Klug-Scheißereien (10): „Oh es riecht gut…“

Wer kennt Charlotte Christine „Christel“ Ulbrich, geb. Thiermann? Nicht allzu viele, denke ich. Aber fast alle kennen DAS Weihnachtsbäcker-Lied:

„Oh, es riecht gut, oh, es riecht fein!
Heut rühr’n wir Teig zu Plätzchen ein.“

Am 15. Oktober könnte man ihren 102. Geburtstag feiern. Sie wurde 1908 in Tharandt geboren und starb am 24. März 1996 in Bautzen.

Christel Ulbrich (Foto von 1992) arbeitete und wirkte als Kindergärtnerin, Puppenspielerin, Tanzpädagogin, Autorin für Tanzliteratur („Tanztherapie für Kinder“ 1982, „Tanz dich gesund“ 1992, „Kinder singen, tanzen, musizieren…“ 1993) und Ausbilderin im Bereich Tanz, Bewegung und Rhythmik sowie Tanztherapie u. a. für Musik- und Sonderpädagogen, Therapeuten und Tanzleiterinnen. Sie gründete und leitete bis ins hohe Alter zahlreiche Tanzkreise: Jugendtanz, Volkstanz, geselliger Tanz, Seniorentanz und meditativer Tanz.

Christel Ulbrich kam 1928, nach dem Staatsexamen als Kindergärtnerin am Sozialpädagogischen Frauenseminar in Leipzig, nach Bautzen und betrieb einen Kindergarten in der Neustadt, später auf dem Gelände der Familie Weigang. 1932 erwarb sie den Abschluss als Jugendleiterin und arbeitete als Ausbilderin für Kindergärtnerinnen.

In den 1950er Jahren war sie im Landkreis Bautzen und Bischofswerda als Mentorin
für Musik und Bewegung in Kindertagesstätten tätig. Sie erhielt durch ihr Wirken zur DDR-Zeit den Geist der Hellerauer Rhythmik-Schule lebendig. 1960 erhielt sie Arbeitsverbot für staatliche Einrichtungen wegen einer Einladung ihrer Studentenvolkstanzgruppe in die BRD. Ab 1961 war sie deshalb vor allem im Gesundheitswesen tätig.

Am bekanntesten aber dürfte sie sein, weil sie eben jenes Weihnachtslied „Oh, es riecht gut“ textete und komponierte.

Offen bleibt nach einiger Recherche jetzt nur: Wann wurde das Lied erstmals veröffentlicht? Google & Co. geben keine Auskunft oder ich bin zu blond, es zu finden.

Aber Hoffnung besteht: Ich habe einen der Organisatoren des Festes anlässlich ihres 100. Geburtstages vor zwei Jahren in Bautzen aufgestöbert. Vielleicht kann der helfen!

P. S.:  Ich hatte Montag morgen nicht zu viel Zeit, sondern schrieb gerade eine Einladung an Kindergärten für eine gemeinsame Weihnachtsbäckerei. Prompt war die Melodei in meinem Kopf und der Jagdinstinkt geweckt …

Auch mit fast 49 kann man noch ein Bluthund sein, liebe jungdynamischen Mitbewerber 🙂

0 Kommentare

  • anitagrasse (#)
    11.10.2010

    Ich war das Mehl! Grundschule, Schulaufführung zur Weihnachtszeit, alle trugen Kittelschürzen und Backutensilien auf der Bühne und ich musste singen, wie man Mehl siebt. Schon irgendwie traumatisch.

    Und was den Rest angeht: Die lieben, jungen Mitbewerben wissen deine Tätigkeit als Bluthund sehr zu schätzen, vielen Dank! 😉

    • _Der|Aschenbrenner_ (#)
      11.10.2010

      Nu werd‘ ich schon wieder rot (sinnbildlich)! Zwei Komplimente von Dir binnen 48 Stunden – boah, wie klasse kann den das sein?! Die Woche ist gerettet!

  • m. acioglu (#)
    15.11.2010

    Schön, dass sich für Frau Christel Ulbrich interessiert wird. Ich habe sie viele Jahre sehr gut gekannt und sie immer bewundert, wie sie die meist jungen Leute begeistern konnte.
    Sie war unermüdlich für ihren Tanz unterwegs, auch in Zeiten als tanzen nicht als „in“ galt, hatte sie immer einen gut gefüllten Saal.
    Ich habe ihr immer sehr gern zu gehört wenn sie von Reisen und aus ihrem Leben erzählt hat, dabei viel immer der Satz: „Ich tu mich immer gern mit jungen Menschen zusammen, alt bin ich alleine und es hält mich selber auch jung wenn ich mit denen mit halten will.“ Ihr Mann war Maler und dass sie das bekannt Kinderlied“ Oh es riecht…“geschrieben hat habe ich erst gewußt als ich sie schon Jahre kannte.

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