Grausamer Garaus, süße Sünden & Neugier aus Nippon

Grumbach wieder! Ausgerechnet den Gästen aus dem Land der aufgehenden Sonne verweigerte er sich, bekam nicht einmal das Maul auf…

tn 150813 HWK_Japan_1tn 150813 HWK_Japan_Fujiko Sekikawatn 150813 HWK_Japan_3tn 150813 HWK_Japan_Yui_Nishikawatn 150813 HWK_Japan_Grumbachtn 150813 HWK_Japan_9tn 150813 HWK_Japan_8tn 150813 HWK_Japan_7tn 150813 HWK_Japan_6Gülden thront der Kopf des legendären Raubritters über der Gothaer Rathausuhr. Zur vollen Stunde reißt das berüchtigte Großmaul die Klappe auf – ganz so, als ob er noch Jahrhunderte nach seinem Ende darüber spott. Grumbach machte man 1567 einen gar grausamen Garaus: Der Henker riss ihm das Herz aus dem Körper, schlug es ihm ins Gesicht, wobei er rief: „Sieh Grumbach, dein falsches Herz“. Dann wurde er gevierteilt. Seine Körperteile hängte man auf Stangen vor den Toren Gothas. Der blutigen Überlieferung nach steckte er – schon des Todes –seinen Richtern und dem sensationslüsternen Volk aber noch die Zunge raus. So, wie er es nun symbolisch zum Stundenschlag tut.

Oder eben auch nicht – wie im Falle der japanischen Touristen. Denen hatte zuvor Thomas Junghans diese gruselige Geschichte mit Begeisterung, bildhaft und allen blutigen Details erzählt. Das quittierten v. a. die jungen Damen mit offensichtlichem Schaudern und Begeisterung zugleich. Ungewöhnlich emotional für Japaner allemal. Aber das zeigte, dass der Obermeister der Thüringer Konditoren-Innung das Zeug selbst zum Stadtführer hat. Was neuerlich beweist, wozu Handwerker alles taugen.

Zum dritten Mal betreute die Handwerkskammer Erfurt Gäste aus Nippon. Das JDZB – das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin – organisiert seit einem Jahrzehnt Austauschprogramme, u. a. für junge Berufstätige beider Länder. Sie sollen so das jeweils andere Land, dessen Sitten und Gebräuche kennenlernen.

Jetzt waren 31 Frauen und Männer zwei Wochen in Deutschland, die Hälfte der Zeit in Thüringen. Chihiro Watanabe (28, Tokio), Oka Mayumi (34, Yokohama), Bô Kanako (29, Tokio), Yui Nishikawa (30, Kōchi), Hara Norino (32,Tokio) und Ôno Takamuri (31, Saitama) hatten sich für Gotha und den Konditormeister Junghans entschieden. Ihnen zur Seite standen Fujiko Sekikawa und Benjamin Goldaum. Die studierte Germanistin Fujiko lebt seit Jahrzehnten in Deutschland und arbeitet fürs JDZB. Benjamin studiert in Jena Japanistik und war selbst einst Teilnehmer eines Austausches Komplettiert wurde die Reisegesellschaft durch Fritz-Herbert Stang, dem Bereichsleiter Bildung bei der HWK.

Nach der Stadtführung war es Thomas Junghans eine besondere Ehre, seine Backstube zu zeigen und zu Kaffee und Kuchen zu laden: Dort, aber auch schon vorher, hatten die Gäste viele Fragen. Vor allem, wie hierzulande Arbeit, Freizeit und Familie unter einen Hut gebracht werden, interessierte. Verwundert hatte die Lohnfortzahlung bei Krankheit. „Japaner nehmen dafür Urlaub“, berichtete Bô Kanako. Groß die Bewunderung, als Thomas Junghans von seinen drei Kindern erzählte und dass er sich mit seiner Frau deren Betreuung teile.Dass die japanische Küche sehr delikat und gesund ist, gehört zum Allgemeinwissen. Nicht aber, dass Nippons Töchter und Söhne auch große Naschkatzen sind. Umso begeisterter machte sich die Gesellschaft über die süßen Versuchungen her, die Junghans auftischte – nicht ohne nach den Hausrezepten, den Verkaufsschlagern und den privaten Vorlieben des Gastgebers zu fragen.

Gut möglich übrigens, dass Grumbach deshalb die Klappe gehalten hatte, weil er nicht mitschlemmen durfte.

(Beitrag für die „Deutsche HandwerksZeitung“, im Auftrag der Handwerkskammer Erfurt)

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