superselbstbewusste, selbstständige, souveräne „Sie“ erliegt. Aber aufgepasst: NIE mit solchen Eintages-Sträußchen von der Tanke oder aus dem Sonderangebot von Kaufland & Co. aufkreuzen. „Blume 2000“-Produkt finden da schon eher gnädige Aufnahme. Besser allemal, bei Blumen-Heyn & Co. Ein paar Euronen mehr über den Tresen zu schieben.

Sie mögen es aber origineller, etwas fantasievoller?

Gern!

Dann empfehle ich Ihnen meinen Favorit 2014: einen ortsansässigen Blutspende-Dienst. Die lancierten Montag eine Mail, in der zu lesen stand:

„Blumen zum Valentinstag sind der Klassiker für Verliebte. Doch auch eine Blutspende zeigt Herz und Nächstenliebe. Deshalb lädt das *****-Blutspendezentrum in Gotha zur Valentinstags-Aktion am 14. Februar unter dem Motto: ,Vielleicht liegt Ihr Traumpartner eine Liege weiter?’. Ob Single oder nicht, hier können die Gothaer auf alle Fälle eine Herzensangelegenheit erledigen und vielleicht auch einem anderen Menschen näher kommen.“

Als Valentins Vampire …

Am liebsten wäre mir allerdings, wenn die Menschenmägdelein und –knäbelein einander auch die folgenden 364 Tage mit das Herz wärmender Aufmerksamkeit und in behutsamer Zuneigung begegneten.

So ganz ohne offiziellen Anlass.

„You may say, I’m a dreamer …“

Klar doch, John!

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