Klug-Scheißereien (15): Gardinenpredigt

Jüngst, als ich eine Kritik zu hören bekam, die mir aber nicht genehm war, sprach ich zur Absenderin der Botschaft, sie möge mir doch diese „Gardinenpredigt“ ersparen.

Um im nächsten Moment mit Tunnelblick ins Grübeln zu verfallen: Was mochte, kreuzverdammich!, nur die Herkunft dieses Sprachbildes sein?

Zwei Google-Hupf später nahm ich die Fährte auf. Kreuzvergleiche sehr seriöser, weniger amtlicher und gänzlich windiger Quellen ergaben eine überraschend einheitliche Erklärung:

Zunächst soll der Begriff in der niederländischen und englischen Sprache als „curtain-lecture“ vorhanden gewesen sein. Vorgeblich Ende des 18. Jahrhunderts fand er dann Einzug – wortwörtlich übersetzt – ins Deutsche. Als Gardine benamste man bis dazumal weniger einen Vorhang vorm Fenster, sondern den üblichen vorm Bette – das verhängt ward aus schamhaften Grunde. Auf dem Dorfe gab es häufig fest im Haus eingebaute Himmel- und Wandbetten. Sie wurden dann vom restlichen Wohnraum mit solcher Behängungen abgetrennt.

Deshalb hieß es wohl damals auch zunächst: „Vorhang zu, das (Liebes-)Spiel beginnt …“ Realer hingegen war, dass das Eheweib in den Kissen schmollte, weil der Gatte im Gasthaus nicht beim Bechern gehaltvoller Getränken geizte.

Kehrte der Zecher dann heim, konnte es ihm schon passieren, dass von hinter dem Vorhang Vorhaltungen folgten.

So weit, so schlecht: Ich bin wohl dann doch zu blond und seit einem Jahr älter als 50. Deshalb habe ich derzeit keinen Plan, was der tiefere Sinn einer „Gardinenpredigt“ zu sein scheint …

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