Kalt erwischt

Ein wuschelweicher Warmduscher war ich noch nie. Insofern traf mich der Fortfall von Fernwärme und daher auch vom warmen Wasser ab 24. August hier in Gotha nicht sonderlich. Zum einen ist unsereinem aus AWG- und sonstigen DDR-Zeiten die allsommerlich eintretende Ein-Wochen-Warmwasser-Ebbe bekannt. Zum anderen gibt es immer Alternativen zum mehr oder minder erzwungenen Kneipp-Bad …

So behalf sich eine Bekannte mit Wasserkocher und Waschschüssel. Wenn die auch nicht aus Emaille war, hatte das Ganze was von 1960er-Charme: Ich erinnerte mich daran, dass ich als Klugscheißer-Knirps auf eben diesem Wege meine tägliche Reinigung erfuhr. Das war auch noch jene Zeiten, da man als Familie – mangels eigener Wanne – am Freitag Abend zum Baden in den volkseigenen Betrieb über die Straße wechselte. Als Ältester von drei Nachkommen hatte ich dann das begrenzt-besondere Vergnügen, nach meinen Geschwistern ins Badewasser zu dürfen. Wohl ein Grund, warum meine romantische „Tête-à-tête“ selten das Vor- oder Nachspiel „gemeinsames Wannenbad bei Kerzenlicht und Sekt“ hatten und haben …

Doch zurück zum fernwärmestadtwerkeverursachten Warmwassermangel: Andere aus unserer Nachbarschaft verlebten am vorigen Wochenende ein langes beim Ausflug zu Freunden, die fließend Heißes zu bieten hatten.

Ich hingegen machte aus der Not eine Tugend und erhöhte die Frequenz meiner Sportstudio-Besuche. Mich überraschte, dass ich keine erkennbare Anzahl Nachahmer hatte. Marion, die gute Tresen-Seele in der Mauerstraße, schüttelte den Kopf, als ich danach fragte: „Nö, ’s kommen auch nicht mehr als sonst an Wochenenden …“

Nun, eigentlich verwundert es mich auch nicht: Schließlich hatte ich – zu meinem Entsetzen! – schon vor längerer Zeit festgestellt, dass Körperpflege bei manchem meiner sportiven Geschlechtsgenossen darin besteht, die verschwitzten Muscle-Shirts aus- und die Alltagssachen anzuziehen. Ein Zisch Deo unter die Achseln – das muss reichen. Kein Wunder, dass zuweilen die Umkleide nach nassem Fuchs riecht …

Dass die Bauarbeiten an der Gothaer Fernwärmeversorgung allerdings selbst unseren geliebten Heimatsender, den MDR, nicht kalt erwischten, dass verblüffte mich dann doch: Sehr früh am Montagmorgen hatte ich deshalb einen Anruf meiner charmanten Kollegin Heidje B., die ein Stück fürs „Thüringen-Journal“ daraus machen wollte und darüber, wie denn die Gothschen so mit gefühltem Campingplatz-Komfort klar kämen.

Erste Recherchen bei einem Friseur brachten ihr wenig Spektakuläres, da man sich dort schon immer mit einem Boiler behalf. Ich wiederum hatte nur mein „Asyl im Testosteron-Paradies“ im Angebot und den Spruch, kein Warmduscher zu sein.

Sprach’s und war anschließend Mode. Die Gute hatte nämlich sofort den aus ihrer Sicht genialen Plan, bei ihrer Reportage-Tour durch Kaltwassersche Landen mit Kameramann und Tonfrau bei mir aufzuschlagen.

Als Exibitionist erster Güte (was sonst könnte ein Wortdrechsler sein?) unterbreitete ich ihr prompt den Vorschlag, filmreif unter die Dusche hüpfen zu wollen, den „Badewannentango“ dabei auf den Lippen, „bei mir zu Hause, unter der Brause, mit Schaum im Ohr …“

Daraus wurde aber nichts. Unter Nicht-mehr-ganz-neu-Intendantin Professor Karola Wille gilt wohl: „Bitte keinen Sex, der MDR ist öffentlich-rechtlich …“

Das ignoriert aktuelle Bedürfnisse der typischen mdr-Zielgruppe: Laut einer Telefon-Umfrage unter 1.000 „Zufallstreffern“ der Generation 50plus sollen mehr als 75 % der Frauen und immerhin auch 68 % der Männer mehr Spaß miteinander haben als noch 10 (Lebens-)Jahre zuvor.

Na also, wer sagt ’s

Seit Dezember 2002 erscheint im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

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