Eine Million Rosen für Angela Davis

Heute hat Angela Davis Geburtstag; ihren 67. Die US-amerikanische Soziologin, Politikerin und Bürgerrechtlerin ist eine Heldin meiner Kindheit. Oder besser: Sie wurde mir zur Heldin gemacht.

Mir fiel es heute ein, als ich dieses, ihres Geburtstags erinnert wurde. Es war damals, mit Kinderaugen betrachtet, eine gewaltige Sache, dass wir Postkarten schrieben an die Kapitalisten in den USA.

Auslöser für die auch für DDR-Verhältnisse wohl eher einmalig große Solidaritätskampagne war die Festnahme von Angela Davis am 13. Oktober 1970 in New York City. Zur Last wurden ihr Mord, Menschenraub und Verschwörung gelegt. In den USA etablierte sich sofort die „Free Angela“-Kampagne. Sie fand weltweite Nachahmung.

In der DDR wurden Solidaritätsspenden gesammelt, Petitionen unterschrieben und eine große Briefaktionen fand statt. ich erinnere mich noch an Listen und große Plakate, auf denen wir unterschrieben und die dann zu Angela Davis ins Gefängnis geschickt werden sollten. Wir Kinder malten auch Sonnenblumen, Hunderte. Und wir schrieben im Deutschunterricht bei Frau Nötzel einen Protestbrief an den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon und den Gouverneur von Kalifornien. Der hieß Ronald Reagan.

1971 startete dann die Freie Deutsche Jugend (FDJ) eine neue, weltweit angelegte Solidaritätsaktion „Eine Million Rosen für Angela Davis“. Auch dabei machten wir mit, schickten Postkarten mit roten Rosen. Nach zwei Jahren im Gefängnis wurde Davis am 4. Juni 1972 in allen Punkten der Anklage freigesprochen.

Niemals zuvor und auch niemals danach gab es in der DDR eine Kampagne, die so lange währte und so sehr das Alltagsleben durchdrang.

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