Thüringen in den Grenzen von vor 1994!

„Provinz fängt im Kopf an …“

Ach herrje; wenn Sergej Locthofen wüsste, wie oft ich seinen Spruch schon zitierte! Aber wo der Ex-TA-Chefredakteur recht hat, hat er recht:

Dem „Grünen Herzen“ droht der Kollaps.
Wegen eines 250-Seiten-Papiers einer Expertenkommission.
Die hat untersucht, wie man das pittoreske Puzzle aus 17 Landkreisen und vier kreisfreien Städten einstampfen; pardon: eindampfen kann.

Wie immer, wenn es um Gebietsreformen geht, geht es ums Geld.
Davon hatte man bisher nicht reichlich. Das ist jetzt knapp. Und es wird noch knapper.

Geschichte wiederholt sich doch: Denn schon 1994 war das ein wesentliches Argument. Also fusionierte man in der Erfurter Vogel-Voliere einst 35 zu dann 17 Landkreisen, gewährte Suhl, Eisenach und Jena die Kreisfreiheit.

Dieser Landtags- und Kabinettsbeschluss hatte Folgen. Die Volksaufstände wegen der Auto-Kennzeichen mal ausgenommen, kann man ernsthafte Zerwürfnisse heute noch im Wartburg- und im Ilmkreis besichtigen: Der Rennsteig ist eben mehr als nur eine Wasserscheide. Und auch in den „abgehängten“ Ostgebieten Altenburg und Schmölln grummelte es immer wieder.

Jetzt also schrieben Experten etwas auf. Und bewiesen damit: Das gedruckte Wort kann Revolutionen auslösen: Das Eichsfeld droht mit Abspaltung. Der „ewige“ Landrat Werner Henning wärmt dafür seine 23 Jahre alte Idee wieder auf und will den Wechsel nach Niedersachsen. Hildburghausen und Sonneberg hingegen beschwören die fränkischen Wurzeln und wünschen daher nichts sehnlicher – glaubt man den Schlagzeilen – als künftig der blau-weiße Raute der Bayern huldigen zu dürfen.

Fehlt eigentlich nur noch eine Bürgerinitiative „Thüringen in den Grenzen von vor 1994“. Der würde Mike Mohring vermutlichmit wehender Fahne beitreten.

Wir in Gotha sind da bescheidener. Wohl auch, weil wir eigentlich nichts mehr haben, was wir verlieren könnten. Das meiste Tafelsilber ist schließlich schon weg. Als es in den 1990er-Jahren darum ging, konnten Gothas SPD-OB Volker Doenitz und der CDU-Landrat Dieter Reinholz nicht so recht miteinander. Um es höflich auszudrücken …

Jetzt hingegen gibt es andere Signale: Landrat Konrad Gießmann (CDU), Bundestagsabgeordneter Tankred Schipanski (CDU) und Landtagsabgeordneter Matthias Hey (SPD) bildeten eine echte „große Koalition“. Wehren sich unisono gegen den von den Experten für Gotha konzipierten Kahlschlag der Fach- und Fachhochschulen in Gotha.

Begründet hatte die Kommission ihre Empfehlungen mit vermeintlich mangelnder Wirtschaftlichkeit der Verwaltungs-Fachhochschule und fehlenden Bedarfs für die Bauschule. Für Gießmann nicht hinnehmbar, weil es „Gotha als Bildungsstandort enorm schwächen würde – schließlich ist die Verwaltungsfachhochschule die einzige ausbildende Hochschule, die Schule für Bau, Wirtschaft und Verkehr die einzige Fachschule in Gotha“ (klick zur PM 44).

Das Hey-Light aufs Thema liest man heute auf TA- und TLZ-Papier oder in den onlinischen TA-TLZ-OTZ-Auftritten: Der Gothaer SPD-Landtagsabgeordnete Mathias Hey redet ebenfalls Klartext.

Das lässt hoffen.

Und verschafft mir gewisse Genugtuung, weil es meine „Oscar“-Kolumne „Die K-Frage“ aus dem Mai 2011 bestätigt.

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