Das Wort zum MUTwoch: Αυτοκινήτων

Wissen Sie, was ein „Ipsekineton“ ist? So hieße „des Deutschen liebstes Kind“ (klingelingeling; 50 Cent klappern in die Phrasendresch- und Versatzstück-Kasse), das „Automobil“, würde man dessen Wortherkunft spiegeln.

„Automobil“ ist ein etymologischer Bastard. Also eine Kreation, entstanden aus Wortbestandteilen verschiedener Sprachen. Im konkreten Falle aus je einem griechischen und einem lateinischen Wort – „autós“ (griech. = selbst) und „mobilis“ (lat. = beweglich). Tauschte man nun die Sprache der Ausgangsworte, wäre das „Ipsekineton“ geboren.

Diese „Klugscheißerei“ vermittelte mir mein mich täglich bildender wie unterhaltender Kalender „Auf gut Deutsch“. Sehr zu empfehlen! Er stammt aus dem gleichen Verlag, wie jenes Buch, das ich am häufigsten zur Hand nehme: der Duden. Wen wundert’s – als Satzfädler und Wortdrechsler kommt man ohne den gelben Dickbauch nicht allzu weit.

Man sagt, aller guten Dinge seien drei. Ausdrücklich gilt dies aber nicht für die Rechtschreibreform. An die beiden ersten im (gesamt-)deutschen Sprachraum kann ich mich zwar nicht erinnern :-): Die gab es schließlich 1876 und 1901. Damals aber war Konrad Duden federführender Experte und wohl deshalb fanden sie unspektakulär Aufnahme in die deutsche Sprachgeschichte.

Die dritte und jüngste Reform indes, jene von 1996, lehrte mich das Fürchten. Das hält weitgehend bis heute an, wenn auch die wirklich wildesten Formen der Vergewaltigung meiner Muttersprache 2004 und 2006 zurück genommen wurden.

Dennoch ist gut beraten, wer zum einen die jeweils aktuelle Ausgabe besitzt (derzeit die 25.) und sie zum anderen häufiger zu Rate zieht. Lesen bildet. Immer. Erst recht den, der im Duden nachschlägt.

Das geht übrigens derweil auch online auf www.duden.de – hat aber einen entscheidenden Nachteil: Der virtuelle Wissensspeicher verwehrt Kooperation, wenn man das Gesuchte nicht so schreibt, wie es in der Datenbank hinterlegt ist. Google ist da kulanter :-)!

Ich vermute aber, dass das ein erzieherischer Aspekt ist. Das gedruckte Werk gibt nämlich auch ohne enzyklopädisches Wissen und Deutsch-Abi-Note „1“ Auskunft – wenn auch erst nach einigem Suchen. Was aber den Vorteil hat, dass man so seinen passiven Wortschatz erweitert.

Angeblich muss der nur 800 Wörter umfassen, um „BILD“ lesen zu können. Nun ja; kein Kommentar. Denn laut Fachleuten sollten wir mindestens 1.285 (deutsche) Wörter kennen, um uns in unserer Muttersprache verständigen zu können und in der Lage zu sein, 85 % der Texte in unserer Sprache zu verstehen.

Apropos: Der Sprachwissenschaftler Günther Billmeier ermittelte, dass man Erwin Strittmatters Roman „Ole Bienkopp“ – Älteren sicher noch wohl bekannt – nur verstand, wenn man Kenntnis von über 18.000 Wörtern hatte.

Rund 75.000 Wörter bilden demnach auch unsere aktuelle deutsche Standardsprache. Alles in allem sollen es 300.000 bis 500.000 Wörter sein, aus denen Schiller, Goethe & Otto Normalo schöpfen. Unserem Dichterfürsten wird übrigens nachgeredet, er habe einen aktiven Wortschatz von ca. 90.000 Wörtern gehabt. Damit ist er der bisher ungeschlagene „Deutsche Meister“.

Der Wortschatz von Realschul-Abgängern vor einem Jahrzehnt lag hingegen durchschnittlich bei rund 12.000 Wörtern.

Ich mag gar nicht nach aktuellen Zahlen suchen …

(Mittwochs gibt es “Das Wort zum MUTwoch” im Blog vom thueringen-reporter)

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