Durch den Wulff gedreht

Tja. Habe ich mich also geirrt. Geirrt, weil ich dachte, der smarte Niedersachse, dieses Schaf im Wulffspelz, marschiert durch. Gleich im ersten Anlauf.

Aber da habe ich wohl den herrschenden Wahnsinn unterschätzt. Das morbide Geflecht aus machtgeilen Männern: Jenen, die tun, als habe ihnen Angie die Eier höchstpersönlich abgeschnitten. Das brauchte sie aber nicht. Sie hatten schon vorher keine mehr. Die jedenfalls wollten der protestantischen Ost-Tussie zeigen, was ein rechter Hammer ist.

Und jenen, die schon wegen 14 % besoffen sind und deshalb ins Lenkrad greifen.

Unterschätzt habe ich auch die Unbelehrbarkeit der Linken. Falsch: Nicht DER Linken, sondern jener Linken, die link sind. Sich daher nur als Linke ausgeben. Die Lafontaines und Ernsts dieser Republik, die für ihre egomanen Spielchen nicht bloß ihre Großmutter verkaufen würden. Sie verkaufen Genossen, Gesinnung, Größe und eine geniale Chance auf politischen Aufbruch. Einen, der Massen hätte mobilisieren können.

Nein. Ich bin wirklich kein Gauck-Fan. Wenn er, scheinbar wie besessen, mit Feuer und Schwert, Satan Stasi austreiben wollte, schauderte es mich. Er trat fürwahr zuweilen auf wie in legitimer Erbfolge der Heiligen Inquisition.

Heute haben wir erlebt, dass eine früher wohl vorhandene politische Elite dieser Republik derweil zur selbstsüchtigen Kaste verkümmert ist. Nicht alle. Glücklicherweise. Aber die Lauteren werden immer weniger.

Wulff macht seinen Job bestimmt gut. Und das kollektive Gedächtnis hatte schon immer den Trend, löchrig zu sein.

Nur: Die Regierenden hielten nicht inne, weiter ihre untauglichen Mittel gegen die Hochfinanz-Hydra anzuwenden. Und ehe sie es sich versahen, hatte sie sie geschluckt. Sie schnallen jetzt die Gürtel enger. Die der anderen.

Die politische Kaste dieser Republik – jene Selbstsüchtigen jedenfalls, nach denen uns nicht bloß die Schulden-Sintflut droht, sondern auch die vollkommene Sinnentleerung jedes politischen Engagements, weil niemand mehr ernstlich an deren Ernsthaftigkeit glauben mag -, diese Kaste jedenfalls bringt allemal noch ihre Schäfchen ins Trockene, weil sie uns blökendes Schlachtvieh zum Abdecker treibt.

Ex-Kanzler Schmidt forderte vorgestern statt Visionen Verantwortung.

Warum, so frage ich, soll ich Verantwortung übernehmen, wenn mir unklar ist, wohin die Reise geht und wer wirklich das Ruder führt.

Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.