Eine Nacht im Russenpuff …

DAS ist ein Geheim-Tipp. Obwohl es kein Geheim-Tipp mehr sein kann, denn „Eine Nacht im Russenpuff“ kann man seit zwölf Jahren erleben.

Seither touren Katrin Weber, Tom Pauls und Detlef Rothe durch deutsche Landen und haben einen Heidenspaß, ihr Publikum zum Tränen vergießen und in Atemnot zu bringen. Allerdings tröpfelt das Augennass vor Freude und dauerhafte Lachattacken sind es, die einem die Puste rauben …

„Eine Nacht im Russenpuff“ ist so gut, dass man es sich auch gern ein zweites oder drittes Mal anschauen würde.

Die Drei sind dabei nicht nur als singendes, klingendes Schauspieler-Trio, sondern auch sonst so teuflisch gut drauf, dass es deshalb keinen Videomitschnitt auf DVD gibt: Nein, nein; wer es öfter braucht, der muss halt öfter kommen. So ist das aber eben auch in einem Puff, nicht?

Eigentlich fehlen einem die Worte, um zu beschreiben, was auf der Bühne passiert. Es gibt ein Feuerwerk aus Wortwitz, unterbrochen von schauspielerischer Groteske, begleitet von aberwitzigen Balletteinlagen von Pauls und von einem musikalischen Querfeldein-Ritt. Der bürstet respektlos sämtliches Volksliedgut, jeden Schlagerschmalz und auch die Musical-Standards bleiben nicht verschont. Und Katrin Weber macht aus allem ein Hörerlebnis. Was für ein Organ!

Die Geschichte ist dabei eher nebensächlich: Tom Pauls alias Semjon Alexandrowitsch kommt nach Deutschland, begleitet von Kusma, seinem Gehilfen, „so dumm wie Kälberstrick …“.

Und seinen Mädels. Schließlich ist Semjon Alexandrowitsch Lude, Zuhälter und Puffbetreiber. Aber was für einer! Einer mit russischem Schwermut, absoluter Wodka-Immunität und echt geilen Mädels.

Die gibt alle Katrin Weber: Sie ist das Titelblatt-Girl „Die Marie“ mit 128 cm Oberweite, die trotzdem niemand haben will. Sie gibt die frivole Französin Claudette mit dem kleinen „Müff“, der, Wärme spendend, Leben retten kann und deshalb einen Orden angehängt bekommt. Sie ist aber auch die bauchtänzerische Verlockung aus dem „Cafe Oriental“, die Wiener Schickse, der sich einen neuen  Vorderzahn zum Geburtstag wünscht. Und sie ist Alexandra Alexandrowna, die Großfürstin mit dem kleinen Hang zu Melancholie. Am schärfsten aber ist die Weber, wenn sie die rüpelnde, saufende und hurende Olga gibt, die es sich beim Singen ordentlich und von hinten von Semjon besorgen lässt …

Grölende Begeisterung deshalb. Aber nicht nur bei Männern. Und Schenkel klopfende Frauen sieht man so oft nicht …

Ach ja; und Katrin Weber war natürlich auch Sinaida, die große Liebe Semjons, die aus dem fernen Sibirien mit der Eisenbahn nach Deutschland kam, weil ihr Gatte ihr ein Schloss versprochen hatte. Was eben jetzt der „Kulturpuff Alte Oper“ war, wie Kusma am gestrigen Donnerstag Abend in Erfurts vormaligen Kultur-Palast kalauerte.

Tränen trübten zuweilen den Durchblick. Gag folgte auf Gag. Nicht zuletzt, weil auch die Herrschaften in der 1. Reihe urplötzlich mit ins Stück gezogen waren: Vamp Alexandra Alexandrowna warf sich in voller Lebensläge und mit einem mörderischen Affen in die Massen, verteilte als Sinaida echten Wodka, der dem damit überraschten „Deutschmädel“ die Luft nahm: „Meinst, wir saufen hier nur Wasser?!?!“ Sind eben wirklich seltsame Menschen die Deutschen: Gehen mit ihren Frauen in den Puff und sitzen dann obendrein dort in Reih‘ und Glied …

Nicht vergessen darf man Detlef Rothe – Musiker, Komponist und Arrangeur – als Kusma. Der „Asiate aus Alma-Ata“, wie ihn Semjon immer hieß, bediente Quetschkommode, Klavier, Wodka-Flasche und Revolver virtuos.

Wie auch immer: Wer mehr erfahren will, sollte unbedingt „Schwarze Augen – Eine Nacht im Russenpuff“ googeln, dann findet man weitere Auftritte des Trios Infernale. Außerdem kann man sich ja auch mal auf Tom Pauls Homepage umsehen oder auf der von Katrin Weber.

Die wurde übrigens am 15. Januar 1963 in Plauen geboren. Deshalb ist sie so Spitze. Und sie spielte im Musical „Der Graf von Gleichen“ mit!

Außerdem ist sie Steinbock – ich halte es nicht aus! Mir schwant nur, welche versteckten Qualitäten in meinem Weib stecken könnten …

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