Funkenflug (3): Die Warum-Kaskade

Foto: Tony Hegewald  / pixelio.de

 

Haben Sie schon mal versucht, eine Diskussion mit einem kleinen Kind in der Warum-Phase zu gewinnen? Unmöglich! Sie geben eine Antwort, doch statt sich zufrieden zu geben, hören Sie vom Knirps nur immer die nächste „Warum“-Frage. Was einem im Umgang mit Kindern den letzten Nerv rauben kann, ist in Sachen Kreativität eine tolle Methode: Die Warum-Kaskade.

 

Eingesetzt wird sie vor allem, wenn es darum geht, Problemen auf den Grund zu gehen. Aber ich finde sie auch prima als Entscheidungshilfe, wenn man zwischen zwei Optionen steht. Im Prinzip geht es dabei nur darum, sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden zu geben, sondern zu graben bis auf den Grund – und zwar immer mit einem einzigen Fragewort: „Warum“.

 

Ein Beispiel: Wir bieten seit einiger Zeit mehrmals im Jahr kleine Veranstaltungen an, die Menschen zusammenbringen sollen. Unsere Quartalsevents sind nicht so groß und ausgefeilt wie unsere Seminare, aber sie bieten einen besonderen Aufhänger, um ins Gespräch zu kommen. So hat Pauline Werner einmal aus ihrem Buch gelesen. Einmal haben wir Schmuck gebastelt. Wir planen die Themen so, dass sich jedes Mal andere Zielgruppen angesprochen fühlen. Die Idee dahinter: Curcuma Medien auch Menschen nahe bringen, die auf den ersten Blick nichts mit Medien und journalistischen Dienstleistungen zu tun haben. Wir wollen damit unsere Bekanntheit steigern und unser Netzwerk ausbauen – und zwar in alle Richtungen, denn nichts in sinnloser als ein Netzwerk, das nur in den eigenen Gefilden fischt.

Die Idee war gut, die Angebote auch – fanden wir. Doch die Resonanz wird immer geringer. Woran könnte das liegen? Das ist ein Fall für die Warum-Kaskade, die sich in diesem Fall wie eine Pyramide entwickelt, weil es auf die eine Frage oft mehrere Antworten gibt, denen ich jeweils einzeln wieder ein „Warum“ widme. Beispielhaft kann das so aussehen:

Warumkaskade

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In dem Beispiel ist die Warum-Kaskade noch lange nicht am Ende. Man könnte weiterfragen: „Warum benutzen wir nur digitale Werbeträger?“, „Warum folgen uns die Leute nicht auf den sozialen Netzwerken?“ oder „Warum bieten wir keine Mini-Seminare als Quartalsevents an?“ Erst, wenn wirklich niemandem mehr eine Warum-Frage einfällt, ist die Kaskade am Ende. Dabei lohnt es sich auch, Ideenflauten auszusitzen und die Übung nicht gleich für beendet zu erklären, wenn die Antworten auf die Warum-Fragen kurz ausbleiben. Zum Kern des Problems kommt man oft erst im zweiten oder dritten Anlauf.

 

Doch schon dieses kurze Beispiel bringt zwei Ansätze, um das Problem zu lösen: Zum einen könnte man die Werbung für die Quartalsevents ändern beziehungsweise intensivieren. Zum anderen könnte man über die angebotenen Inhalte nachdenken.

 

Am einfachsten und effektivsten funktioniert die Warum-Kaskade im Team, weil man sich gegenseitig inspiriert und zu Antworten anstupst, die einem allein nicht mehr einfallen würden – schon gar nicht, wenn man sich seit Ewigkeiten mit dem ursprünglichen Problem herum schlägt. Um einen ersten Ansatz zur Problemlösung zu finden – oder wenn man sich zwischen zwei Optionen entscheiden will – kann man diese Übung aber auch gut zwischendurch ganz allein ausprobieren.

 

Und wer das Gefühl hat, dass ihn das nicht weiterbringt, gerade aber auch nicht auf helfende Kollegen zurück greifen kann, kann ja dem nächsten Kindergarten einen Besuch abstatten. Dort finden Sie gewiss mehr Warum-Kaskaden-Helfer, als Ihnen am Ende lieb sein dürfte. In diesem Sinne: Lassen Sie wie Kinder die Funken fliegen!

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