Die Zeiten ändern sich

Mea culpa … Andreas Heß, Matthias Schmerbauch und Stephan Beck mögen mir vergeben! In „Oscars“ Juni-Kolumne machte ich aus den dreien Zimmerer, obwohl sie TISCHLER sind. Wenn auch nur ein einziges Mal – der Fauxpas kratzt an meiner Berufsehre.

Nicht, dass das Zimmerer-Handwerk weniger ehrbar wäre. Überhaupt nicht. Davon konnte man sich dieser Tage in Sonneborn überzeugen. Ein Quintett trainierte dort für die Berufs-Europa- und Weltmeisterschaft. Medaillenhoffnungen haben alle. Der Schleizer Lockenkopf Philipp Stich hat das Zeug dazu, es seinem Idol – „The doctor“ Valentino Rossi – gleich zu tun. Der ist mit seinen 32 Jahren schon neunfacher Motorrad-Weltmeister. Philipp, zehn Jahre jünger, greift das erste Mal nach der Krone. Siegt er bei den „World Skills“ im Oktober in London, kann er seinen Titel nicht verteidigen. Weil er nicht mehr antreten darf. So sind die Regeln.

Dass die fünf besten deutschen Holzwürmer unter idealen Bedingungen trainierten, verdanken sie auch der Hamburger Firma VELUX und deren Sonneborner Residenten, Günther Sperl. Das Unternehmen stellte sein Schulungs-Forum zur Verfügung, sorgte zudem für standesgerechte Unterkunft und ein Begleitprogramm: Den jungen Burschen fehlte es an nichts.

Fast an nichts fehlte es auch uns und unseren Gästen zum „ThüringenTag“. Obwohl dessen 13. Auflage, hielt sich die Pech-Marie fern. Natürlich ließe sich trefflich über manches streiten: Älteren mögen diverse Aufräumaktionen an längst vergangene Zeiten erinnert haben. Sei ‘s drum: Gotha war nach meiner Erinnerung in den letzten 20 Jahren nicht so gepflegt. Im Festumzug gab es ein paar Uniformen zu viel, dafür junge Sportler zu wenig. Und dies, obwohl der Landkreis über 200 Sportvereine mit mehr als 25.000 Aktiven hat, damit Thüringer Spitze ist. Klasse, dass fast alle Angebote jedermann und –frau kostenlos geboten wurden. Schlecht, dass ausgerechnet die Thüringen-Philharmonie nicht darunter fiel, wie Katrin Luster in ihrem TLZ-Leserbrief dieser Tage zu Recht bedauerte. Und ich pflichte ihr UNBEDINGT in puncto Schlosspark bei. Der zeigte sich – wie nie zuvor! – voller Lebenslust, Freude und quietschvergnügter Menschen. Man mochte meinen, sie alle kamen, um Goethes „Osterspaziergang“ zum Leben zu erwecken:

Kehre dich um, von diesen Höhen.
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen, finster’n Thor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feyern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
(…)
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich ’s seyn.

Einst wandte sich in Schillers „Don Carlos“ der Marquis Posa an Phillip II. mit den Worten: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!“ So möchte man dies jetzt mit dem Herrn über die Gothaer Parks tun, mit Helmut-Eberhard Paulus, dem Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten: Versagen Sie sich nicht dieser überwältigenden Botschaft, die die Gothaer zum „ThüringenTag“ sandten. So viel Leben war nie im gartenbautechnischen Denkmal!

Sicher war nicht alles edles Metall, was das Licht öffentlicher Aufmerksamkeit spiegelte. Folglich gab es auch ein paar, die nörgeln mussten. Den absoluten Tiefpunkt setzte dabei ThoBe, der nicht zuletzt aus der TA bekannt ist. Er kotzte sich ausgerechnet auf der Internetseite des ansonsten so Kultur beflissenen „takt“-Magazins aus. Das wird ihm in seiner Heimatstadt nicht so bald nachgesehen werden. Glücklicherweise fand dieser so hirn- wie geschmacklose verbale Brechdurchfall kaum Aufmerksamkeit.

So wenig, wie der öffentlich verkündete Rücktritt Manfred Vitts als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Gotha. Vierzehn Tage lang wussten dies nur jene, die am 7. Juli beim Kreisseniorentag in Seebergen waren. Und die Sparkassen-Mitarbeitern, denen das vier Tage danach per Vorstands-Rundschreiben Nr. 058/2011 mitgeteilt wurde.

Vitts Rückzug überraschte. Nicht lange ist ’s her, da wollte und sollte er seinen laufenden Vertrag bis 30. Juni 2012 erfüllen. Nun also das plötzliche Ende einer Ära. Vitt ist seit Januar 1991
Hier, seit 1. Juli 1992 Vorstandsvorsitzender. Er hat deutlich
mehr geleistet, als es die Anzeigenseite in TA und TLZ am 21. Juli und im „Allgemeinen Anzeiger“ drei Tage später vermuten lässt. So aber wurde der Abgang wenigstens öffentlich.

Gott sei dank erfährt man so etwas derzeit am Stammtisch, in der Sauna, beim Einkauf. Die medialen Lokal-Matadoren scheinen sich – Dornröschen gleich – an der Spindel der dreizehnten Fee gestochen zu haben. Die sitzt ausgerechnet im eigenen Verlag: Seit Ostern 2010 „kooperieren“ TA und TLZ auf Anweisung der ZGT-Verlagsmanager bei Texten und Fotos. Zwei Zeitungen mit identischem Lokalteil führen Meinungsvielfalt ad absurdum. Jetzt kommt ein personeller Kahlschlag bei beiden Titeln hinzu. Eine Folge: Die TA-Lokalausgabe machten in den letzten Wochen oft Ersatz-Leute, die nicht aus der Region kamen.

Ausgerechnet in jener Stadt, deren Schulwesen im 18. Jahrhundert dank Andreas Reyher als Vorbild für Deutschland galt und weshalb zum geflügelten Worte wurde, dass des Herzogs Bauern gebildeter wären als die Edelleute in anderen Gegenden …

The times tey are a-changin’. Die Zeiten, sie ändern sich.

Seit 29. Februar 2012 gibt es “Das Wort zum MUTwoch” in der

Außerdem erscheint seit Dezember 2002 im “Oscar am Freitag” in der Lokalausgabe Gotha am jeweils letzten Freitag im Monat meine gedruckte Kolumne – “Der Aschenbrenner hat das Wort”; die hier auch anschließend veröffentlicht wird.

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